Blind Date

Wenn ich darüber nachdenke, diese Geschichte zu erzählen, überkommt mich das dringende Bedürfnis, alle zwei Minuten einzuwerfen: Ich war zwanzig, jung und dumm.
Weswegen, wird man sicherlich schnell verstehen…

Als ich besagtes Alter hatte, steckte das Internet noch in den Kinderschuhen. Es gab zwar schon Chatrooms und andere Online-Aktivitäten, aber noch lange hatte nicht jeder einen Internetzugang. Und wenn man einen hatte, dann lautete die Frage, wie viele Kilobit das Modem schaffte. Nix mit Mega oder Giga.
Aber für diejenigen, die noch nicht einmal einen Computer hatten, war das ohnehin nicht wichtig. Und für diese Menschen, zu denen auch ich zählte, gab es daher auch keine Möglichkeit, sich online mit irgendwelchen Leuten zu treffen, zu verabreden und zu einem Blind Date zu kommen.
Trotzdem hatte ich in dieser Phase meines Lebens eine ganze Reihe von diesen Verabredungen mit praktisch unbekannten Frauen. Aber wie kam es dazu?

Nun… Es gab seinerzeit eine gewisse Hochkonjunktur bei sogenannten Flirtlines.
Und an dieser Stelle möchte ich erstmals einwerfen: Ich war zwanzig, jung und dumm.

Flirt- oder Datinglines waren Telefonhotlines, bei denen man anrufen konnte. Man traf dort auf andere Leute, die ebenfalls gerade nach einem Gespräch suchten. Die einsam waren. Oder sich amüsieren wollten.
Heute würde jeder höhnisch darauf hinweisen, dass bei den üblen Nummern, die für nur drei bis fünfzehn Euro die Minute schnellen Spaß versprechen und nachts die Werbepausen dominieren, sowieso bestenfalls ein paar Professionelle daran arbeiten, einen so lange wie möglich in der Leitung zu halten.
Aber damals war das anders. Und zumindest das ist die Wahrheit.

Seinerzeit gab es Nummern, die für Frauen kostenlos waren und so einen gewissen Zulauf hatten. Und damit zogen sie auch die männlichen Trottel an, von denen ich einer war.
Ja… Ich war zwanzig, jung und dumm.
Aber trotz horrender Ausgaben hatte ich dort anregende Gespräche und richtiggehende Fernbeziehungen per Telefon. Inklusive Telefonsex, wenn auch eher selten.

Die meisten Mädels waren dort, weil es für sie unterhaltsam war, sich umschwärmen zu lassen. Und sie spielten ihre Spiele. Aber bei aller Abgebrühtheit ist ein Gespräch ein Gespräch. Und in einem Gespräch kann man jemanden für sich gewinnen, einen guten Eindruck machen, eine sachte Verbindung knüpfen und sich gut miteinander verstehen.
So konnten sich tatsächlich Bindungen entwickeln, die irgendwann in den Austausch realer Telefonnummern mündeten. Und in lange, lange, lange Telefonate über Dinge, die bei einem realen Treffen wohl jeden Funken von Interesse getötet hätten, aber fürs Telefon eben genau die Richtigen waren.

So war es auch mit Hannah, deren vorherrschender Charakterzug eine überwältigende Schüchternheit zu sein schien. Dicht gefolgt von einer mitreißenden Einsamkeit.
Der nicht mehr ganz junge Leser denkt sich an dieser Stelle wahrscheinlich: ‚Wird fett gewesen sein, die Kuh.‘
Soviel kann ich bereits sagen: Das war sie nicht.

Hannah war… anders. Sie gab nicht viel von ihren Lebensumständen preis, aber sie redete bald mit mir über ihr Seelenleben. Und es war wirklich bewegend für mich.
Sie eröffnete mir einen Einblick in die Welt von jemandem, der allein war. Und auch wenn ich mir meine Zeit mit Telefonhotlines um die Ohren schlug, war ich das nicht wirklich. Ich hatte Freunde und ging auch abends weg. Ich hatte ein Leben.
Hannah war - und dieser Sache war ich mir schnell sicher - in irgendeiner Weise eingeschränkt in ihrer Bewegungsfreiheit. Und deswegen war sie völlig allein mit sich.

