London Calling 05

London Calling

By plusquamperfekt ©

Fünfter Teil – Liebe und andere Fatalitäten


Ich hatte im vergangenen Jahr Grundkurse in Französisch und Italienisch beendet und nun besorgte ich mir einen Hindi-Kurs. Die erste Fassung meines Stücks war fertig. In der Ruhe und Abgeschiedenheit meines Apartments kriegte ich einfach mehr auf die Reihe. Sara war die erste, die es zu lesen bekam. Sie war nicht so wahnsinnig begeistert, dass ich unsere Beziehung auf die Bühne bringen würde. Aber das Stück selbst fand sie gut.

Am Anfang hatten wir tatsächlich die Farce des „wir sehen uns mit anderen Augen“ durchgezogen, ich hatte sie ganz förmlich zu mir zum Essen eingeladen, wo sie mir dann ihre Rezension gab. Es war mir gelungen, mich von ihr zu lösen, nicht nur physisch, sondern auch psychisch und emotional. Ich glaube, zum einen war es das Stück, das kathartische Effekte bei mir erzielte, aber auch und gerade, dass ich mich mit Yoga und Meditation zu beschäftigen begann.

Ich hatte in Deutschland mal ein wenig damit angefangen und es war Teil eines Programms, wieder mit mir selbst klar zu kommen, denn davon war ich zuletzt weit entfernt gewesen. Ich las eine Menge spiritueller und philosophischer Texte und schaffte es, mir das Rauchen abzugewöhnen. Dann ging Matthew plötzlich ab.

Er hatte eine größere Arbeit abgeben müssen und arbeitete daran über eine Woche hinweg fast zwanzig Stunde täglich. Zusätzlich war er dabei, seine reichlich ausgefallene Ernte zu vernichten. Erst merkte niemand etwas, aber als er nach Abgabe der Arbeit anfing, Leuten Zettel mit völlig sinnfreien Botschaften zuzustecken, fingen wir an, uns Sorgen zu machen. Er hatte sich in einen Zustand völliger Überdrehtheit hineingearbeitet, aus dem er so ohne weiteres nicht mehr herauskam.

Mit Keylam und Bob zusammen kontaktierten wir seine Eltern, die ihm ein Busticket nach Irland buchten, packten ein paar Klamotten für ihn ein und setzten ihn in den Bus. Bevor er ging, gab er mir eine Plastiktüte voll Grass, da er davon erst einmal die Schnauze voll hatte.

Nun, da ich offiziell keine Zigaretten mehr rauchte, fing ich an, mir den einen oder anderen kleinen Spliff zu genehmigen, als Belohnung für mein ansonsten so gesundes Leben, das nun aus täglicher Meditation, Yoga und gesundem Essen bestand. Nach Ablauf einer Woche rauchte ich in etwa so viele Spliffs, wie zuvor Zigaretten und kriegte gar nichts mehr auf die Reihe.

Ich gab den Rest des Zeugens an Bob weiter. Ich hatte genug davon, mich zuzudröhnen. Auch und insbesondere, weil ich in meinem Briefkasten eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch fand. Ich hatte mir die Stellenanzeige aus der Zeitung nicht aufgehoben, also war ich mir nicht sicher, um welchen Job es dabei überhaupt ging.

Die Firma hatte ihren Sitz zu dieser Zeit noch in Battersea, nicht weit von dem berühmten stillgelegten Kohlekraftwerk, das auf dem Cover von Pink Floyds „a****ls“ zu bewundern ist und das mit seiner eindrucksvollen Silhouette die Szenerie beherrschte. Viel zu früh erschien ich am richtigen Ort und verbrachte mehr als eine halbe Stunde nervösen Wartens in einem nahegelegenen Park. Ich fing wieder mit dem Rauchen an, um meiner Nervosität irgendwie Herr zu werden. Ich rauchte in der halben Stunde vier Zigaretten, um mir die Zeit zu vertreiben. Dann war es endlich soweit.

Mein Interview hatte ich mit einer eigenartigen Frau, die mir erst lange etwas über die Firma und deren Wachstumsrate vorbrabbelte, mir dazu die entsprechenden Grafiken zeigte und Zahlen vorlas, die mich in diesem Moment wenig beeindruckten. Es war eine Modeschmuckfirma, die auf einer sogenannten Multi-Level-Marketing Idee beruhte.

Das System war ähnlich wie bei Tupper; unsere Kunden machten Schmuckpartys und warben weitere Verkäufer, von deren Verkäufen sie eine gewisse Prozentzahl angerechnet bekamen und so in verschiedene Stufen gerieten. In der höchsten Stufe verkauften die Top-Leute meist gar nicht mehr, sondern lebten quasi von ihrem Verkäufer-Stamm, die dort „Berater“ genannt wurden. Und die meisten sogar richtig gut.

Nun, beides war nicht unbedingt meine Welt und sehr fremd. Der Grund, warum ich dort saß, war, dass die Firma mittlerweile auch in Frankreich und Deutschland eine Zweigstelle hatte, der deutsche Kundenservice hatte seinen Sitz in München, die deutsche Bestellannahme hingegen war in London, auch wenn die Kunden eine Münchner Nummer anriefen. Ich wurde für einen Job in jener interviewt.

Die Frau vor mir wirkte ätzend hart und ließ nicht im Mindesten durchblicken, ob das Interview für mich erfolgreich verlaufen war oder nicht. Später erfuhr ich, dass sie ein Feldwebel in der Armee gewesen war. Sie sagte noch so etwas wie „wir hören voneinander“ und das war es dann.

Ich rannte jeden Morgen aufgeregt zu unserem Briefkasten, aber ich fand keine Nachricht, weder positiv noch negativ. Am Ende wollte ich doch wissen, woran ich war und rief dort an. Keinen Tag zu früh, denn da ich selbst kein Telefon besaß, daher nicht telefonisch für sie erreichbar war und mich nicht gemeldet hatte, gingen sie davon aus, dass ich nicht interessiert war.

Ich beeilte mich, das Gegenteil zu versichern und hatte meinen Job. Zwei Wochen nach meinem Geburtstag sollte ich anfangen. Ich würde Einunddreißig werden. Sara war auf einem Kurzurlaub in Italien und ich wollte meinen Geburtstag nicht allein oder nur im Falcon verbringen. Also lud ich Gianna zum Essen ein und kochte. In dieser Zeit hatte ich meine vegetarische Ernährung kurzzeitig suspendiert und aß auch wieder Fleisch.

Aus diesem Grunde war es mir möglich mein Signatur-Steak mit Wein-Soße für sie zuzubereiten, mit dem ich mal einen Kochwettbewerb gewonnen hatte. Sie kam herum, gab mir ein Geschenk, nämlich ein lila Seidenhemd und eine Karte, auf der „ich wünsche dir, dass du alles, was du dir wünscht, zum Geburtstag bekommst“ stand, mit einer Geburtstagtorte und Kerzen drauf. Drinnen las man dann „inklusive des Blow-Jobs“ und die Torte war mit einer Kerzen ausblasenden Cartoonfigur abgebildet. Ich lachte laut los.

„Das ist ja witzig, danke.“

„Ja, die ist klasse, nicht wahr? Ich werde im Übrigen dafür sorgen, dass du einen bekommst.“

Wir grinsten uns an. Und Sara? Sara war weit weg und unsere Annäherungsversuche waren erneut im Nirgendwo verlaufen. Mein Theaterstück, das nun bei Kev, dem kanadischen Regisseur lag und auf eine erste professionelle Rezension harrte, hatte sie irgendwie wieder auf Abstand gehen lassen, nicht, dass wir uns vorher wesentlich näher gekommen waren. Sie kam ein Mal die Woche rum, um an einer meiner Yoga-Sessions teilzunehmen, aber das war es auch schon. Und schließlich war ja auch mein Geburtstag.

Das Mahl war schnell zu Ende und wir waren beide richtig gut gesättigt und zufrieden. Wir rauchten einen Spliff.

„Du hast die Wahl, willst du erst auf Kneipentour oder willst du erst den zweiten Teil deines Geschenks …“

Sie war sich wohl sehr sicher, dass ich nicht nein sagen würde. Verdammt, das letzte Mal, dass ich Sex gehabt hatte war vor vielen Monaten mit ihr und der Besoffenen gewesen. Scheiß auf Sara. Ich war schließlich auch nur ein Mann mit Bedürfnissen. Die sich aufgrund ihres verführerisch verdorbenen Grinsen auch körperlich zum Ausdruck brachten.

„Mir ist gar nicht nach trinken im Moment. Meinethalben können wir auch gern noch ein wenig hier bleiben.“

„Na, denn leg dich mal schön hin und entspann dich.“

Das war mir mehr als recht, denn ich war unglaublich vollgefressen und fast ein wenig müde von dem lukkulischen Mahl. Gianna schien da deutlich weniger angegriffen und befreite mich schnell von der überflüssigen Hose nebst Slip, der an den Rändern schon ein wenig ausgefranst war. Schließlich hatte ich mit solchen Zuwendungen nicht wirklich gerechnet und genommen, was halt oben lag.

„Vielleicht hätte ich dir lieber Unterwäsche besorgen sollen …“, kommentierte sie diesen Umstand.

„Wozu, ihr Mädels reißt sie mir doch eh immer gleich vom Leib … oh …“

Die Diskussion wurde in der bestmöglichen Art und Weise beendet, als sich ihre Lippen um meinen um ein Jahr gealterten, aber nichtsdestotrotz noch recht unternehmungslustigen Seppel schlossen. Unsere erste Begegnung war ja eher wilderer Natur gewesen. Jetzt aber war sie verblüffend ruhig und zärtlich, schleckte meinen Stiel mindestens so genüsslich, als ob sich tatsächlich Eis daran befände. Sie hatte plötzlich eine Idee, ließ ab und verwaiste mein Prachtstück für einige Momente, um dann mit der Sauciere zurückzukehren.

Sie schmierte etwas von der guten Wein-Soße darauf, sicher eher ein Indiz dafür, wie gut ihr selbige geschmeckt hatte. Das Spiel wiederholte sich noch einige Male, bevor sie mich, von delikaten Wonneschauern geschüttelt, langsam und stetig zu blasen begann. Ihre Hände setzte sie zunächst nicht am Schaft ein, sondern knetete mir eher liebevoll die Arschbacken, wobei sie langsam immer weiter zur Spalte vordrang.

So war ich auch nicht weiter überrascht, als ein Finger ihrer explorativen Hände in meinen Hintereingang eindrang. Überraschend war eher, wie leicht es ihr gelang, auch noch einen zweiten zuzuführen, obwohl sie nicht für eine entsprechende Ölung sorgte. Ich hatte leichte Bedenken ob ihrer langen und scharfen Fingernägel, aber es fühlte sich zunächst nicht schmerzhaft an, im Gegenteil. Ich wurde immer geiler.

Das hatte auch damit zu tun, dass sie gleichzeitig ein wenig schneller blies, dann stoppte und ein Talent fürs Schwertschlucken demonstrierte. Sie schaffte es tatsächlich meinen vor Blut und Begeisterung berstenden Schwellkörper in ganzer Länge unterzubringen und verblüffend lange in dieser Stellung zu verharren. In meinem Arschloch wurde es wieder enger, weil sie einen dritten Finger in Spiel brachte. Dann fing sie wieder an zu blasen, synchron mit den Fick-Bewegungen ihrer Finger, erst immer noch langsam und von leichten Spreiz- und Drehbewegungen begleitet.

Das änderte sich aber schnell und sie ging richtig heftig zur Sache. Ich weiß nicht mehr, was mich in diesem Moment mehr aufgeilte, die Finger-Fickerei oder dieser Staubsauger von einem Mund, der immer schneller auf mein kleines Geburtstagskind losging und sozusagen den Staub der Nichtnutzung nachhaltig entfernte. Innerlich bettelte ich um Schmerz, damit es noch ein wenig länger dauern würde, aber das kam leider nicht bei ihr an, da war Chris deutlich sensibler gewesen.

Chris. Die Erinnerung an sie fegte wie ein Feuerhauch durch meine Seele und begleitete den heftigen Orgasmus; das nicht minder heftige Spritzen, das nur in der ersten Welle von Gianna in Empfang genommen wurde. Der Rest verteilte sich auf meine noch mit Hemd bekleidete Brust.

Gianna grinste mich zufrieden an.

„Und? Hab ich dir das richtige Geschenk gemacht?“

„Zwei richtige Geschenke sogar. Für beide hast du meine ewige und tiefempfundene Dankbarkeit. Ich werde dann nachher zum Weggehen dein Hemd einweihen, weil dieses hier vielleicht als ein wenig zu anstößig empfunden wird.“

„Sorry, ich bin nicht so spermageil und deine erste Ladung war ziemlich reichlich.“

Sie half mir all meine Kampfspuren zu lokalisieren, als es plötzlich an der Tür schellte. Eigentlich noch nicht wirklich ein guter Moment für weitere Geburtstagsgäste. Irrespektive der Tatsache, dass sich mein Schwanz halberschlafft, aber immer noch ungebrochen der Freiluft erfreute, meinte sie „ich mach auf“ und sprang vom Bett.

Ich hatte außer Gianna niemanden eingeladen und mit meinen Freunden abgesprochen, dass wir uns zunächst in unserem alten Haus treffen würden, deshalb zog ich mir in fieberhafter Eile meine Hosen wieder hoch, während Gianna den Flur durchquerte und die Außentüre öffnete.

„Hey Gianna.“

Ich hörte schmatzende Küsschen und wusste natürlich sofort, wer der mysteriöse Gast war. Chris. Mein Herz klopfte bereits wild, als die beiden eintraten.

„Hallo Süßer. Ich hoffe, du bist mir nicht böse, dass ich hier so unangemeldet rein schneie. Mmmh, das riecht hier ja gut. Nach Sex und Wein-Soße. Ich hoffe, ich störe nicht? Herzlichen Glückwunsch.“

Bei ihrem letzten Satz hatte sie mich erreicht und mir einen schmatzenden Kuss auf die Lippen verpasst. Sie kicherte, als sie die Spermaflecken und die Sauciere auf dem Bett bemerkte.

„Warum werde ich eigentlich immer nur zu langweiligen Dinner-Partys eingeladen? Ihr habt euch wohl schon richtig gut amüsiert?“

Während ich ihr antwortete, dippte sie einen Finger in die Soße und schleckte ihn in unglaublich erotischer Manier ab.

