An einem Donnerstag Nachmittag 02 Teil

So durchgestylt und edel der öffentliche Bereich des Kaufhauses auch war, in dem ich arbeitete, so schäbig und billig waren die Bereiche für die Mitarbeiter.
Vanessa trat auf den Gang heraus und ich schämte mich im selbem Augenblick für die abblätternde Farbe am Gang, für die ausgefallenen Leuchtstoffröhren in der Deckenbeleuchtung, so als ob ich der Verantwortliche für all das gewesen wäre.
So eine Frau, wie Vanessa es war, hatte eine andere Umgebung verdient.
Ich zog die Tür ins Schloss und sperrte ab.
Vanessa war stehengeblieben und schaute mir zu.
Plötzlich hatte ich das Gefühl, jemand zu sein.
Nicht irgendwer, nicht irgendeine belanglose Personalnummer in irgendeinem x-beliebigen Konsumtempel, sondern ein Mann aus Fleisch und Blut: Lebendig, pulsierend, männlich, jederzeit bereit, Frau und Kinder gegen jeglichen Angreifer mit allen Mitteln zu verteidigen.
Nur – ich hatte keine Frau, hatte keine Kinder. Ich stand mit einer Ladendiebin auf dem schmuddeligen Gang vor meinem Büro und war dabei, ihr gegen alle Vorschriften und Gesetze die Flucht zu ermöglichen.
Ich konnte nicht anders – ich musste einfach lächeln.
Ihre Augendeckel hoben sich einen Bruchteil und ihre seidigen Wimpern öffneten sich fragend.
Nur – was hätte ich ihr jetzt sagen sollen?
Das ich glücklich war, so glücklich, wie ich noch nie in meinem Leben gewesen war?
Das ich ewig mit ihr so am Gang stehen bleiben könnte, ewig, und nichts anderes tun, als zu wissen und zu spüren, dass sie da war, ganz nah war, und mich mit ihren betörenden Augen anschaute?
Dass ich alles aufgeben würde, alles, was mir vertraut und wichtig war, um bei ihr sein zu können – ganz gleich wo, ganz gleich, unter welchen Umständen?
Nichts von dem brachte ich über die Lippen.
Nichts von dem, was in mir in Bewegung, in Aufruhr war, drang nach außen.
„Gehen wir!“
Ich spürte, wie mein Rücken sich ganz von selber anspannte.
Ich war darauf gefasst, dass sich eine der Bürotüren öffnen und ein Kollege mir in den Weg stellen würde.
Nichts dergleichen geschah.
Ich war erleichtert und gleichzeitig tief enttäuscht.
Da war die Sehnsucht in mir, mit ihr gesehen zu werden. Ich wollte, dass alle Welt sah, dass ich mit Vanessa den Gang entlanging.
Sie war nicht gefesselt, sie war nicht unter Drogen, sie ging freiwillig neben mir.
Wenige Zentimeter trennten uns und das Stakkato ihrer Abstätze auf dem Steinboden war der Rhythmus, in dem mein Herz jagte.
Ich wollte nicht mit ihr im Lift fahren. Ich wußte, ich hatte nicht viel Zeit und die Zeit, die ich hatte, wollte ich ungestört mit ihr verbringen. Keine zufälligen Fahrgäste, keine lasziven Blicke, nichts Derbes, nichts Schmieriges, was unsere geheimnisvolle Intimität stören könnte.
Wir kamen zur Glastüre, die zum Stiegenaufgang führte. Ich öffnete sie und ließ ihr den Vortritt.
Sie schritt an mir vorbei ins Stiegenhaus wie eine Göttin. An ihrer Kopfbewegung glaubte ich zu erkennen, dass sie meine kleine Geste wahrgenommen hatte und sie schätze.
Ich musste sie die ganze Zeit aus meinen Augenwinkeln anschauen.
Die bewegte Fülle ihrer Haare, die hohe Stirn, die fein geformte Nase, der Schwung ihrer Lippen, die dezent und gekonnt geschminkte Haut.
Aber immer wieder zog es meine Blicke magisch hin zu ihrem weit ausladenden Busen, der alle mir bekannte Dimensionen sprengte.