„Du hast hiermit eine stehende Einladung für alle meiner folgenden. Und danke, ja, ich hab zwei Geschenke von Gianna bekommen, das letzte hast du nur um wenige Minuten verpasst.“

„Von mir kriegst du auch noch was, aber später. Was gab es zu der Soße? Steak? Und was macht deine Schulter, Gianna-Schatz?“

„Steak … und Schwanz natürlich. Beides richtig lecker. Geht schon wieder, ich hatte aber richtig blaue Flecke um die Biss-Stellen.“

Aha, daher wehte der Wind. Die Beiden hatten sich vorher wohl getroffen und Gianna hatte ihr meine neue Adresse verraten.

„Also kein Vegetarier mehr? Schau an. Und wieder richtig an Fleisch interessiert, wie es scheint. Vielleicht sogar rohes Fleisch? Schau mal, wie geil ihn der Gedanke macht. Also hast du mich auch vermisst, das ist irgendwie beruhigend.“

Das war wieder ganz die Chris, die ich kannte. Und liebte. Sie hatte sich äußerlich seit unserem letzten Treffen in Bobs Club ziemlich verändert. Ihr Haar war noch immer hennarot, aber nun sehr kurz geschnitten und wohl mit irgendwelchem Gel oder sowas bearbeitet. Es stand ihr wahnsinnig gut. Auch ihre Gesichtszüge waren leicht verändert.

„Dir gefällt meine neue Frisur, schön.“

„Du siehst fantastisch aus.“

Auch Gianna beeilte sich, ihre Zustimmung zu dieser Einschätzung anzubringen. Wir beschlossen, jetzt doch langsam zu Giannas Haus aufzubrechen, weil wir ohnehin schon deutlich später dran waren, als abgesprochen. Es war unglaublich, mehr als ein Jahr war seit unserer Trennung vergangen, aber an unserer Nähe oder der Intensität der Gefühle für sie hatte sich nichts geändert. Ich glaube, wir waren beide ein wenig überrascht, wie sehr wir sofort wieder in Flammen standen.

Mit diesen zwei Klassefrauen im Arm marschierte ich dem Rest meiner Geburtstaggesellschaft im Haus entgegen. Die waren jedoch ungeduldig geworden und schon in den Falcon aufgebrochen. Ich bekam einige neidische Blicke von diversen männlichen Passanten ob dieser heißen Bodyguards.

Chris trug eine hautenge Leder-Jeans, halbhohe Lederstiefel und das Schnürtop, das sie einst mit mir in dem Lederladen am Camden Lock mit mir erstanden hatte, dazu wegen der recht kühlen Temperaturen auch noch eine Lederjacke. Um den Hals ein Lederband, an dem ein Ring etwa in Größe eines Zweieurostücks befestigt war.

Auch im Falcon erregte sie so einiges an Aufmerksamkeit. Außer Bob kannte sie noch keiner von meinen anwesenden Freunden. Bob war allerdings schnell verschwunden, als sie sich kurz neben ihn stellte. Sie war ihm nicht geheuer, das hatte er mir mal gesteckt. Er bezeichnete sie als „kleine englische Hexe“. Das war kein Spruch, er hielt sie wirklich dafür. Iren haben ein anderes Verhältnis zu Natur und Magie. Für viele von ihnen ist sowas absolut real.

Ich war bester Stimmung, schmiss diverse Runden und bekam mindestens genauso viele eingeschenkt. Es ging alles ein wenig durcheinander und ich bedauerte irgendwie, mich nicht exklusiver Chris widmen zu können. Wir saßen schließlich gegen Ende dicht beieinander an einem Tisch. Sie hatte sich seitlich auf ihrem Stuhl gedreht und ihre ausgestreckten Beine über meine Oberschenkel gelegt.

Ich konnte gar nicht anders, als über das glatte Leder zu streichen, das sich wie eine zweite Haut über ihre fantastischen Schenkel spannte. Sie sah mich mit schräggelegtem Kopf an.

„Willst du nach dem Pub noch mit deinen Freunden weitertrinken?“

„Als ob du irgendeinen Zweifel daran hättest, dass ich nur irgendwo mit dir allein sein will.“

„Allein? Und was ist mit dir, Gianna?“

Gianna lächelte fein.

„Ich finde ihr habt euch wahrscheinlich so einiges mitzuteilen. Ansonsten gern, aber ich finde, ihr solltet euch ruhig aufeinander konzentrieren.“

Ich war ihr für diese Aussage dankbar und fühlte mich marginal schuldig, dass ich ihr noch nicht körperlich für ihre Geschenke hatte danken können. Aber dazu würde es sicher noch einmal eine Gelegenheit geben. Erstaunt stellte ich bei diesen Gedanken fest, dass Chris Nähe ausreichte, um alle neugefundenen Tugenden wie Zurückhaltung und Selbstkontrolle völlig auszulöschen.

Na, dies und wahrscheinlich auch der Alkohol. Ich war jedenfalls ziemlich vorn und auch etwas gangunsicher, als wir uns direkt nach dem Schließen des Pubs verabschiedeten und abseilten.

„Wir gehen zu mir“, bestimmte sie.

„Gefällt dir mein neues Zuhause nicht?“

„Nein, aber darum geht es nicht. Ich konnte ja schließlich nicht mein ganzes Zeug mitschleppen.“

Erinnerungen an ihr „Zeug“ hetzten durch meinen aufgewühlten Geist. Ich geriet gleich ein wenig mehr ins Wanken und sie griff zu, um mich zu stabilisieren.

„Immer langsam. Ich werde dir wohl ‘nen Kaffee machen müssen, damit du ein bisschen ausnüchterst. Oder wir gehen auf den Dachboden.“

Dort hatte ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit ihren Peitschen gemacht. Sie hatte mich an einen Sparren gekettet und bestimmt zwanzig Minuten bearbeitet. Die Erregung, die mich mehr als alles andere vorwärts trieb, wuchs. Ich versuchte, an etwas anderes zu denken.

„Erzähl doch mal, wie ist es dir ergangen, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben?“

„Da gibt es nicht viel zu erzählen. Im Haus ist alles beim Alten, Jamie hatte zwischendurch einen neuen Freund, der zwar süß aussah, aber ein Vanilletyp war. Demgemäß hielt die Sache nicht besonders lange vor. Tina hat eine Domina, die uns aber nur selten besucht, weil sie mich nicht ausstehen kann. Ich hab ihr wohl die eine oder andere Sache erzählt, die sie nicht hören wollte.“

Das konnte ich mir nur zu gut vorstellen.

„Und du selbst?“

„Ich? Ich ficke mich so durch, ohne besondere Vorkommnisse. Und du hast dir dieses Loch da ausgesucht, um Sara zu entfliehen, nehme ich an? Verstehe. Frei von ihr bist du aber immer noch nicht, oder?“

„Es geht so. Ich möchte aber jetzt eigentlich nicht über sie reden. Ich bin definitiv viel mehr davon beeindruckt, wie überwältigend unsere Begegnung gerade abläuft.“

„Ja, das habe ich so auch nicht erwartet. Wo willst du denn hin? Hier wohne ich, schon vergessen?“

Wir waren so in das Gespräch vertieft gewesen, dass ich tatsächlich an ihrem Grundstückseingang vorbeigelaufen war. Vielleicht sollte ich wirklich einen Kaffee trinken. Das schien auch sie so zu sehen, denn sie zog mich mit in die Küche. Sie machte sich gleich an die Zubereitung. Mit stummer Faszination beobachtete ich ihre vertrauten, fließenden Bewegungen. Fühlte ich, wie sich jede Zelle in meinem Körper nach ihr sehnte.

Und etwas anderes nahm ich wahr. Ich fühlte, was sie fühlte. Es war das erste Mal, dass ich es in dieser Art und Weise erlebte. Es war eine greifbare Energie, die von mir sofort dekodiert und verstanden wurde. Ich hatte mich auf Menschen einstellen können, aber ein Erlebnis wie dieses hatte ich noch nie gehabt.

„Du kannst mich fühlen, nicht wahr? Willkommen im Club. Du wirst es schnell hassen lernen. Nur mich, oder hat es mit anderen auch schon geklappt?“

„Nein, das ist das erste Mal.“

„Es ist mir eine Ehre. Wie dem auch sei, hier ist dein Kaffee. Ich hoffe du wirst schnell genug klar, um das hoffentlich bald Folgende uneingeschränkt zu genießen. Es wird da ja nicht entgangen sein, wie unwahrscheinlich und fassungslos geil ich im Moment bin. Soviel Feuchtigkeit kann nicht gut fürs Leder sein. Ich trage so einen Tünneff wie Unterwäsche nämlich seit geraumer Zeit nicht mehr.“

Das konnte ich sehr wohl fühlen. Mir ging es keinen Deut besser. Ich verbrannte mir ziemlich den Mund, als ich den noch viel zu heißen Kaffee, den sie mit einem dieser italienischen Kaffekocher auf dem Herd zubereitete, eilig hinunterspülen wollte. Ich wurde langsam schon etwas nüchterner. Gleichzeitig drückte mich mächtig die Blase. Aber auch das wollte ich für später aufheben. Für den Fall, dass sie noch immer darauf abfuhr, angepisst zu werden.

Sie verunstaltete ihren Kaffee mit Milch und Zucker und rührte nachdenklich darin rum.

„Was hat dir Gianna denn nun geschenkt? Lass mich raten: Dieses Hemd sieht nach ihrem einzigartigen Geschmack aus … und einen Blow-Job, nehme ich an?“

„Der Kandidat hat hundert Punkte. Inklusive Arsch-Finger-Fick. Das wären fünfundzwanzig mögliche Bonus-Punkte gewesen.“

„Ja, schade, Shawn lebt hier ja nicht mehr.“

Sie konnte es echt nicht lassen, mich damit aufzuziehen. Plötzlich schlich sich ein schlimmes Lächeln auf ihr Gesicht.

„Wo du doch so ein Gemüsefan bist … magst du Gurken?“

„Gurken? Nicht so wahnsinnig, warum?“

„Vielleicht wird sich das heute ja ändern. Neue Erfahrungen im neuen Lebensjahr. Zieh dich aus.“

„Kann ich vielleicht erst noch meinen Kaffee austrinken?“

Die aus dem Nichts kommende Ohrfeige belehrte mich eines Besseren.

„Okay, dann nicht“, setzte ich für ein Da Capo hinzu. Mein Wunsch wurde mir erfüllt. Dann stand ich auf und entledigte mich meiner Kleidung.

„Ich hol dir dein Geschenk“, meinte sie schon halb im Rausgehen. Sie kam mit einem in schwarzem Glanzpapier verpackten Kasten zurück.

„Pack es aus.“

Während ich an dem Papier riss, begann sie sich auszuziehen. Meine Aufmerksamkeit wanderte abwechselnd von ihr zu dem Kasten. Es sah fast wie ein Schmuckkasten aus, schwarz und innen mit schwarzem Samt ausgelegt. Darauf lagen ein Paar Handschellen und ein Halsband, das mich verdächtig an ein Hundehalsband erinnerte, vielleicht auch wegen der Marke daran. Grinsend las ich die dort eingravierte Widmung:

„Eigentum von Chris.“

Ihr Blick ließ mich aber schnell wieder ernst werden. Ich fühlte ihre Anspannung. Das war kein Gag-Geschenk. Sie überließ mir erneut die Entscheidung. Eigentlich überflüssigerweise sprach sie es aus.

„Ein Geschenk, dass du dich nicht annehmen musst.“

Ohne Zögern griff ich in die Schatulle, nahm das Halsband heraus und machte es mir um den Hals. Ihr Gesicht war ausdruckslos und beherrscht, aber ich konnte fühlen, was sie fühlte. Erleichterung, Glück, Liebe.

Liebe. In dieser Intensität völlig unerwartet. Es war überwältigend. Wortlos reichte ich ihr die Handschellen. Sie hakte sich in dem Ring an meinem Halsband ein und zog mich zu ihr heran. Wir küssten uns leidenschaftlich. Was sie nicht daran hinderte, die erste Schelle um mein Handgelenk zu schließen.
Sie bugsierte meinen linken Arm auf den Rücken und komplettierte meine Fesselung. Dann drückte sie mich langsam auf die Knie.

„Schau geradeaus.“

Folgsam starrte ich auf das kleine Korbregal vor mir, in dem Zwiebeln, Paprika und Kartoffeln lagerten. Ich hörte, wie sie einen Reißverschluss öffnete und etwas aufriss. Dann war sie auch schon wieder hinter mir. Ihre linke Hand glitt durch mein Haar, krallte sich fest, drückte meinen Kopf und in der Folge meinen Oberkörper nach unten, bis ich mit der Nase fast schon den Boden erreichte. Erst dachte ich, dass sie mir auf den Arsch kloppen wollte. Dann aber drängte etwas Kühles und recht Hartes an mein Arschloch.

Bevor mir richtig klar wurde, was jetzt abging, hatte sie die Salatgurke schon ein Stück in mein unvorbereitetes Arschloch gedrängt. Es war zunächst alles andere als angenehm, ziemlich schmerzhaft sogar. Ich keuchte und verkrampfte, aber sie setzte ihre Attacke erbarmungslos fort.

Die Tatsache, dass sie überhaupt weiterkam war überraschend, weil das Ding enorm groß und dick war. Vielleicht hatte Giannas Vorarbeit damit etwas zu tun. Sie stieß ein ordentliches Stück in mich hinein, um dann erstmalig Druck wegzunehmen und das Teil durch die Schließmuskelbewegung wieder herausgleiten zu lassen.

Mir dämmerte jetzt, dass sie wohl ein Kondom um die Gurke gewickelt hatte. Das änderte aber auch nichts daran, dass ihre nun einsetzenden Fick-Bewegungen an der Grenze des Erträglichen waren. Und genau dort begannen sie, sich großartig anzufühlen. Sie fickte nicht nur, sie zerstörte mein Arschloch mit diesem unschuldigen Stück Gemüse. Genau das machte mich unbeschreiblich geil. Sie wurde immer wilder. Gleichzeitig verstärkte sich der Druck auf meiner Blase.

Sie stieß immer tiefer und härter zu. Ich wurde davon so durchgeschüttelt, dass ich immer öfter mit der Stirn auf die weißen Fliesen knallte, weil ich die Oberkörperspannung kaum noch halten konnte und sie meinen Kopf immer wieder unerwartet sacken ließ. Ihr wurde wohl langsam der Arm müde, denn sie hielt kurz an und wechselte auf den linken. An der Wucht der Stöße änderte dies nichts.

Mein Kopf ruhte nun permanent auf den kühlen Fliesen, während sie mit ihrer Bestrafung fortfuhr. Für einen Moment fühlte es sich so an, als ob ich kommen würde, aber die Vielzahl und Mischung der Empfindungen, Blasendruck, anale Stimulation, Schmerz, residuale Trunkenheit und Geilheit machten es schwer, irgendetwas einzuordnen.

Schweratmend hielt sie an und ließ die fette Gurke von selbst aus meinem sich labbrig und verwüstet anfühlendem Arschloch gleiten.