Vanessa musste das Gefühl haben, neben einem kranken Spanner auf dem Weg zu sein. Aber ich konnte einfach nicht anders.
Die Finger meiner linken Hand umklammerten den Schlüsselbund, die Finger meiner rechten Hand krallten sich um das Feuerzeug. Beide waren schweissnass.
Ich wusste: Wenn ich die Finger nur einen Augenblick lockern würde, würden sie sich ganz von selber auf den Weg machen: Hin zu Vanessa. Sie würden sie in den Arm nehmen, sie würden sie zu sich drücken und dann voller Hunger und Sehnsucht auf ihre Brüste legen.
Ich wolle spüren, wie sie sich unter dem dünnen Stoff ihrer Bluse anfühlten. Ich wollte mit meinen Fingerkuppen den feinen Stoff ihres Bh’s zärtlich abtasten. Ich wolle das pralle Rund ihrer Form liebkosen.
Ich wollte sie kneten, ich wollte sie massieren, ich wollte spüren, wie sich ihre Warzen ganz von selber versteiften und mir entgegenreckten.
So vieles wollte ich machen, und so wenig Zeit blieb mir.
Jeder Schritt, den wir setzen, brachte uns näher zur Eingangstür. Ich musste die Zeit aufhalten, ich musste wenigstens auf Zeitlupe schalten, ich musste jede Kleinigkeit von ihr wahrnehmen und in mir abspeichern.
So mussten sich Strafgefangene auf dem Weg in den Arrest fühlen: Jetzt noch einmal alles aufnehmen, jedes Kinderlachen, die Wärme der Sonne, den Geruch von frischer Erde.
Sie wussten: Für sehr lange Zeit war es das letzte Mal, dass sie das alles in Freiheit wahrnehmen und genießen konnten.
Ich wusste: Die Eingangstür kam immer näher und dann war der Traum vorbei. Er hatte noch gar nicht richtig angefangen, und schon wurde mir jede Chance entzogen.
Wir beide hatten einen unausgesprochenen, aber trotzdem sehr wirksamen Deal ausgemacht:
Sie hatte mich verzaubert und nach Jahren wieder zum Träumen gebracht und ich schenkte ihr dafür die Freiheit.
Durch das Glas der Eingangstür konnte man schon all die Passanten sehen, die in der Fußgängerzone hastend aneinander vorbei drängten.
Draußen pulste das Leben und ich öffnete verzweifelt die Türe.

Wie ein einziger riesiger Fluss strömten die Menschen an uns vorbei.
Das war’s nun gewesen.
In wenigen Augenblicken würde sie nach links gehen und ich nach rechts. Alles was mir bleiben würde, war die wehmütige Erinnerung an eine Frau, die das Kunststück geschafft hatte, mich in wenigen Augenblicken vollständig zu verzaubern.
Ich hatte mich nie ohnmächtiger und verzweifelter gefühlt.
Jetzt, wo alles vorbei war, hatte ich das Gefühl, in einem zähen Sirup aus vertaner und ungenützter Zeit zu versinken.
Wie in Super-Zeitlupe bewegte sich eine Mutter mit ihrem Kind vorbei. Ich konnte sehen, wie das Kind voller Begeisterung auf etwas deutete, was ihm in einem der vielen Schaufenster aufgefallen war.
Die Mutter nahm es aber nicht wahr und riss es mit einem lieblosen und harten Ruck weiter.
Vanessa öffnete den Mund.
Ich erstarrte innerlich.
Ich hatte bisher geglaubt, das Ärgste, was mir geschehen konnte, war, sie für immer zu verlieren.
Jetzt wusste ich, es gab etwas, dass noch viel schlimmer war.
Wenn Sie mich jetzt zu sich nach Hause einlud, wenn sie mir jetzt das Angebot unterbreitete, mit ihr aus „Dankbarkeit“ in ein Hotel zu gehen, dann hatte ich diese Frau nicht nur in der Realität, sondern auch im letzten meiner Träume für immer verloren.
Ich hatte ihr nicht die Freiheit geschenkt, um „billig“ ins Bett zu kommen.
Sie lächelte.
„In ihrem Büro war es ruhiger!“
Ich nickte wie ein Student, der in der entscheidenden Prüfung nur noch „Bahnhof“ verstand.
In irgendeiner weit entfernten dunklen Ecke meines Bewusstseins dämmerte mir aber, dass so keine Frau reden würde, die dabei war, für immer zu gehen.
Nur, was sagen?
Magisch zog es meine Blicke wieder zu ihren großen Brüsten hin.
Ich hätte mich auf der Stelle ohrfeigen können.
Ich stand mit der Frau meiner Träume auf der Straße, jetzt kam es darauf an, dass ich das Richtige sagte, das ich das Richtige tat, und alles, was mir anscheinend dazu einfiel, war, wie ein Idiot unentwegt auf ihre Riesenbrüste zu starren.
Sie lächelte.
„Jetzt könnte ich etwas zu Trinken vertragen!“
Es war, als ob ich aus einer tiefen Trance erwachte und wieder in die mir bekannte und vertraute Welt zurückkam.
Vanessa war etwas ganz Besonderes – kein Zweifel! Aber nur weil sie einen Busen hatte, der fast jedem Mann, den ich kannte, den Boden unter den Füßen wegzog, der fast jede Frau vor Neid erblassen ließ, war sie nicht anderes wie du und ich.
Sie sprach unsere gemeinsame und vertraute Sprache, sie hatte unsere Bedürfnisse und Sehnsüchte und es lag an mir, auf eine nette und warmherzige Art mit ihr vertraut zu werden.