„Das sollte zur Einführung genügen. Das Scheiß Kondom ist außerdem gerissen. Steh auf.“

Das war einfacher gesagt, als getan und gelang mir erst im zweiten Versuch. Scheu sah ich auf das Instrument meiner Bestrafung, eine bestimmt zwanzig Zentimeter lange und dabei recht dicke Salatgurke.

„Ich muss ganz dringend pissen.“

„Oh, cool.“

Mit fliegenden Fingern öffnete sie die Handschellen und kniete vor mir nieder.

„Hier?“

„Ist doch alles gefliest. Los, mach schon! Piss mich an. Schiff mir in den Mund.“

Meine Bedenken rührten auch aus einer hinterwärtigen Gefühllosigkeit, beziehungsweise meiner Unfähigkeit, einzuschätzen, was dort dann vorgehen mochte. Aber der Druck auf der Vorderseite duldete keine längeren Zeiträume der Entscheidungsfindung. Sekunden später badete sie ihr Gesicht in meinem blass-gelben Urinstrahl, der einfach nicht versiegen wollte. Obwohl sie das meiste meiner Natursektgabe getrunken hatte, lief doch so einiges über ihren ganzen Körper und bildete einige kleinere Pfützchen auf dem Boden.

Chris leckte mich noch schnell sauber und dann beseitigten wir unsere Spuren grob mit Küchenkrepp. Ich benutze dieses auch, um die Gurke zu entsorgen, an der das zerfetzte Kondom mittig aufgerollt hing und Blut klebte.

„Oh, du hast mich richtig blutig gefickt.“

„Jo. Hat’s dir gefallen? Lass uns hoch, ich dusch mich kurz ab.“

„Ja, war irre. Brutal, aber irre. Ich hatte ein paar Mal das Gefühl, ich würde kommen.“

„Ich weiß. Tut mir leid, dass es nicht ganz geklappt hat. Ich habe mir alle Mühe gegeben.“

Den Eindruck hatte ich durchaus auch gewonnen gehabt. Ich stieg mit ihr in die Wanne, um mich von ihr reinigen zu lassen. Wir hielten uns diesmal nicht lange mit der Duschaktion auf, denn der Wunsch nach Vereinigung wurde immer stärker und überwältigender. Als wir uns abtrockneten, hatte ich schon wieder einen Ständer, wie es arger nicht ging. Wir kamen tatsächlich noch bis vor ihre Tür.

Als sie aber ihre Türe öffnen wollte umklammerte ich sie von hinten und grabschte grob ihre Titten. Sie schaffte es noch, die Klinke herunterzudrücken, aber ich wollte keinen Schritt mehr laufen. Noch im Stehen gelang es mir, meinen harten Schwanz in ihrer zumindest im vorderen Teil feuchten Fotze unterzubringen. Sie knickte ihren Oberkörper ab und hielt sich mit beiden Händen an der Klinke der halbaufgeschwungenen Tür fest, während ich sie von hinten hart und ungeduldig rammte.

„Schau an, Tom ist wieder da“, kam eine Stimme aus dem Nichts. Jamie war von uns unbemerkt die Treppe hochgekommen und betrachtete unseren Stand-Fick mit schräggelegtem Kopf. Ich sah keinen Grund anzuhalten und hämmerte auch weiter auf ihre Hausgenossin ein.

„Hallo Jamie. Schön dich wiederzusehen. Ich umarm dich später … wir sind … wie du siehst … etwas … oh … beschäftigt.“

„Er hat heute Geburtstag“, informierte Chris die Hinzugekommene, um dann mit gleicher Intensität und Lautstärke weiter zu stöhnen. Jamie umarmte mich von hinten und küsste mich auf die Wange, während ich mich langsam auf meinen Höhepunkt zuarbeitete.

„Herzlichen Glückwunsch. Fick sie mal ordentlich durch. Wenn ihr wollt, spiele ich gerne mit.“

„Heute … oh … nicht …“, presste Chris mühsam unter ihren Lustlauten hervor. Ihr Gesicht war stark gerötet, ihr feuchtes Haar klebte an ihrem Kopf. Ich konnte fühlen, dass auch sie nicht mehr weit entfernt war. Jamie seufzte und gab mit einem leicht schmollenden Unterton bekannt:

„Selbstsüchtiges Miststück. Gib ihr dafür nachher ordentlich was auf den Arsch, versprichst du mir das, Tom? Ihr seid kurz davor, nicht wahr?“

Wir ließen ihre Frage unbeantwortet, denn ihre zutreffende Einschätzung war nur noch eine Randerscheinung in dem uns gemeinsam mitreißenden Strom des Gipfelerlebnisses. Ich pumpte ihr meine heiße Ladung bereits in ihre glitschige Fut, als auch sie kam. Jamie löste ihre Arme von meinem Becken und gab uns damit Gelegenheit zu Boden zu sinken.

„Dachte ich mir doch. Okay, ihr zwei, dann noch viel Spaß und feiert weiter schön. Ich freu mich wirklich, dich zu sehen, Tom. Ihr zwei gehört zusammen.“

Trotz meiner Atemlosigkeit und den post-koitalen Auflösungserscheinungen gelang es mir noch, ihr kurz die Marke an meinem Halsband zu präsentieren.

„Ich hab’s sogar schriftlich.“

Sie kicherte.

„Hast du es ihm endlich gegeben? Also in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Abend. Okay Chris, dann ist dein Nicht-Teilen-Wollen hiermit verziehen. Hau ihr trotzdem noch ein paar drauf.“

Ich versprach es ihr, bevor sie sich in ihr Zimmer zurückzog. Wir lagen noch eine Weile halb im Flur, halb in ihrem Zimmer, bevor wir es endlich schafften, über die Schwelle hinauszukommen. Da sie mich zuvor mal Herkules genannt hatte, wollte ich meinem Ruf gerecht werden, stand auf und hob sie an, trug sie leicht wankend bis zu ihrem Bett und warf sie darauf. Sie grinste verzückt.

„Hast du nicht gehört, was du jetzt mit mir tun sollst? Du weißt ja, wo alles ist.“

„Halt’s Maul und knie dich hin, Hände auf das Gitter.“

Ich besorgte mir ihr langes Lederband und ihre Klopfpeitsche, während sie folgsam die befohlene Position einnahm. Ihr fiebriger Gesichtsausdruck verlieh ihr eine überirdische Schönheit. Ich ließ mir extra viel Zeit mit der Fesselung, um ihre deutlich fühlbare Ungeduld noch zu steigern.

Dann hieb ich auf sie ein, bis mir der Arm lahm und mein Schwanz wundersamerweise wieder hart wurde. Ich war zwar kein Gurkenkönig, aber schaffte es nichtsdestotrotz ihr Arschloch ordentlich zu bestrafen, bevor ich noch vor einem Orgasmus erschöpft aufgab. Nachdem ich sie losgebunden hatte, schliefen wir kurz darauf selig ineinander verklammert ein.

***

Sie weckte mich sanft. Ein feines Lächeln umspielte ihre Lippen. Ich erwachte in einem körperlich fühlbaren Feld von Liebe und Wärme.

„Hey. Gut geschlafen?“

„Sagenhaft. Schon spät?“

„Geht so. Zwölf. Ich hab uns Frühstück gemacht, Ei und Bacon und Toast und Baked Beans und Würstchen und …“

„Willst du mich mästen und dann irgendwann verspeisen?“

„Ein ganz normales englisches Frühstück. Wie bei Muttern.“

Chris verzog dann kurz das Gesicht, als ihr eigener Spruch Erinnerungen weckte. Ich strich ihr sanft über ihr kurzes Haar.

„Eh … das muss ja wirklich schlimm für dich gewesen sein. Ich hoffe, dass mir so etwas erspart bleibt.“

Sie kletterte zu mir auf das Bett und reichte zwei Tabletts an, mit besagtem Frühstück und dampfendem Kaffee. Sie war übrigens eine der wenigen Engländerinnen, die ich kennenlernte, die wirklich Kaffee kochen konnte.

„Schlimm … ja, war es. Und gleichzeitig war es bisher die einzige Sache in meinem Leben, die Sinn machte und Nutzen brachte, verstehst du? Niemand anders hätte es tun können, für sie da sein und so. Sie hat schreckliche Angst vor den Schmerzen gehabt. Mehr als vorm Sterben. Das ist auch, was ich gestern meinte. Diese Empathiescheiße kannst du nämlich nicht abstellen. Es war teilweise unerträglich … aber ich hab mich irgendwie durchgekämpft.“

„Es tut mir echt leid, dass du da alleine durch musstest. Vielleicht … muss man das manchmal, um zu wachsen, als Mensch. Seine eigenen Grenzen erleben und das Gefühl zu kriegen, dass man sie immer noch weiter puschen kann. Verstehst du?“

„Ja, ich glaub schon. Wann fängst du diesen neuen Job an?“

„In acht Tagen.“

„Und was genau ist das?“

„Ein Bestellannahme für eine Modeschmuckfirma. Ich gebe Aufträge ein, am Telefon und auch von Briefen und Faxe oder so. Keine Kernphysik, aber es wird die Miete zahlen.“

„Vielleicht kannst du dir dann auch mal ne Wohnung leisten, die besser aussieht als dein Sixties-Keller da. Egal. Ich wollte morgen eigentlich wieder in das Haus meiner Mutter, um Krempel auszusortieren und wegzuschmeißen. Ich werde es nicht verkaufen, sondern möbliert vermieten. Es ist sehr schön da und ich glaube irgendwann möchte ich wieder dahin zurück.“

„Ja, ich hab davon schon einiges gehört. Du bist dort aufgewachsen?“

„Nein, meine Eltern sind erst vor sechs Jahren dorthin gezogen, da war ich schon ausgezogen. Ich bin in Hong Kong geboren und hab einen Großteil meines Lebens in London verbracht. Willst du mit nach Windermere?“

„Wie lange wolltest du bleiben? Und wie kommen wir hin?“

„Nur zwei, drei Tage. Vor der Tür auf der anderen Straßenseite steht einer von Dads Wagen. Der rote Jaguar.“

„Jaguar? Nobel, nobel.“

„Dad hat Autos gesammelt. Meine Mutter hat es nicht übers Herz gebracht, sie zu verkaufen. Ich hab sie auch nicht anrühren wollen, bis jetzt. Ich hoffe, du hast gute Nerven. Ich bin zwar den Weg hierher ganz gut hingekommen, aber ich bin keine gute Fahrerin. Ich hab den Führerschein gemacht, als ich achtzehn war. Seitdem hatte ich nicht mehr hinterm Steuer gesessen. Wenn du Lust hast, kannst du ihn fahren. Willst du noch Kaffee? Da ist noch was in der Kanne.“

„Mit mir am Steuer kämen wir vermutlich nicht mal aus dieser Straße. Ich hab keinen Führerschein. Aber ich vertraue dir. Ich überlass dir gern mal das Steuer.“

Sie grinste vergnügt. Sie wirkte irgendwie reifer, fraulicher. Hatte die Metamorphose von hübsch zu schön durchgemacht. Sie musste den wohligen Schauer von Liebe und Hingezogenheit genauso spüren wie ich.

„Apropos Steuer … wann hast du eigentlich diese Hundemarke für mich machen lassen?“

„Vor langer Zeit. Ich hab oft an dich gedacht. Ich wollte dich schon früher wieder in meinem Leben haben. Aber irgendwie kam immer etwas dazwischen und zum Schluss … du weißt ja, was passiert ist.“

„Versteh schon. Ich hab dich auch vermisst. Und nicht nur deinen Körper.“

„Sentimentaler Quatsch. Du bist nie so gut gefickt worden, wie von mir. Das bringt am Ende alle immer wieder zu mir. Und was macht die Liebe deines Lebens?“

„Sitzt neben mir und labert dummes Zeug, warum?“

„Spinner. Charmanter Spinner, aber trotzdem ein Spinner. Du weißt genau, von wem ich spreche. Bist du wirklich über sie hinweg oder muss ich sie erst im Garten verscharren, um Ruhe zu haben?“

„Nein, wirklich. Du bist sozusagen konkurrenzlos. Sie hat ihre Einladung bekommen und nicht angenommen. Ich kann und will nicht bis zur Rente auf sie warten. Und du fühlst doch, was ich für dich fühle. Sagt das nicht genug aus?“

„Es ist zumindest sehr beruhigend. Erzähle, was hast du noch so angestellt im letzten Jahr? Und ich will alle dreckigen kleinen Geheimnisse wissen.“

Ich erzählte ihr alles, was geschehen war. Sie wirkte nachdenklich, aber entspannt. Dann erzählte sie mehr über sich, was in ihr vorgegangen war. Ehe wir uns versahen, war es bereits später Nachmittag und wir waren immer noch am erzählen.

„Ich mach uns einen Tee. Und wir sollten heute Abend was essen gehen. Und gefickt haben wir auch den ganzen Tag noch nicht.“

„Wie schrecklich.“

„Ja, das ist ganz schrecklich. Ich sag mal, es ist deine Schuld und werde dich dafür ganz furchtbar bestrafen.“

„Man hat es nicht leicht als dein Eigentum.“

„Mit Sicherheit nicht. Ich bewundere deinen Mut. Jetzt hast du ja eine etwas genauere Idee, worauf du dich da einlässt.“

***

Die hatte ich in der Tat, aber ich sah keinen Grund zur Besorgnis. Bei ihrer Fahrerei schon, entgegen ihrer sonstigen Ruhe und Gelassenheit fuhr sie nämlich erschreckend nervös und unkonzentriert. Das Haus im Lake-Distrikt, auch „The Lakes“ genannt, entpuppte sich als ein recht feudales Anwesen. Irgendwie erwartete ich halb, dass ein Butler raussprang und uns die Türe öffnete, als wir vor dem Eingang parkten.

Ihr Vater war Mitglied des diplomatischen Corps gewesen, bevor er in den letzten Jahren vor seinem Tod noch in London eine Sprachschule aufgezogen hatte, die sie dann letztlich von ihm erbte. Vor dem flackernden und wohlriechenden Kamin erzählte sie mir auch, wie er gestorben war. Er hatte sich das Leben genommen, weil ihre Mutter fremd gegangen war, mit seinem besten Freund. In seinem Arbeitszimmer hatte er sich erschossen.

Viele ihrer Lebenslinien machten nun mehr Sinn, ihre Ängste und vorherige Unfähigkeit sich ihren Gefühlen zu stellen. Mit ihren sexuellen Neigungen hatte all dies aber nichts zu tun. Sie hatte schon als Kind Schmerz und Demütigung als lustvolles Erleben erfahren und sich als junge Erwachsene schnell Partner gesucht, die ihr geben konnten, was sie sich ersehnte. Dass sie nicht nur am Empfangen, sondern auch am Austeilen viel Freude hatte, merkte sie dann bald darauf.

Wir stiefelten in leichtem Nieselregen durch die spektakuläre Landschaft nahe ihrem Haus und am zweiten Tag auch in der weiteren Umgebung. Die Seenplatte, die wohl dem Vernehmen nach ein wenig an die finnische erinnert, hinterließ ein Gefühl friedvoller Gelassenheit. Ich erzählte ihr von meinem spirituellen Intermezzo.

„Meditation und Yoga? Echt? Hätte ich bei dir jetzt nicht gedacht.“

„Wieso, es würde dir vermutlich auch gefallen. Das Ausmaß der Schmerzen, die man dabei ertragen muss, verlangt nach einem gewissen Masochismus.“

„Dann müssen wir das auch mal zusammen machen. Ich bin nur froh, dass du endlich klare Grenzen bei deiner masochistischen Beziehung mit Sara gezogen hast. Ich hab teilweise richtig Angst um dich gehabt.“

Ich dachte an mein Theaterstück. Ob ich sie es lesen lassen sollte? Mein Protagonist versuchte dort, sich umzubringen. Nun, da ich das Schicksal ihres Vaters kannte, würde das vermutlich für sie nicht so angenehm zu lesen sein.

„Woran denkst du? Du fühlst dich verunsichert. Doch noch im Zweifel über eure und unsere Beziehung?“

„Nein, es geht um mein Theaterstück. Ich wollte es dich eigentlich lesen lassen … jetzt bin ich mir aber nicht mehr so sicher.“

„Wieso?“

„Es gibt einige Parallelen zum Ableben deines Vaters.“

„Ich verstehe. Das macht nichts. Ich würde es trotzdem gern lesen.“

„Okay. Weitere Warnung: Meine weibliche Protagonistin ist zum Teil dir nachempfunden.“

„Oho? Jetzt muss ich es ja wohl sogar lesen. Und wenn ich nicht gut dabei wegkomme, kannst du dir hinterher deine Haut in Fetzen abziehen.“

Im elterlichen Haus hatten wir aber eigentlich fast nur „Vanille-Sex“. Wir blieben vier Tage, weil das Zusammenpacken und Aussortieren von Erinnerungsstücken und Papieren deutlich länger brauchte, als angenommen. Die wichtigsten Papiere und Wertsachen packten wir in den großen Landrover, mit dem wir zurückfuhren. Für den Rest würde sie noch etliche Touren benötigen.

Wenigstens wirkte sich bei dem Rover ihr nervöser Gasfuß nicht so dramatisch aus, wie noch bei dem Sportwagen, in den ich mich nichtsdestotrotz auch ein wenig verliebt hatte. Ich hatte zu Autos keinen echten Bezug, aber das satte Motorengeräusch und die edle Form des E-Models hatte es mir doch angetan.

„Ich schenk ihn dir, wenn du ihn haben willst. Ich kann dir auch das Fahren beibringen und den Führerschein bezahlen.“

„Du bist ja witzig. Kommt nicht in Frage. Das müssen wir vielleicht auch mal klären: Ich hab mich schon vorher ein wenig unwohl gefühlt, weil du immer alles bezahlt hast und mir Geschenke gemacht hast und so weiter. In einem Monat krieg ich wohl mein erstes Gehalt. Dann werde ich so etwas nicht mehr zulassen.“

„Für mich hat Geld überhaupt keine Bedeutung. Aber wenn dich das so sehr in deiner Manneswürde verletzt, verzichte ich natürlich darauf. Was verziehst du denn so das Gesicht? Wenn du glaubst, ich würde dich außerhalb unseres Schlafzimmers mit Samthandschuhen anfassen, hast du dich aber geschnitten.“

„Wie auch immer. Hast du eigentlich nie eine Ausbildung gemacht?“

„Doch, ich hab Geschichte studiert, in Cambridge.“

„Abgeschlossen?“

„Ja. Aber nur meinem Vater zuliebe. Es war sterbenslangweilig.“

„Okay.“

Das monotone Motorengeräusch machte mich schläfrig, aber ich versuchte mich krampfhaft wachzuhalten, da sie regelmäßig Abfahrten verpasste und in halsbrecherischen Wendemanövern mein Herz-Kreislaufsystem auf Belastbarkeit prüfte. In London selbst war sie noch unsicherer, da der Verkehr dem Vernehmen nach selbst für erfahrene Fahrer gewöhnungsbedürftig sei, wie mir meine Freunde bei ihrem letzten Besuch versichert hatten. Dennoch kamen wir heile an ihrem Haus an. Wir trugen die Kisten, die wir viel zu voll gepackt hatten, auf den Dachboden.

„Und, hast du noch ein wenig Kraft zurückbehalten?“

„Wieso, woran hast du gedacht?“

„Ich habe daran gedacht, dass du mich jetzt hier ankettest und mal ein paar andere Spielzeuge aus meiner Sammlung ausprobierst. Die, die nicht nur weh tun. Verstehst du? Ich will, dass du dich richtig gehen lässt. Mir hinterher das Blut vom Rücken leckst. Mich zum Schreien bringst. Zum Winseln. Tust du das für mich?“

Ich nickte zustimmend, obwohl mir nicht vollständig wohl bei dem Gedanken war. Bisher war alles vergleichsweise unblutig verlaufen. Ich verstand, dass dies vor allem ein Test war. Chris wollte sehen, wie weit ich gehen wollte und konnte. Auch sie hatte sich bislang auf ihre Klopfpeitsche bei mir beschränkt.

Sie lief nach unten, um das Material für unsere Session zu besorgen. Für einen Moment bekam ich Angst. Angst, dass ich die Kontrolle verlieren könnte. Ich erinnerte mich nur zu gut an die Erlebnisse in vorherigen Sitzungen. Sie kam zurück, hatte bereits ihre mit Stahlringen versehenen Lederarmbänder umgemacht. Sie drückte mir wortlos die vielleicht zwei Meter lange Kette und einen Satz Peitschen in die Hand.

Ihr Körper glühte, als ich hinter sie trat und ihren rechten Arm nach hinten bog, um die Kette durch den Ring zu ziehen und dann über den Sparren zu wickeln. Meine verhärtete Männlichkeit drängte gegen ihren unteren Rücken, während ich den linken Arm in gleicher Weise arretierte. Aus jeder ihrer Poren drang pure Weiblichkeit, hüllte mich ein wie ein süßer Kokon. Ich atmete in ihren Nacken. Ich konnte ihre Erregung so gut wie meine eigene fühlen.

Ich ging einen Schritt zurück und dann noch ein Stückchen, taxierte die Länge der sogenannten zweischwänzigen Snakewhip, die ein wenig wie eine Bullenpeitsche daherkommen, nur meist kürzer sind. Es war ein Moment völliger Atemlosigkeit, dann kam die Bewegung wie von selbst und das raue Leder traf singend und klatschend ihren betörend schönen Rücken. Zwei lange rote Striemen zogen sich von ihrem rechten Schulterblatt in Richtung ihrer linken Hüfte.

Ihr Schmerzlaut war kurz und gepresst. Ich ließ ihr Zeit, den Schmerz an sich heranzulassen. Sich ihm hinzugeben. Beim zweiten Schlag legte ich schon etwas mehr hinein. Er landete tiefer, aber dicht neben dem ersten, ließ zwei wie Verbrennungen wirkende tiefe rote Linien auf ihrer Haut zurück.

Der dritte Hieb entlockte ihr den ersten Schrei und brachte ihre Haut zum ersten Mal zum Platzen. Fasziniert betrachtete ich die blutglänzende Wunde, während sie sich etwas mehr in die Kette hängen ließ. Auch ihr Kopf sank ein wenig zur rechten Seite, stützte sich kurz gegen ihren rechten Arm. Ich gab ihr nun keine Atempause mehr.

Schlag um Schlag verwüstete ich ihren schönen Rücken, ließ sie keuchen, zittern und beben und immer wieder und immer lauter schreien. Ich spürte, wie sie den Punkt erreichte, wo es zu viel wurde. Mein letzter Schlag riss sie halb von den Beinen, begleitet von einem markerschütterndem Schrei und anschließenden Schluchzen. Ich ließ sie eine Weile in der Ungewissheit, ob ihr Martyrium beendet war und bewegte mich dann langsam auf ihren geschundenen Rücken zu.

Ihre Haut war an vielen Stellen geplatzt, aber es drang nur wenig Blut aus den Wunden. Fasziniert betrachtete ich das abstrakte Muster ihrer Qual, bevor ich tatsächlich wie von ihr gefordert meine Zunge in die erste offene und etwas stärker blutende Wunde dippte. Sie zuckte, bemühte sich aber danach still zu halten. Ich presste meinen Körper gegen ihren, wohl wissend, dass das Brennen und der Schmerz für sie unerträglich sein mussten. Nur ein leises Wimmern drang noch von ihren Lippen.

Ich ließ sie wieder los und ging um sie herum. Ihr Gesichtsausdruck spiegelte, was ich an Gefühlen von ihr wahrnahm: Eine tiefe Befriedigung, noch nicht beendete Qual, dabei eine unterschwellige Erregung und ein Gefühl grenzenloser Liebe. Sie hatte die Augen geschlossen, ließ sich schwer in die Kette hängen. Ich kniete vor ihr nieder und drückte ihre Beine etwas weiter auseinander.

Sie öffnete scheinbar mühsam die Augen, als ich ihre erstaunlich feuchte Möse erst mit meinen Fingern rieb, um dann mein Werk mit der Zunge fortzuführen. Ihr Wimmern ging rasch in ein gequältes Stöhnen über. Gequält auch, weil ich sie nur sehr langsam leckte, immer wieder anhielt, mit ihr spielte. Sie dann gleichmäßiger bearbeitete, bis sich ihr Erregungsniveau bis kurz vor den Gipfel steigerte, um dann wieder anzuhalten.

Sie gab ihrer Enttäuschung und Frustration Ausdruck, bettelte in ihrer typischen Art fluchend um ihre Erlösung. Ich wiederholte das Spiel noch zweimal, bis ich ihr gestattete zu kommen. Tränen des Schmerzes und Glücks liefen über ihre Wangen, als ich sie schließlich nach einer kurzen Pause loskettete. Sie zuckte, als ich sie umarmte, weil meine Hände unbeabsichtigt an ihre offenen Wunden gerieten.

Ich führte sie hinunter in ihr Zimmer und befahl ihr, sich auf ihren brennenden Rücken zu legen. Sie wand sich unter mir, als ich in sie eindrang, nur kurz innehielt und sie dann kräftig und heftig durchzog, ohne Rücksicht darauf, ob sie ebenfalls dorthin gelangen würde, auf meinen Orgasmus hinarbeitend. Ihre Gesichtsmuskeln zuckten wild, gepeinigte Laute vermischten sich mit ihrem sich steigernden Stöhnen, bis ich an den Punkt ohne Wiederkehr gelangte und mich in sie hinein ergoss.

***

Ich saß gerade vor meinem Computer und druckte mein Stück für Chris aus, als es an der Tür schellte. Wir hatten uns erst für den Abend verabredet und nun war es vier Uhr nachmittags, also war ich schon etwas überrascht. Aber es war nicht Chris, die vor der Tür stand. Es war Sara.

„Hey, nachträglich alles Gute zum Geburtstag.“

Sie umarmte mich impulsiv. Meine vom Vorabend stammenden Zeichen Chris reziproker Liebesbeweise auf meinem Rücken ließen mich davon etwas zucken, aber sie schien das nicht zu bemerken, löste sich auch schnell wieder von mir. Sie kam herein und setzte sich auf einen der Sessel. Sie kramte in ihrem Stoffrucksack und produzierte ein in selbstgemachtes Geschenkpapier gewickeltes Paket.

„Hier, für dich. Hast du denn schön gefeiert?“

„Hm, ja, ich hatte Gianna zum Essen hier und dann sind wir noch in den Falcon.“

Verdammt. Und wie brachte ich ihr bei, dass ich jetzt mit Chris zusammen war? Nachdenklich öffnete ich ihr Geschenk, eine CD von dem von uns beiden so geschätzten Steve Vai und ein Satz neuer Saiten für meine Gitarre. Ich hatte bei ihrem letzten Besuch mal erwähnt, dass ich dort wohl mal neue aufziehen musste, als Entschuldigung dafür, dass ich sie kaum noch anrührte.

„Danke schön, das ist echt lieb von dir. Das Album kenne ich auch noch gar nicht, ich leg sie gleich auf.“

Sie strahlte zufrieden, weil ich über ihr Geschenk erfreut schien.

„Ich hoffe, die Saiten sind die richtigen, ich meinte die Silver Bullets bei dir mal gesehen zu haben.“

„Ja, die sind genau richtig.“

Wir lauschten dem ersten Stück der CD, während ich verzweifelt nach einer Eröffnung suchte, um ihr von der veränderten Situation zu berichten. Es gelang mir zunächst nicht.

„Klasse … Wahnsinn … so etwas werde ich natürlich in meinem Leben nicht hinbekommen. Möchtest du eine Tasse Tee?“

„Ja gern, zwei Stück Zucker bitte. Hast du dich am Rücken verletzt? Das sieht aus wie Blut an deinem T-Shirt.“

Oh verdammt. Also gut, dann musste ich ihr wohl gleich reinen Wein einschenken.

„Nun … nicht direkt verletzt … ich muss dir was sagen … ich hatte einen unerwarteten Gast an meinem Geburtstag … Chris.“

Ich wagte nicht, mich umzudrehen und konzentrierte mich krampfhaft auf die Teezubereitung. Sie schwieg. Als ich mich umdrehte, war das Lächeln aus ihrem Gesicht verschwunden.

„Ich verstehe. Wie geht es ihr?“

„Gut. Wir … wir sind jetzt wieder zusammen.“

Sie starrte eine Weile stumm vor sich hin, bevor sie sich einen Ruck gab und versuchte zu lächeln. Es wirkte etwas gequält.

„Das freut mich für dich. Neuer Job, neue Freundin … oder alte Freundin … wie man’s will … ich hoffe, es wird sich alles für dich zum Guten wenden.“

Die unterschwellige Trauer in ihrer Stimme ließ mich aufhorchen, aber ich durfte einfach nicht darauf reagieren, nicht jetzt, nicht in diesem Moment.

„Nun, ich fange erst Montag an … und danke … das hoffe ich auch.“

Ich machte eine Pause und schluckte, bevor ich entschuldigend fortfuhr.

„Ich hatte nicht das Gefühl, dass es zwischen uns wirklich noch offen ist.“

Sie antwortete zunächst nicht und trank ihren Tee. Ich konnte sehen, dass es in ihr arbeitete. In diesem Moment wünschte ich mir, dass ich sie so leicht lesen konnte, wie Chris. Alles, was ich von ihr fühlte, war Verwirrung, die sie mühsam zu verbergen versuchte.