Ich wusste, wohin ich mit Vanessa wollte…

Es war Rushour, die halbe Stadt war unterwegs.
Der Verkehr staute sich an jeder Ampel, die Gehsteige wurden zu Geschicklichkeits– und Hindernisparcours.
Eine allgemeine Hektik und mühsam unterdrücke Aggression breitete sich aus wie ein Flächenbrand.
Wir bestiegen die Straßenbahn. Natürlich war auch sie voll mit Menschen, die froh waren, dass die Arbeit vorbei war und die müde und erschöpft nach Hause strebten.
Wir fanden einen Platz, wo wir halbwegs bequem stehen konnten. Die Straßenbahn setzte sich mit einem Ruck in Bewegung.

Vanessa stand nah bei mir.

Sie war einen Kopf kleiner wie ich und meine Augen wühlten sich verspielt durch ihr feines, duftiges Haar.
Ich hielt mich mit einer Hand am Haltegriff fest, ließ mich voller Freude durch jede Kurve tragen und war nur glücklich.
Ich stellte mir vor, wie groß Vanessa wohl sein würde, wenn sie ohne ihre Schuhe mit den hohen, schlanken Absätzen barfuß vor mir stehen würde. Ein warmes, zärtliches Gefühl breitete sich von der Magengegend über den ganzen Körper hin aus. Wir hatten es geschafft. Wir waren gemeinsam unterwegs, in einem fein gewebten Kokon aus Glück und Zeitlosigkeit.

Bei jeder Haltestelle drängten mehr Fahrgäste in den Waggon. Der Platz wurde immer enger. Früher wäre ich ärgerlich und ungehalten geworden. Ich hätte mich über die Unfähigkeit mancher Manager der Verkehrsbetriebe beschwert, die es immer noch nicht auf die Reihe brachten, in den Stoßzeiten genügend Garnituren einzusetzen. Jetzt stand ich einfach nur da und konnte nicht genug davon bekommen, Vanessa immer näher bei mir zu spüren.
Aus den Augenwinkeln heraus konnte ich wahrnehmen, dass die Oberweite von Vanessa ein Blickfang für die gesamte Umgebung war. Niemand ließ sie unberührt. Die Frauen schauten voller Neid, die Männer voller Sehnsucht und Gier.
Einem großen Teil von ihnen war gemeinsam: Sie schauten her, drehten dann ihren Kopf gleich weg um wenige Augenblicke später wie von einem geheimen, unsichtbaren Faden gezogen wieder herzublicken.
Ich fragte mich, wie das Verhalten ihrer Umgebung für Vanessa war und beschloss, sie in einem geeigneten Augenblick danach zu fragen.
Inzwischen war der Waggon gerammelt voll.
Die großen, schweren Brüste von Vanessa drückten sich wie zwei aufreizende Wassermelonen an meine Brust.
Ich spürte ihre Größe, ich fühlte die pralle, feste Form, die durch den BH an ihrem Platz gehalten wurde.
Ich wollte mich daran reiben, ich wollte sie in die Hand nehmen, ich wollte mit meinen Fingern Entdeckungsreisen unternehmen und hielt mich gewaltsam zurück.
Noch war nicht die Zeit, Vanessa mein Begehren spüren zu lassen.
92% (17/2)
 
Categories: Fetish
Posted by semper-et-ubique
3 years ago    Views: 1,314
Comments (3)
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3 years ago
Sehr nett, wie die Rollen sich verschieben:
Der Jäger wird immer schwächer, das Wild immer stärker.
Bin ja gespannt, wo das noch endet :)
3 years ago
Ich mag es ja nicht so, wenn Frauen so riesige Brüste haben, aber ich würde trotzdem gerne wissen, wo das hinführt
3 years ago
Man sehnt sich hin zu den beiden und hofft inbrünstig, dass er "erfolgreich" sein möge - warte schon gespannt auf Teil 3! Brillant geschrieben wie immer - Danke!