„Ich hab dir doch gesagt, dass du nicht auf mich warten sollst. Ich freue mich wirklich für dich. Chris ist sehr nett und ich glaube, sie hat dich richtig gern. Ich verstehe nichts von ihren … Neigungen … aber wenn du dich damit wohlfühlen kannst …“

Ich griff zu meinen Zigaretten.

„Oh, du rauchst wieder? Und was ist mit dem Yoga?“

„Ich mach im Moment nichts. Ich komm ja wahrscheinlich auch erst einmal nicht dazu. Mit dem Job und das alles. Ich hab den Hindi-Kurs auch wieder zurück in die Bibliothek gebracht. Vielleicht schaffe ich es ja, trotzdem wieder mit dem Yoga anzufangen, aber im Moment … geht zu viel anderes in meinem Leben vor, verstehst du?“

„Ja, schon. Meinst du … Chris hätte ein Problem, wenn wir uns weiter sehen? Als Freunde, meine ich?“

„Kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich hab mit ihr darüber noch nicht gesprochen. Wie war es in Italien?“

Sie schien froh, dass ich das Thema wechselte. Sie erzählte davon, dass ihre Mutter es gewagt hatte, mit ihrem Schwager einen Tandem-Gleitflug zu bestreiten und dass sie Arturo, ihren Ex-Freund, wiedergetroffen hatte. Ihre Erzählungen wirkten fahrig und unkonzentriert. Sie blieb nicht viel länger, als es dauerte, ihren Tee auszutrinken.

Ich saß noch lange darauf nachdenklich und irgendwie betroffen in meinem Sessel. Ich hatte während der letzten Tage mit Chris nicht ein einziges Mal an sie gedacht. Die Finalität des Bruches mit ihr war irgendwie erschreckend. Ich wusste genau, dass sie sich nun von mir zurückziehen würde, obwohl sie sich danach erkundigt hatte, ob wir weiter Freunde bleiben könnten.

Und wenn sie nun doch etwas für mich empfunden hatte und wirklich einfach noch nicht soweit war? Nein, verflucht, ich hatte ihr wirklich genug Zeit gegeben. Ich konnte doch nicht ewig so weitermachen. Ich liebte Chris schließlich auch. Ich erinnerte mich an das Gespräch mit ihr, wo sie Sara die Liebe meines Lebens genannt hatte. Vielleicht war sie das ja auch, aber noch immer war ich mir fast sicher, dass sie nicht so für mich empfand. Ich war ihr Freund und würde immer ihr Freund bleiben, nicht mehr und nicht weniger.

Die Geschichte brauchte einen Schlussstrich. Und mit Chris hatte ich nun wirklich die Gelegenheit diesen zu ziehen. Ich konnte meine Entscheidung für sie rational ohne weiteres vertreten. Auch mein Bauchgefühl deutete darauf hin, dass die Entscheidung richtig gewesen war. Vielleicht gab es aber auch hier kein richtig oder falsch. Trotzdem blieb ein schaler Geschmack von Bitterkeit zurück. Das Gefühl sie enttäuscht und betrogen zu haben. Ich riss mich aus meinen Gedanken und legte die nächste Seite in den Drucker ein, um meinen Ausdruck fortzusetzen.

Die Würfel waren gefallen.

***

Ich hatte Chris Katze namens Diva auf dem Schoß, als wir am Abend nach dieser Begegnung in ihrem Wohnzimmer saßen. Es war kühl und regnerisch draußen, also hatte sie ihren Gas-Kamin wieder angeschmissen. Es lief irgendetwas im Fernsehen. Jamie hatte sich zu uns aufs Sofa gekuschelt und streichelte mit mir zusammen Diva auf meinem Schoß. Tina war bei Clara, der Frau, die mich einmal in einem Sexshop ziemlich bizarr angemacht hatte. Zumindest klang sie von Beschreibungen Tinas exakt wie diese und hieß auch so. Manchmal war London ein Dorf.

Chris schaute nicht mit fern, sondern las mein Stück. Nichtsdestotrotz unterhielten wir uns auch.

„Sara war übrigens heute Nachmittag bei mir.“

„Oh?“

„Ja, sie wollte mir mein Geburtstagsgeschenk geben.“

„Und hast du ihr von uns erzählt?“

„Natürlich. Machst du Witze?“

„Sie ist es nicht gewohnt, für jemanden etwas zu empfinden. Du hast sie ordentlich durcheinandergebracht“, tradierte Jamie ihre Sicht der Dinge.

„Stimmt doch gar nicht. Wie hat sie es aufgenommen?“

„Gelassen. Sie hat gefragt, ob du etwas dagegen hättest, wenn wir Freunde bleiben.“

„Natürlich hab ich was dagegen. Es sei denn, wir ficken sie gemeinsam.“

„Wenn ihr einen Dreier wollt, ich hab auch gerade eine Durststrecke hinter mir“, meldete sich Jamie erneut zu Wort. Chris rollte mit den Augen.

„Und ernsthaft?“

„Ist okay. Ich mag sie. Sie ist in ihrer naiven Art auch sehr attraktiv. Aber ich warne dich. Ich bin schrecklich eifersüchtig. Legst du Hand an sie, hacke ich sie dir ab.“

Ich konnte mir ein Kichern nicht verkneifen, drückte sie an mich und küsste sie kurz.

„Ich will das Stück nun aber gern zu Ende lesen. Du leckst jetzt Jamie.“

„Jau!“ frohlockte die so Einbezogene.

„Und dann hackst du mir hinterher die Zunge ab, oder was?“

„Nein, mit meiner Erlaubnis oder meinem Befehl darfst du alles tun. Ein Recht, dass ich mir übrigens auch rausnehme, soll heißen, ich mache es sowieso, ob du es willst oder nicht. Und nun sei ein guter Sklave und leck das arme Ding. Fühlst du nicht, wie sehr sie es gerade braucht?“

Nun, meine empathischen Fähigkeiten beschränkten sich auch weiterhin nur auf Chris. Die Geschwindigkeit, mit der Jamie sich ihrer Hose und ihres Höschens entledigte, ließ aber auch ohne dieses Talent recht eindeutig Rückschlüsse auf die Validität ihres Statements zu. Ich kniete mich auf dem Sofa zwischen Jamies offene Beine, die ihren Kopf auf Chris Schoß legte und sie anstrahlte. Chris lächelte zurück und las dann mit konzentrierter Miene weiter.

Jamie war schon bei unserer ersten Begegnung sehr von meiner Zungenfertigkeit angetan gewesen. Auch diesmal wurde sie schnell nass, keuchte und stöhnte auf dem Schoß ihrer Hausgenossin, dass es eine wahre Freude war. Chris sah einige Male lächelnd über den Manuskriptrand hinweg auf sie herab. Ich ließ mir Zeit, schleckte die ganze Länge ihrer sehr wohlschmeckenden Pussy, züngelte und saugte leicht an ihrem Kitzler. Der Winkel war nicht optimal, also hielt ich kurz inne und platzierte ein Sofakissen unter ihren Hintern.

Sie protestierte zunächst etwas, als ich anhielt, schien dann aber auch von der für alle bequemeren Stellung durchaus angetan. Natürlich blieben meine Bemühungen auch bei mir nicht ohne Wirkung; es wurde langsam eng in meiner Hose. Jamies hübsches Gesicht hatte etwas bezauberndes, ihre roten Wangen, ihre vollen Lippen, die sie sich immer wieder mit ihrer Zunge benetzte, während sie nachhaltig von meiner verwöhnt wurde. Sie wurde langsam lauter. Ich wurde langsam schneller.

Chris hatte ausgelesen und legte das Manuskript zur Seite. Sie lächelte zufrieden, als Jamie ihr mit dankbarer Miene einen Arm um den Hals schlang, um dann die Augen zu schließen und sich auf ihren nahenden Orgasmus zu konzentrieren. Ich hätte die ganze Sache vermutlich in einer Minute beenden können, aber ich nahm etwas Geschwindigkeit und Druck heraus, um die Sache für sie noch zu verlängern, was sie mit kleinen Protestlauten kommentierte.

Auf dem Sofakissen hatte sich unter ihr bereits ein feuchter Fleck von ihren reichlich fließenden Säften gebildet, als sie dann doch mit heftigen Zuck- und Stemmbewegungen ihres Beckens kam. Ihr Gesicht entspannte sich langsam, als ich langsam weiterleckte, um ihr Zeit zum Nachglühen zu geben.

„Mach weiter. Du kennst Jamie noch nicht gut. Jetzt wird sie gerade erst richtig warm.“

Jamies begeisterter und passionierter Gesichtsausdruck schien dies in der Tat zu bestätigen. Ich machte mich also meinen Anweisungen entsprechend frisch ans Werk, während sich Chris zu ihr herabbeugte und Jamie ihr zu einem wilden Kuss entgegenkam. Ihr Kopf sank wieder auf die Schenkel meiner Geliebten zurück. Chris knöpfte ihr das Herrenhemd auf, das sie in ihrer Eile nicht ausgezogen hatte und massierte ihr die Titten, kniff wohl auch ihre Brustwarzen, denn ihr Gesicht verzerrte sich einige Male leicht.

Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen dauerte es nicht lange, bis sie zum zweiten Mal kam, von einem urigen Schrei begleitet. Ich schleckte abwartend weiter und versuchte dabei auch ihr in rauen Mengen austretendes Sekret etwas aufzulecken, zumal der Fleck auf dem Kissen immer größer wurde.

„Genug. Jamie, dreh dich zu mir. Tom, zieh dich aus.“

Ich zog mich befehlsgemäß von ihr zurück und half ihr kurz bei der Drehung auf dem breiten Sofa. Mir war nicht so ganz klar, was Chris da vorhatte und ich konzentrierte mich zunächst auch darauf, meine Kleidung abzulegen. Mein Schwanz war über diese Maßnahme entzückt, denn ich war maßlos erregt. Chris bugsierte Jamies rechtes Bein über die Sofalehne und drückte das linke so weit nach außen, dass es vom Sofa rutschte.

Jamie schien zu wissen, was sie erwartete, als Chris sie in dieser Stellung verharren ließ, während sie darauf wartete, dass ich fertig würde. Ich beeilte mich gleich ein wenig mehr, weil ich glaubte, sie wollte ihrer Untermieterin einen ordentlichen Fick gönnen.

„Komm her zu mir, knie dich vor das Sofa und schau es dir genau an.“

Ein wenig überrascht folgte ich ihrem Befehl. Chris verschränkte drei Finger ihrer rechten Hand und drang damit in Jamies nasse Spalte ein. Sie drehte und dehnte, während Jamie heftig keuchte und stöhnte, ihr Kopf auf dem feuchten Kissen ruhend. Chris zog wieder ab und rieb mit ihrer Hand an dem nassen und heißen Fleisch, um dann alle Finger ihrer rechten Hand eng zusammenzudrücken und langsam in Jamie einzudringen. Diese hielt den Atem an, als die Finger bis zu den Knöcheln in ihr verschwanden.

Ich sah genau, wie Chris sie jetzt wieder etwas aufspreizte, den engen Kanal noch etwas weiter dehnte, bevor sie tiefer glitt. Jamie antwortete mit einem Stakkato von „Ohs“, die auch einen Hauch von Schmerz transportierten. Das wunderte mich nicht weiter, denn Chris drückte mit einiger Kraft weiter, bis sie über den weitesten Punkt ihrer Hand hinwegkam und es zu meiner atemlosen Verblüffung schaffte, ihre ganze Hand bis zum Handgelenk in ihr unterzubringen. Sie ließ ihr Zeit, sich an dieses Gefühl zu gewöhnen. Ich tauschte einen schnellen Blick mit ihr.

Sie hatte ein triumphierendes Grinsen auf dem Gesicht und kommentierte ihren Erfolg dann auch noch verbal.

„Fisting ist Jamies spezielle Freude. Gefällt dir das? Macht dich das geil? Dachte ich mir. Du kannst das später auch noch probieren, aber jetzt darfst du sie in den Mund ficken, während ich ihr gebe, was sie braucht.“

So geil diese unerwartete Demonstration auch gewesen war, ich war über diese eröffnete Beschäftigungsmöglichkeit sehr dankbar. Mein Pimmel war nämlich recht schmerzhaft steif und aufgepumpt bis zum „geht nicht mehr“. Es war gar nicht so einfach mich bequem über ihr zu postieren, erst als ich ihr zwei weitere Kissen unter dem Kopf platzierte, konnte ich ihr mein bestes Stück problemlos in ihren hungrigen Mund stopfen. Sie tat zunächst aber überhaupt nichts, da Chris in meinem Rücken ihre Aufmerksamkeit auf ihr malträtiertes Geschlechtsteil lenkte und ihre Hand zu bewegen begann.

Nach einigen Sekunden heftigen Stöhnens nahm sie dann aber doch die ihr zugewiesene Tätigkeit auf und lutschte recht gekonnt an meinem dankbaren Pint. Sie stockte aber immer wieder unter heftigen, brünstigen Stöhnen, als Jamie sie heftiger bearbeitete. So unrecht war mir das gar nicht, denn das verlängerte meinen Genuss deutlich, ansonsten wäre ich wohl ziemlich schnell gekommen, geil genug war ich jedenfalls. Irgendwann fühlte ich dann aber doch diese Dringlichkeit und ging dazu über, den nun eher passiven Mund zu ficken, anstatt mich auf ihre Konzentrationsfähigkeit zu verlassen.

Ich drang immer tiefer in sie ein und sie gurgelte und würgte bereits einige Male, als ich ihren Rachen erreichte. In dieses Gurgeln hinein drangen Laute, die eine klare Vorankündigung eines weiteren Höhepunkts ihrerseits waren. Was mich allerdings dazu anstachelte zu versuchen, mit ihr gemeinsam zu kommen und ihre Mundfotze nun richtig herzunehmen.

Ihre Augen waren seltsam geweitet, sie würgte und versuchte ihren Kopf in die Kissen zurückzudrücken, um nicht ganz so tief bearbeitet zu werden. Mein Versuch scheiterte, denn sie kam kurz darauf und ich hatte noch einiges an Arbeit zu leisten, denn in ihrem abgeschwommenen Zustand kam erst einmal nichts an Hilfe von ihr.

Das änderte sich erst, als Chris ihre Hand abzog und damit Jamie andeutete, wo nun die Musik spielte. Sie griff mir an den Schwanz und blies mich nun heftig mit Handunterstützung, brachte mich so binnen kürzester Zeit zu dem überfälligen Erlebnis, dass sich für sie in einer ordentlichen Mundfüllung nachvollziehbar gestaltete. Sie schluckte es mühsam herunter und entließ meinen Freudenspender erst nach einer gründlichen Reinigung.

Während wir uns alle neu auf dem Sofa sortierten, gab Chris ihre weiteren Pläne bekannt.

„Zufrieden, Jamie? Dachte ich mir. Du bist echt eine geile Sau. Du wirst mich jetzt lecken, während ich mit Tom sein Stück bespreche.“

Chris trug nur ein langes T-Shirt, ihr Unterwäsche-Embargo hielt auch weiterhin an, also ging Jamie ohne weitere Vorbereitungen ans Werk. Ich rauchte eine Zigarette, während Chris sich von ihrer Hausgenossin verwöhnen ließ.

„Also … zu deinem Stück. Du hattest mir gesagt, dass du die Psychologin mir nachempfunden hättest … weiß nicht, so nimmst du mich wahr? Ich finde, sie ähnelt mir gar nicht so sehr. Sara ist natürlich voll zu erkennen.“

„Nun, ich habe nicht versucht, dich exakt abzubilden, es sind nur Elemente deiner Persönlichkeit eingeflossen.“

„So ist das richtig, Schatz, etwas mehr links … mmmh … aha, okay, dann ist das etwas verständlicher. Hm, was soll ich noch dazu sagen … die Handlung ist interessant, aber dem Schachteil kann ich natürlich nicht folgen, denn ich spiele kein Schach.“

„Ich kann es dir ja mal beibringen.“

„Weiß nicht … ooh … sehr schön … du … geile … Sau … leck mich … schneller … wie dem auch sei, es gefällt mir wirklich gut. Du schreibst fast so gut, wie Jamie leckt … oooh … und das will was heißen … mmmh …“

Diese hielt kurz inne und gab bekannt, dass sie das Stück natürlich auch noch lesen wollte.

„Laber nicht, leck …“

Sie presste immer mühsamer Details ihrer Eindrücke unter dem heftiger werdenden Stöhnen hervor, bis sie sich schließlich ausschließlich auf ihre Hausgenossin und den kommenden Orgasmus konzentrierte. Während sie kam, kam Tina zur Tür herein.

Ich betrachtete sie mit einiger Besorgnis. Sie sah dünner aus, hatte dunkle Ringe unter den Augen und schien insgesamt etwas bedrückt. Nun aber lächelte sie, als sie sah und hörte, was vorging.

„Na ihr? Amüsiert ihr euch?“

Jamie tauchte zwischen Chris Beinen auf und nickte heftig.

„Willst du mitmachen?“

„Ich darf nicht. Clara hat’s verboten. Ich bin auch schrecklich müde und geh ins Bett.“

Es war deutlich, dass sie von diesem Verbot nicht eben begeistert war. Wir unterhielten uns noch eine Weile über sie und Clara, als sie ihr Vorhaben fast fluchtartig in die Tat umgesetzt hatte. Das Gespräch beendete auch für uns die sexuellen Handlungen des Abends, war aber sehr interessant, weil ich dabei die Einstellungen von Jamie und Chris zu Beziehungen und Sex kennenlernte und bei dieser Gelegenheit auch erfuhr, dass ich mich anscheinend in einer offenen Beziehung befand, entgegen dem Spruch, den sie vorher gemacht hatte.

Chris erzählte auch, dass sie mit einem Banker in Windermere regelmäßig gespielt hatte und vorhatte, dies weiterhin bei ihren Besuchen dort zu tun. Sie achtete sehr genau auf meine Reaktion. Ich war nicht direkt eifersüchtig, aber einen kleinen Stich gab mir das schon. Vielleicht wollte sie genau das bei mir erzeugen? Ich beschloss, mich später noch einmal in Ruhe mit ihr darüber zu unterhalten.

***

Zunächst einmal begann das Arbeitsleben wieder für mich, ein neuer Abschnitt und eine neue Herausforderung. Na ja, letzteres in Maßen. Man erklärte mir auf Englisch das Programm, dass die englische Seite der Bestellannahme verwendete und das die deutsche Seite in absehbarer Zeit auch benutzen würde. Dann ließ man mich zur Probe ein paar Fax-Aufträge eingeben. Das war so simpel, dass ich die zwanzig Seiten, die sie mir da zum Spielen auf den Tisch geknallt hatten, nach wenigen Stunden fertig hatte und nach Nachschub fragte.

Meine Teamleiterin war zunächst verblüfft und brachte mir dann noch ein paar mehr, sagte mir aber leise, dass ich ruhig etwas langsamer machen sollte, weil der Durchschnitt der bearbeiteten Bestellungen bei den erfahrenen Mitarbeitern in acht Stunden bei vierzig lag. Ich ließ mir mit den nächsten auch etwas mehr Zeit und dann hatte sie keine mehr für mich. Ich wurde gefragt, ob ich mich schon ans Telefon trauen würde.

Ich sagte ja, obwohl ich mich da schon deutlich unwohler fühlte, schließlich kannte ich den Londoner Dialekt mittlerweile sehr gut, aber die Mundarten des Nordens und aus Wales waren mir da eher nicht geheuer. Es lief aber super und ich unterhielt mich gleich nett mit der ersten Dame, die ich am Telefon hatte, für eine Weile. Da es mit den englischen Kunden so einfach lief, hatte ich auch überhaupt keine Bedenken mehr für die deutsche Seite, die ich nach einem weiteren Tag Training auf der englischen Seite mit meiner Anwesenheit beglücken durfte.

Außer mit meiner Teamleiterin und ein paar um mich herum sitzenden Damen unterhielt ich mich kaum mit Kollegen, lauschte aber andächtig der mir gegenüber sitzenden Dame, die aus Schottland kam und eine rauchige Stimme mit diesem herrlichen Akzent hatte. Insgesamt gab es hier wie zuvor im College deutlich mehr Frauen.

Der erste Tag verging wie im Flug und auch der zweite begann wie der erste. Ich nahm sogar einen italienischen Anruf entgegen, als man verzweifelt herumfragte, wer denn Italienisch könne, da die Kundin nicht gut genug Englisch sprach. Aber der Auftrag war, sie nach einer Kreditkartennummer zu fragen und da war ich mit meinem Kursitalienisch leider völlig aufgeschmissen.

Trotzdem hatte meine Teamleiterin nach einem halben Tag den Eindruck, ich wäre gut genug um ohne weiteres in der englischen Abteilung zu arbeiten, also gab sie mich an das deutsche Team weiter. Das deutsche Team war sehr übersichtlich, es gab einen Mann und sieben Frauen, zwei davon Teamleiterinnen, wobei eine davon mehr die Funktion einer Managerin hatte, da diese Position erst später geschaffen werden sollte.

Das deutsche Programm hatte deutlich mehr Tücken und war kreuzlangsam, aber ich beherrschte es auch sehr schnell. Es waren simple Eingaben- und Suchmasken, hinter denen eine fette Datenbank steckte, aber Computer waren zu der Zeit noch nicht so schnell und manchmal konnte man bis dreißig zählen, bis sich der Cursor von einer Position zur nächsten bewegt hatte. Wie das mit ungeduldigen Kunden am Telefon kam, kann man sich ja vielleicht vorstellen.

Es war eine echte Erlösung, als Vicky, die englische Teamleiterin, mich kurzerhand wieder auf die englische Seite entführte, weil sie so viele Faxe hereinbekommen hatte. Die haute ich dann vor Feierabend noch weg, was mir ein Strahlen von Vicky einbrachte, weil sie sonst Leute hätte Überstunden machen lassen müssen. Ich hörte sie hinterher noch mit der eigenartigen Managerin sprechen, ob sie mich denn nicht auf der englischen Seite behalten könnte, aber die Dame hatte andere Pläne.

Es lief eine Art Springer rum, der schwul war, ein wenig überdreht wirkte, aber mich wohl interessant fand. Da alle davon ausgingen, dass Homosexuelle diesen obskuren „Radar“ besaßen, mit dem sie sich untereinander ausmachen, bekam ich gleich in den ersten Tagen den Ruf, schwul zu sein. Was einige Damen dem Vernehmen nach bedauerten, aber hinnahmen. Nur wusste ich von alledem natürlich nichts. In den Mittagspausen verzog ich mich in den nahen Park, was eine göttliche Möglichkeit zur Entspannung und Erfrischung war.

Mit den deutschen Kollegen verstand ich mich auch ganz gut. Der einzige andere Mann war aber nach meinem ersten halbtätigen Intermezzo nie mehr anwesend. Er fuhr nach Deutschland, mietete sich in einem Nobelhotel in der besten Suite ein und nahm sich dort das Leben. Über die Hintergründe erfuhren wir nie etwas, außer, dass er geschieden war und die Trennung von seinen Kindern nicht gut verkraftet hatte. Es gab eine Irin, die sehr gut Deutsch sprach, eine Schottin, die okay zurechtkam und eine Holländerin, die mit einem englischen Soldaten verheiratet war und akzentfrei Deutsch sprach. Sie war die zweite Teamleiterin.

Dazu eine Chinesin, die in der Schweiz aufgewachsen und etwas mollig war, aber eine witzige Persönlichkeit hatte. Sie fand aber bald einen besseren Job bei Visa. Ich freundete mich ein wenig mit der Irin Hannah an, die Anfang vierzig und eine Weltenbummlerin war und sich mit Jobs wie diesem lange Auslandsaufenthalte finanzierte. Sie arbeitete meist für ein Jahr, sparte so viel wie möglich zusammen und ging dann für ein halbes Jahr oder länger irgendwo hin. Aber auch die deutschen Frauen waren richtig nett.

Ich bekam recht wenig Schlaf, auch weil sich Jamie immer öfter bei uns einklinkte, da sie sich einsam und verunsichert fühlte, weil sie Angst hatte, keinen kompatiblen Partner zu finden, in den sie sich verlieben konnte. Chris brauchte mich nicht großartig ermuntern, ich mochte Jamie wirklich gern und hatte auch keine Probleme sie das wissen und fühlen zu lassen.

***

Drei Wochen gingen ins Land, eine gewisse Routine hatte sich aufgebaut und ich kam mit dieser wunderbar zurecht. An einem Montag verabschiedete ich mich morgens von Chris, die in dem Haus in Windermere weitermachen wollte und musste mir zum wiederholten Male anhören, dass ich mir gefälligst endlich ein Telefon anschaffen sollte. Am Dienstagabend wollte sie mich in ihrem Haus anrufen, da ich ohnehin rumkommen sollte, um Jamie sexuell zufrieden zu halten. Am Mittwoch, spätestens Donnerstag, wollte sie dann zurückkommen.

Es war eigenartig wieder allein in meinem Bett zu schlafen. Ich vermisste sie schrecklich. Wir hielten uns an die getroffene Vereinbarung. Sie hörte zu und masturbierte, während Jamie mir einen blies. Sie sagte aber auch, dass sie erst Donnerstagabend zurückkehren würde. Wir machten eine Uhrzeit für unser Treffen aus.

Ich konnte es kaum erwarten sie wiederzusehen und stiefelte lange vor der vereinbarten Zeit zu ihrem Haus. Ich kann es nicht erklären, aber ich zögerte plötzlich, als ich durch das Grundstückstor gegangen war. Ich hatte eine dunkle Vorahnung von Unheil. Ich klingelte und eine total verheulte Jamie öffnete mir die Tür. Oh nein. Bitte nicht. Bitte das nicht. Viel mehr ging mir nicht durch den Kopf.

„Es hat einen Unfall gegeben … und Chris …“

Verdammt. Sie hätte nicht fahren sollen. So unsicher, wie sie sich immer noch fühlte. Ich fühlte Tränen in mir aufsteigen.

„… und Chris ist verhaftet worden. Sie hat hier angerufen und ich soll ihren Anwalt anrufen … aber ich kann die verdammte Telefonnummer nicht finden …“

Sie brach erneut in Tränen aus. Verhaftet worden? Hatte sie jemanden überfahren?

„Was ist denn passiert?“

„Sie … sie hat mit dem Banker rumgemacht. Er stand auf Atemspiele, weißt doch, wie wir damals … hab ich nicht da schon gesagt, das geht mal schief? So eine gottverdammte Scheiße …“

Was? Aber wieso verhaftet?

„Aber wenn es ein Unfall war …“

„Das glauben sie ihr aber nicht. Sie steht unter Mordverdacht und sitzt in Untersuchungshaft. Hilfst du mir, die Nummer zu finden? Ich dreh echt durch.“

Davon war ich aber auch nicht weit entfernt. Verdammt. Wir waren beide so verflucht hilflos. Wir fanden dann aber schließlich doch ein Schreiben des Anwalts, der sie für Ihre Nachlassgeschichten betreut hatte, aber auch im Strafrecht Mandanten vertrat. Jamie hatte sich Details aufgeschrieben und gab sie dem Anwalt mit zitternder Stimme durch.

Am Abend sahen wir den Fall dann im Fernsehen. Es war die Rede davon, dass die Justiz in diesem Fall eventuell ein Exempel statuieren wollte, um das unverantwortliche Verhalten einiger in der Szene anhand der Schockwirkung zu unterbinden. Es war in kurzer Zeit der zweite Zwischenfall dieser Art.

Ich war allein von dieser Ankündigung total geschockt. Ich schaffte es zwar noch am nächsten Tag zur Arbeit zu gehen, aber ich spulte dort alles nur mechanisch ab. Es regnete, also aß ich mein Mittag alleine und verwirrt in unserem Pausenraum. Zwei Leute lasen dort Zeitung, das englische Äquivalent der Bild. Chris war dort auf der Titelseite abgelichtet; ein schwarzer Balken war über ihre Augen retuschiert worden. Woher die das Bild wohl hatten?

Ich wagte nicht, um die Zeitung zu bitten. Wahrscheinlich hätte ich laut losgeheult. Schon in dieser Mittagspause fasste ich den Entschluss, zumindest am Wochenende nach Manchester zu gehen und damit ihrer direkten Anweisung dies nicht zu tun, zu trotzen. Sie war bereits in das Styal Frauengefängnis in Macclesfield nahe Manchester verlegt worden. Ich konnte sie in all dem Dreck doch schlecht alleine lassen.

Ich kriegte einen direkten Zug am Kings Cross Bahnhof und musste dann mit einem Vorortzug und schließlich zu Fuß weiter. Meine Unruhe wuchs, je näher ich dem Ziel kam. Und wenn sie mich gar nicht hereinlassen würden? Schließlich hatte ich vorher keinen Besuch beantragen können. Meine Bedenken erwiesen sich aber als deutlich zu Deutsch. Ich musste ein Formular ausfüllen und dann wurde ich nach einer kurzen körperlichen Untersuchung in ein wie eine Cafeteria wirkendes Besucherzimmer geführt, wo schon einige Frauen mit Angehörigen und Freunden rege Gespräche führten.

Chris wurde von einer Wärterin hereingeführt, wie alle Frauen dort in knallorangen Hosen und weißem T-Shirt. Sie sah müde und blass aus. Sie lächelte nicht einmal, als sie mich sah.

„Was tust du hier? Ich hatte Jamie gesagt, dass ihr mich nicht besuchen sollt.“

Der frostige verbale Empfang hätte jeden anderen täuschen können, ich aber fühlte, dass sie mir für den Besuch dankbar war.

„Hallo, mein Schatz. Du hast ja gerade bewiesen, dass man dich eigentlich keine Minute alleine lassen kann.“

„Mir ist nicht nach Witzen zumute. Ich hänge richtig tief in der Scheiße, falls dir das entgangen ist.“

Ich schwieg für einen Moment betroffen. Wie sollte ich mit ihr umgehen, ihr die Unterstützung geben, die sie doch sicher brauchte? Sie reagierte schnell auf meine Gefühle.

„Sorry, ich wollte dich nicht so anblaffen. Und natürlich freue ich mich, dass du hier bist. Mein Anwalt war heute Morgen hier, deshalb hab ich nicht die beste Laune. Mr. Jones wird mich nicht vertreten, sondern hatte mir einen Freund empfohlen, mit dem er zusammen studiert hat und der hier ansässig ist. Das ist allerdings ein ganz merkwürdiger Vogel. Na immerhin wird er versuchen, mich auf Kaution freizubekommen.“

„Das ist doch schon mal etwas. Wie lange, glaubst du, dauert es, bis darüber entschieden wird?“

„Er sagte eventuell Ende nächster Woche schon. Das Geld ist ja nicht das Problem. Er hat aber auch gesagt, dass wir wahrscheinlich nicht mit fahrlässiger Tötung durchkommen werden. Die Anklage wird auf Totschlag hinauslaufen.“

Ich schluckte erschrocken. Ich war bis dorthin hoffend davon ausgegangen, dass sie eventuell eine Bewährungs- oder eine Geldstrafe bekommen würde. Die Presse und Berichterstattung im Fernsehen fiel mir ein. Der Anwalt war ein Familienvater mit zwei kleinen Kindern gewesen. Verflucht, warum hatte sie bloß dieses gefährliche Spiel mit ihm durchgezogen? Und warum hatte sie nicht vor seinem Ersticken aufgehört?

„Was ist eigentlich genau passiert?“

Sie starrte mich unverwandt an.

„Ich hab die Schlaufen am Hals nicht rechtzeitig aufgekriegt. Ich hab noch versucht ihn wiederzubeleben, aber ich hab es nicht hingekriegt. Ich … war ziemlich breit.“

„Breit? Was meinst du? Warst du betrunken?“

„Nein.“

Sie zögerte und sah sich nach den an den Eingängen postierten und sich unterhaltenden Wärtern um, bevor sie sehr leise fortfuhr.

„Ich hatte eine von den Morphium-Tabletten meiner Mutter geschluckt, um zu sehen, wie das ist.“

„Bist du bekloppt? Morphium?“

„Kannst du vielleicht ein bisschen leiser sein? Meinst du, ich weiß nicht, dass ich Scheiße gebaut habe? Meinst du, ich wollte, dass er unter mir krepiert? Du kannst doch fühlen, was ich fühle.“

„Könnt ihr das nicht zu deiner Verteidigung benutzen? Du warst denn doch temporär unzurechnungsfähig oder so etwas.“

„Nein, mein Anwalt hat mir davon abgeraten. Sie werden eh versuchen, mich als die gewissenlose und grausame Domina hinzustellen, der die Befriedigung ihrer „perversen“ Lust mehr als ein Menschenleben bedeutet. Wenn dann auch noch Drogenkonsum hinzukommt, kann ich einpacken. Weißt du was ich zu erwarten habe? Mindestens sieben Jahre. Wenn es quer läuft, kriege ich lebenslänglich.“

Ich schluckte erneut. Dass es so schlimm werden könnte, hatte ich nicht gedacht.

„Aber es war doch ein Unfall! Wieso Totschlag? Wenn du aber so etwas wie einen Leumunds-Zeugen brauchst, ich stehe dir gern zur Verfügung.“

Sie brach völlig unerwartet in Tränen aus. Ich strich ihr übers Haar, aber binnen Sekunden war ein Wärter bei uns.

„Keinen körperlichen Kontakt bitte, oder wir beenden den Besuch vorzeitig.“

Ich kochte vor Wut.

„Mann, wie seid ihr denn drauf? Seht ihr nicht, dass sie völlig fertig ist?“

„Sir, ich weise sie auf lediglich erneut auf die Bestimmungen hin, die ihnen vor ihrem Besuch zur Kenntnis gebracht wurden.“

„Tom, mach nicht so einen Alarm. Das führt doch zu nichts. Ist schon okay.“

Ich beruhigte mich etwas. Der Wärter kehrte zu seinen Kollegen zurück, aber nun behielten sie uns die ganze Zeit im Auge. Es dauerte eine ganze Weile, bevor sie sich beruhigte und weitersprechen konnte.

„Ich glaube nicht, dass ich das ertragen könnte. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie es hier ist. Sieben Jahre oder länger …“

„Chris, bleib doch ruhig. Vielleicht geht es doch besser ab, oder du kriegst eine Bewährungsstrafe oder so etwas.“

Sie trocknete sich mit dem T-Shirt ihre Tränen ab und sagte dann fast unhörbar leise:

„Ich glaube nicht, dass ich mich der Verhandlung aussetzen werde.“

„Was meinst du? Chris, mach keinen Scheiß.“

„Nicht was du denkst. Mach dir keine Sorgen.“

Was hatte sie vor? Wollte sie sich vielleicht absetzen, wenn sie auf Kaution rauskam? Ihr nächster Satz schien das zu bestätigen.

„Alles hängt davon ab, ob sie mich auf Kaution raus lassen.“

Meine Gedanken rasten. Ich war gerade dabei, mir ein „normales“ und ordentliches Leben aufzubauen. Dennoch war ich bereit, alles für sie zu opfern.

„Wenn du das vorhast, was ich denke … ich komme mit dir …“

Sie verzog gequält das Gesicht. Gleichzeitig fühlte ich aber eine Welle von Liebe und Dankbarkeit von ihr.

„Wir können das hier nicht diskutieren. Die halbe Stunde ist auch fast um.“

Tatsächlich schlenderte der Wärter zu uns zurück und hob die Hand.

„Fünf Minuten.“

Dann ging er zwei Tische weiter und führte eine andere Insassin zur Tür, wo sie von einer brutal wirkenden Wärterin in Empfang genommen wurde.

„Wie bleiben wir in Verbindung? Über deinen Anwalt?“

„Ich rufe am Mittwoch um acht Uhr im Haus an. Aber Vorsicht, die Gespräche werden abgehört, glaube ich.“

Der Wunsch, sie zu umarmen war überwältigend, aber der Wärter stellte sich bereits neben unserem Tisch auf.

„Tom … ich liebe dich. Pass auf dich auf.“

Noch bevor ich ihr antworten konnte, stand sie abrupt auf und ließ sich vom Wärter zur Tür führen. Sie sah nicht mehr zurück, aber ich konnte sehen, dass sie weinte.

***

Benommen fuhr ich zurück nach London. Ich hatte große Schwierigkeiten Jamie von dem bevorstehenden Anruf zu unterrichten. Seitdem die Presse Chris Adresse in London herausbekommen hatte, stand das Telefon nicht still und es waren auch Journalisten gekommen, um die Mitbewohner im und vor dem Haus abzupassen. Erst am Sonntagabend gelang es mir, sie zum Aufmachen zu bewegen, nachdem ich wie ein Wahnsinniger brüllte, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen.

Sie händigte mir einen Schlüssel aus, den sie noch von Shawn übrig hatte, damit ich beim nächsten Mal nicht klingeln musste. Ich machte ihr gegenüber nur Andeutungen, was Chris eventuell vorhatte und sie reagierte erstaunlicherweise gar nicht darauf. Sie schien eh mit der ganzen Sache noch weniger umgehen zu können, als ich. Tina hatte sich seit den ersten Presseattacken komplett zu Clara zurückgezogen.

Als ich am Montag ziemlich gedankenverloren und bräsig von der Arbeit kam, die ich wie im Traum nur am Rande meines Bewusstseins erlebt hatte, saß sie auf der Mauer vor meiner Eingangstür, mit einem kleinen Rucksack und einem verzweifelten Gesichtsausdruck.

„Ich halte es im Haus nicht aus. Ich dreh echt durch. Kann ich bei dir bleiben? Es ist mir auch bestimmt keiner gefolgt, ich war ganz vorsichtig.“

„Na klar, komm rein.“

Sie sah sich nicht einmal großartig in meiner sehr überschaubaren Wohnung um, setzte sich auf den Sessel und schien aufzuatmen. Sie war ein Jahr älter als ich. Viel mehr wusste ich eigentlich zu diesem Zeitpunkt nicht von ihr. Na ja, was sie im Bett mochte, natürlich. Und dass sie ohnehin schon ein wenig in der Krise steckte. Ich spielte ihr ein paar von meinen Songs vor. Es war ihre Art von Musik und meine Stücke gefielen ihr.

Wir ließen uns was vom Inder am Ende von Brecknock Road bringen. Sie zuckte richtig, als es an der Tür klingelte.

„Das ist doch nur das Essen. Keine Bange, hier nervt uns keiner.“

Das war es aber nicht. Es war Sara. Sie nahm mich vorsichtig in den Arm.

„Ich hab das gerade gehört, mit Chris. Das tut mir so leid … für euch beide.“

„Ehm … willst du reinkommen?“

„Okay. Oh, du hast Besuch?“

„Sara, das ist Jamie. Jamie lebt mit Chris in einem Haus. Sie versteckt sich hier vor der aufdringlichen Presse.“

„Ach so, verstehe. Nett dich kennenzulernen. Echt Scheiße, das mit Chris. Wisst ihr denn schon, was wirklich passiert ist?“

„Hm, ja. Sie hat sich zugedröhnt und dadurch den richtigen Moment verpasst. Der Mann stand auf diese Erstickungsspiele. Und dann ist es halt schiefgegangen.“

Es war deutlich sichtbar, wie unangenehm die ganze Sache Sara war, aber sie wollte für mich da sein. Nur darum war sie gekommen.

„Ich versteh ja nichts davon …“

„Es war ihre Spezialität. Eine Menge Männer fahren drauf ab. Manche strangulieren sich selbst, während sie sich einen runterholen“, klärte Jamie sie auf.

„Aber warum? Ich verstehe nicht …“

„Es verstärkt den Orgasmus. Stell dir den besten Orgasmus vor, den du je hattest, multipliziere ihn mit fünf und dann hast du in etwa, wie das abgeht. Ich habe es natürlich auch erlebt“, fuhr sie gnadenlos fort.

„Aber es ist eben gefährlich. Ein bisschen wie Russisch Roulette. Und Chris … Scheiße … hat es immer ein wenig zu sehr gemocht, Herrin über Leben und Tod zu sein“, setzte sie hinzu. Sie hatte auch damit Recht.

Sara sah mich ängstlich an. Das waren alles Dinge, die sie eigentlich gar nicht wissen wollte. Und sie kriegte natürlich mit, das Jamie auch der Szene angehörte. Ich hatte sie selten so eingeschüchtert gesehen. Vor allem, weil Jamie sie auch noch die ganze Zeit anstarrte. Natürlich. Sie hatte ja mein Stück ebenfalls gelesen. Und versuchte jetzt Sara darin zu erkennen, denn sie wusste selbstredend, wer sie war.

„Dann war es doch ein Unfall.“

„Ja, natürlich war es ein Unfall. Aber sie wird wahrscheinlich trotzdem für Totschlag verurteilt werden. Das hat ihr der Anwalt jedenfalls gesagt.“

„Du hast mit ihr gesprochen?“

„Ich habe sie am Samstag im Knast besucht … das wird jetzt aber wirklich das Essen sein“, kommentierte ich das erneute Schellen an der Tür. Diesmal hatte ich Recht.

„Oh … ich will euch nicht beim Essen stören.“

„Quatsch, du kannst doch mitessen. Wir haben wahrscheinlich eh zu viel bestellt.“

„Wirklich? Danke. Ich hab auch schon etwas Hunger, denn ich wollte dich eigentlich zum Essen einladen.“

Wir machten uns alle drei über das göttliche indische Essen her. Und trotzdem blieb noch einiges über. Die beiden Damen fanden schnell heraus, dass sie einiges gemeinsam hatten. Auch Jamie war Schmuck-Designerin. Sie hatte einen zweijährigen Kurs an der Royal Academy hinter sich gebracht und arbeitete nun in einem Juwelierladen im Westend. Ein Kurs, den auch Sara zu nehmen überlegt hatte.

Ich war ganz zufrieden, dass ich mich nicht wesentlich an den Gesprächen beteiligen musste, denn ich war todmüde, von der Arbeit, dem reichlichen Essen und dem Schlafmangel, unter dem ich seit Chris Verhaftung litt. Irgendwann schlief ich dann tatsächlich auch im Sessel ein.

„Hey. Willst du nicht ins Bett?“

Für einen Moment glaubte ich Chris vor mir zu haben und aus einem schlimmen Traum zu erwachen. Es war aber Jamie, die mir zärtlich über mein Gesicht strich. Sara war bereits verschwunden. Ich erfuhr, dass sie bereits vor einer Stunde nach Hause gegangen war, mich aber nicht wecken wollte. Auch Jamie war todmüde. Wir zogen uns beide aus und kuschelten uns aneinander. Erst kurz bevor ich wieder einschlief, fiel mir mein Wecker ein. Als ich ihn geschärft hatte, war Jamie bereits eingeschlafen.

Als der Wecker schrillte, roch es schon nach Kaffee in meinem Zimmer und Jamie war unter der Dusche. Ich präparierte den Rest des Frühstücks und streckte meinen Kopf kurz durch den Duschvorhang, um ihr einen guten Morgen zu wünschen. Sie lächelte und seifte sich betont erotisch ihre Brüste ein. Unter anderen Umständen hätte mich das wohl animiert, zu ihr unter die Dusche zu springen. So aber verzog ich nur leicht gequält das Gesicht. Sie verstand und entschuldigte sich kurz.

Wir gingen nach dem Frühstück gemeinsam zur U-Bahn und ich gab ihr meinen Schlüssel, da ich aufgrund meines längeren Weges eine halbe bis eine Stunde nach ihr von der Arbeit kommen würde. Bei der Arbeit war zudem viel los. Ob ich es konnte, oder nicht, ich musste mich konzentrieren und alles andere ausblenden. Es war ein komisches Gefühl, an meiner eigenen Wohnungstür schellen zu müssen und von ihr dort empfangen zu werden.

Sie hatte richtig fett eingekauft und schon mit dem Kochen angefangen. Wir schafften es irgendwie, uns den ganzen Abend zu unterhalten, ohne auch nur ein einziges Mal über Chris oder die gegenwärtige Situation zu sprechen. In Gedanken waren wir trotzdem bei ihr. Wir gingen früh ins Bett, beide artig mit T-Shirts und Unterhosen bekleidet. Sie schlang ihre Arme um mich und sah mich lange an. Dann seufzte sie.

„Was ist?“

„Ich würde gern … aber obwohl Chris sicher nichts dagegen hätte …“

Ich verstand genau, was sie meinte. Es ging mir ähnlich. Wir küssten uns. Die Situation entwickelte dann trotz unserer Zurückhaltung ihre eigene Dynamik. Wir spielten nicht miteinander. Wir schliefen miteinander, ruhig, zärtlich, gelassen und gleichzeitig unglaublich traurig. Wir brauchten beide das Gefühl, miteinander verbunden zu sein, nicht mehr und nicht weniger.

Erst als wir uns beide dem Höhepunkt annäherten, nach vielleicht einer halben Stunde, änderten wir die Gangart, flackerte so etwas wie Leidenschaft und Dringlichkeit auf. Ich kam in sie hinein, kurz nach ihr.

Wir lagen noch Minuten ineinander verkeilt und hingen beide unseren Gedanken nach, bevor ich nach meinen Zigaretten griff. Sie schien etwas zu rechnen und nahm dabei die Finger zu Hilfe. Dann sprang sie auf und holte ein kleines Notizbuch aus ihrem Rucksack.

„Was ist denn?“

„Ich hoffe mal, ich hab richtig gerechnet. Danach ist es zwei Tage vor dem Eisprung. Sorry, ich hätte dich wohl warnen sollen.“

Na klasse. Ich verfluchte mich für meine Gedankenlosigkeit. Ich dachte viel zu wenig über Verhütung nach. Das fehlte gerade noch. Meine Freundin ging eventuell lebenslänglich in den Knast und ich schwängerte vielleicht gerade ihre Mitbewohnerin.

„Hey, mach dir keine Sorgen … das wird schon okay sein. Die nächsten Male müssen wir aber vorsichtiger sein.“

Die nächsten Male. Für einen Augenblick wurde uns wohl beiden bewusst, wie bizarr und eigenartig unsere Situation und unser Verhalten waren. Wir seufzten beide gleichzeitig und mussten deshalb dann auch lachen. Wir kuschelten uns aneinander. Ich dachte an Chris und sendete ihr sozusagen meine Liebe nach Manchester, bis ich dann irgendwann einschlief.

***

Chris rief tatsächlich am Mittwochabend an, allerdings eine halbe Stunde später als angekündigt. Jamie und ich drehten in der Wartezeit fast durch. Sie hatte aber gute Neuigkeiten.

„Die Staatsanwaltschaft hat zumindest die Mordanklage schon auf Totschlag abgeschwächt und deshalb komme ich am Freitag wohl wirklich auf Kaution frei.“

„Super, ich freue mich für dich. Dann sehen wir uns Freitagabend?“

Es wurde still am anderen Ende der Leitung.

„Was ist? Bist du noch dran?“

„Ja, sorry … ich bin noch ein wenig durcheinander, ich hätte der Tussi, die vor mir das Telefon so lange blockiert hat, fast ein paar gelangt. Ich will jetzt auch nicht so lange machen … gibst du mir Jamie nochmal?“

„Klar. Überleg dir bitte, was du tust. Ich liebe dich.“

„Ich liebe dich auch. Ich kann jetzt nicht weiterreden. Gib mir bitte Jamie.“

In diesem Moment war mir völlig klar, dass sie mir mit ihrem Schweigen alles mitgeteilt hatte, was ich wissen wollte. Sie würde versuchen, sich abzusetzen. Ich war mir nicht sicher, ob das wirklich so eine gute Idee war. Und wohin? Und wie würde ich erfahren, was ich tun sollte? Die Tatsache, dass sie nicht nach London zurückwollte, schien ja darauf hinzudeuten, dass sie schon sehr konkrete Pläne hatte. Vielleicht würde sie mir über ihren Anwalt etwas mitteilen? Konnte sie ihm so etwas erzählen, oder machte er sich strafbar, wenn er eine Flucht deckte und aktiv unterstützte?

Ich war so in meine Gedanken vertieft, dass ich nur noch den letzten Teil von Jamies Gespräch mit ihr mitbekam.

„Natürlich tue ich das. Ja, gestern. Chris … wir vermissen dich so.“

Jamie brach in Tränen aus. Ich nahm sie in den Arm.

„Okay … ja, mache ich. Tschüss Chris. Es wird schon alles glattgehen, mach dir keine Sorgen. Wir drücken dir die Daumen.“

Sie legte auf und buckte sich an meiner Schulter an. Langsam beruhigte sie sich wieder und der Tränenstrom versiegte.

„Was hat sie dir denn noch gesagt?“ fragte ich sie mit einer eigenartigen Vorahnung.

„Dass ich mich um dich kümmern soll.“

„Sie wird versuchen abzuhauen.“

„Ja, das wird sie.“

Sie starrte vor sich hin.

„Irgendeine Idee, wohin ich ihr folgen soll?“

„Sie meldet sich bestimmt irgendwie.“

Ich spürte deutlich, dass sie mehr wusste, als sie vorgab. Ich beschloss jedoch nicht nachzuhaken. Das Telefon klingelte in der Stunde, die wir noch im Haus verbrachten, zwei Mal. Ich nahm den Hörer ab, sagte aber keinen Ton. Es war ein Journalist, beide Male derselbe. Wir gingen eilig zurück zu meiner Wohnung.

Jamie hatte einen weiteren Rucksack mitgenommen und schien sich damit wohl auf einen längeren Aufenthalt bei mir einzurichten. Eine Fehleinschätzung, wie ich schell feststellte, als sie ihn bei unserer Rückkehr auspackte. Wortlos reichte sie mir meine Schatulle, die ich in Chris Zimmer gelassen hatte. Ich öffnete sie versonnen und strich über die silberne Plakette, die Jamie für Chris damals hergestellt und graviert hatte. Dann holte sie unsere Klopfpeitsche heraus.

„Ich kann dich nicht dominieren, das weißt du. Chris meinte aber, du würdest Schmerzen nun mehr als alles andere brauchen. Ich tu das für dich, wenn du willst. Ich brauche es auch. Schmerz reinigt die Seele.“

Das war einer von Chris Sprüchen. Wortlos legte ich meine Kleidung ab und legte das Halsband an. Es war von irgendeiner Lampe, die dort nicht mehr hing, ein stabil aussehender Haken in der Decke. Da er recht schmal war, benutzte Jamie das lange Lederband, das sie auch mitgebracht hatte, um mich daran festzubinden. Dann zog auch sie sich aus. Etwas überraschend verband sie mir die Augen und klebte mir mit Tape den Mund zu.

Man muss Schmerz lieben, um ihn so verabreichen zu können, wie sie. In der Dunkelheit war ich allein mit ihm, gab ich mich ihm völlig hin. Dem Blitzschlag, der das Auftreffen der flachen Lederstreifen auf meinem Rücken verkündete. Das scharfe Brennen, dass dann einem wilden Glühen wich. Das Eintauchen in dieses Gefühl, der Moment wo sich das ganze Sein in dieser Empfindung destilliert. In diesen Rausch hinein kam das Echo, der nächste Schlag. Das Stöhnen, das aus den Tiefen der Seele kam, Lust und Qual in einem Laut verschmolzen.

Sie durchbrach den Rhythmus, ließ mich warten, antizipieren, der nächsten Dosis des seligmachenden Giftes entgegenfiebern. Innerlich um mehr betteln. Und mehr. Und mehr. Mein stummes Betteln wurde erhört.

Schwer atmend hing ich in die scharf in meine Unterarme schneidenden Lederfesseln, als der erwartete nächste Schlag ausblieb. Ich fühlte Bewegung vor mir, dann wurde mein leicht geschwollener Schwanz von ihr in den Mund genommen.

Diese Mischung aus zögerlich verklingendem Schmerz bei gleichzeitiger wachsender Erregung war beinahe unerträglich gut. Das war kein Blow-Job wie sonst, sie massakrierte meinen sich rasch der notwendigen Härte befleißigenden Schwanz mit brutalster Handunterstützung, peitschte mich nun mit Feuerzungen der Lust. Es dauerte keine fünf Minuten, da quoll ich in ihrem Mund über, hatte das Gefühl, zum Orgasmus gemolken worden zu sein. Im Moment des Kommens hatte ich Chris vor Augen. Hoffte, dass sie mich auch über diese Distanz fühlen konnte.

Jamie befreite mich von der Augenbinde und den Fesseln. Das Tape zog ich mir selbst von meinen Lippen. Ich hatte den Geschmack von Plastik im Mund, obwohl er geschlossen gewesen war.

„Jetzt bist du dran.“

Wenn schon Chris Sprüche, dann auch die richtigen. Jamie erkannte diesen auch sofort, sie bekam richtig eine Gänsehaut. Ich stellte sicher, dass sie diese zu Recht bekommen hatte. Was mir auch schon mit Chris einige Male passiert war, geschah erneut. Ich verlor mich völlig, schlug mich in einen Rausch. Ich war Jamies Beispiel gefolgt, hatte ihr ebenfalls Mund und Augen geschlossen, ansonsten hätten meine Nachbarn wohl auch die Polizei gerufen, denn trotz des Tapes war sie noch erstaunlich laut. Als ich endlich von ihr abließ, wimmerte sie aber nur noch.

Sie sank richtig in sich zusammen, als ich sie vom Haken löste, glitt einfach so zu Boden. Ich half ihr auf und führte sie zum Bett. In ihren Augen standen Tränen, als ich ihr die Augenbinde entfernte, ihr Mascara war verlaufen und zeichnete bizarre Linien auf ihre Wangen. Ihr Rücken und Po waren feuerrot. Mit zitternden Händen entfernte sie das Tape. Sie schlang ihre Arme um mich und hauchte „Danke“. Ich gab ihr Zeit, sich aus diesem Zustand, der am ehesten mit einem Schock zu vergleichen ist, herauszuschälen.

Dann nahm ich meine Handschellen aus der Schatulle und fesselte ihr die Hände auf dem Rücken. Ich drückte sie aufs Bett und zog sie dort bis zum Kopfende. Sie wand sich wie ein Wurm, da die Position auf dem Rücken mit den Handschellen wahrscheinlich alles andere als bequem war. Ich öffnete ihre Schenkel und legte mich auf sie. Wir küssten uns wild, als ich in sie eindrang. Sie war klitschnass. Ich stemmte ihre Schenkel gegen meine Arme und schob meinen ebenfalls recht begeisterten Paul bis zum Anschlag in sie hinein.

Sie zuckte, als ich ihren Muttermund traf und biss sich auf die Lippen. Ich hämmerte wie ein Wilder auf sie ein. Ihr Mund stand weit offen, ein ungläubiger Ausdruck mischte sich mit dem echter Verzückung. Wie zuvor beim Peitschen verlor ich jegliche Kontrolle, steigerte mich in einen nicht enden wollenden Rausch, in dem ich ihre Orgasmen fast nur als Randerscheinung mitbekam, bevor ich dem brutalen Ritt entsprechend explosiv kam. Wenigstens schaffte ich es noch rechtzeitig abzuziehen und meinen Proteinshake auf ihre Titten und ihren Bauch zu verteilen.

Ich massierte ihn in ihre Haut ein, bis er klebrig antrocknete. Ich drehte sie auf die Seite und öffnete ihre Fesseln, zog sie an mich und lauschte meinem noch immer wild hämmernden Herzen, wie auch der wunderbaren Stille in meinem Geist.

***

„Tom, da ist ein Anruf für dich.“

Was in einer Bestellannahme natürlich nichts Ungewöhnliches war. Ich hatte mittlerweile auch mit vielen unserer Kundinnen und Kunden einen besonderen Rapport entwickelt, so dass sie immer wieder nach mir fragten und gar später anriefen, wenn ich gerade in einem Call war. Aber er wurde von Vicky von der englischen Seite rüber gestellt.

„Ich stell jetzt durch. Sie spricht Englisch.“

„Guten Tag und willkommen bei …“

„Tom, ich bin’s. Ich bin draußen, es hat geklappt.“

„Chris, das ist fantastisch! Wo …“

„Ich will mich nur von dir verabschieden. Ich will nicht, dass du dir wegen mir dein Leben zerstörst. Ich liebe dich, aber genau deshalb will ich dir das nicht antun. Bitte versuche, mich zu verstehen.“

Es traf mich nicht unerwartet, aber dennoch riss es mein Herz mitten durch. Ich war unfähig zu antworten. Ich hörte sie schluchzen.

„Vergiss mich nicht. Fuck. Ich liebe dich“, sagte sie noch mit tränenerstickter Stimme. Dann legte sie auf. Ich torkelte zu meiner Teamleiterin, um ihr mitzuteilen, dass ich eine Zigarettenpause brauchte. Sie sah mich besorgt an.

„Du bist leichenblass. Alles in Ordnung?“

„Ja … ich brauch nur ’n Moment um runter zu kommen. Bin gleich wieder da.“

Ich stand völlig neben mir, als ich draußen, wegen des einsetzenden Regens dicht an die Glaswände unseres Büros gedrängt, mit zitternden Händen rauchte. Hannah kam herunter und erkundigte sich, was los war. Sie rauchte nicht, jedenfalls nicht regelmäßig, also muss ich wohl wirklich ganz schön verheerend ausgesehen haben. Ich deutete an, dass ich gerade vom Ende meiner Beziehung erfahren hatte, ohne ins Detail zu gehen.

Niemand von meinen Kollegen hatte von mir erfahren, dass ich dem Fall, der auch im Pausenraum manchmal diskutiert wurde, auf besondere Weise verbunden war. Sie nickte verständnisvoll und meinte, ich solle doch nach Hause gehen, unsere Teamleiterin hätte bestimmt nichts dagegen. Ich schüttelte den Kopf.

Jamie war am Morgen nach Lancaster aufgebrochen, um für eine Weile bei ihren Eltern zu bleiben. Ich vermutete schon damals, aber erfuhr es von ihr erst später, dass sie sich dort mit Chris traf, bevor diese sich nach Schottland absetzte, von wo aus sie dann mit neuen Papieren zum Kontinent aufbrach. Ich war allein.

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Categories: AnalBDSM
Posted by plusquamperfekt
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