Wir hatten Telefonsex und ich muss zugeben, dass er, trotz meiner eigentlichen Abneigung gegen diese Sache, gut war. Ich fand es sogar beinahe glaubwürdig, dass sie es ebenfalls genoss.
Aber schließlich wollte ich natürlich mehr. Und hier biss ich für Wochen bei ihr auf Granit.
„Ich will dich sehen“, sagte ich zum bestimmt hundertsten Mal nach einem langen Gespräch tief in der Nacht zu ihr.
„Ich würde dich auch gerne sehen“, erwiderte sie, unsicher wie immer, wenn das Thema zu Sprache kam. „Aber es geht nicht.“

Ihre Argumente waren an sich schlüssig. Sie wohnte im tiefen Süden und ich im hohen Norden. Sie hatte kein Geld, wohnte noch Zuhause und war nicht mobil. Und sie machte kein Geheimnis daraus, dass sie daran zweifelte, ob ‚die Chemie‘ zwischen uns nicht daran zerschellen würde, dass wir unseren Erwartungen nicht gerecht werden könnten.
Aber ich war schon damals nicht der Mensch, der seine Faszination und sein Interesse nur auf eine Ebene - körperlich oder intellektuell - beschränken konnte. Und ich hatte schließlich tatsächlich einen Plan.

„Ich will dich berühren und deine Berührungen spüren, wie du sie mir beschrieben hast“, erklärte ich an einem Abend noch ganz ohne Hintergedanken.
Hannah hatte wirklich ein bewundernswertes Talent für bildhafte Beschreibungen von Berührungen. Das machte den Telefonsex mit ihr so ungewöhnlich aufregend. Sie war ganz offensichtlich ein Mensch, der gerne und sehr bewusst berührte.
„Ja“, hauchte sie, plötzlich wieder einmal ergriffen. „Das würde ich auch sehr gerne erleben.“

Wir sprachen noch eine kurze Weile darüber, wie schön es wäre, nebeneinanderzuliegen und nicht durch so viele Kilometer getrennt zu werden, als mir die Idee völlig überraschend kam.
Ich sprach es nicht an, denn sie hätte es mir ausgeredet. Ich vergewisserte mich nur, dass sie am Abend Zeit für mich haben würde. Und dann beendeten wir das Gespräch schließlich, als sie schon dabei war, einzuschlafen.

Als ich nach einer eher kurzen Nacht erwachte, war ich mir absolut sicher, dass ich meinen Plan noch immer umsetzen wollte. Er war kindisch und kurzentschlossen, aber mangelnde Impulsivität konnte ich mir noch nie vorwerfen.
Ich brauchte an diesem Samstagmorgen etwa eine Stunde, um von einem befreundeten Soldaten eine Bahncard auszuleihen und meine finanziellen Reserven zu mobilisieren. Und dann war ich allen Ernstes auf dem Weg.
Hey... Ich war zwanzig, jung und dumm.

Ich wusste, in welcher Stadt Hannah wohnte. Sogar in etwa, in welchem Stadtteil. Und mein Geld reichte für eine Strecke und ein billiges Hotel. Oder für Hin- und Rückfahrt. Also tat ich, womit man damals bei der Bahn noch durchkommen konnte: Ich fuhr schwarz, bis der Schaffner mich ansprach. Erst dann löste ich eine Fahrkarte.
Und ich hatte Glück, denn ich kam immerhin bis ins Ruhrgebiet, bevor ich von dort aus ein Ticket nach Baden-Württemberg lösen musste, weil ich auch nicht mehr umsteigen würde.
Damit entspannte sich meine finanzielle Situation allerdings schon einmal gehörig.

Als ich ankam, war es früher Abend. Spät genug, um Hannah anzurufen.
„Hallo mein Prinz“, sagte sie ins Telefon, denn Telefonnummern konnten die Handys auch damals schon übertragen.
„Hallo Prinzessin,“, begrüßte ich sie. Es war unser persönlicher ‚Running Gag‘.
Nun… Wir waren wohl beide zwanzig, jung und dumm…

„Ich bin hier“, platzte ich dann heraus.
„Wo?“, fragte sie irritiert.
„In deiner Stadt. Am Bahnhof.“
„Was?“, keuchte sie erschrocken. „Wieso? Wie?“

Es kostete mich ein paar Minuten, sie zu beruhigen. Und ein paar weitere, ihren letzten Widerstand zu überwinden.
Als sie schließlich zustimmte mich zu treffen, war das vorherrschende Gefühl in ihrer Stimme eine Resignation, die ich nicht verstand. Aber ich war beflügelt, denn immerhin stimmte sie zu.
Wir verabredeten uns auf dem großen Marktplatz vor dem örtlichen Dom. Der war nicht zu verfehlen und ich machte mich gleich dorthin auf den Weg. Vorsorglich nahm ich die Gegend in Augenschein und entschied spontan, zwei Kinokarten für die Abendvorstellung zu kaufen. So hätten wir ein wenig Zeit uns zu beschnuppern. Und sie würde nicht gleich fliehen.

Erst zur vereinbarten Uhrzeit ging mir auf, dass wir nie wirklich über ihr Aussehen gesprochen hatten. Und auch wenn sie meine Beschreibung hatte, war der Platz voller Menschen.
Aber wir hatten schließlich unsere Handys. Also rief ich sie einfach an, als die vereinbarte Zeit um fünf Minuten überschritten war.
Was mich erwartete, hätte ich nicht in meinen verworrensten Träumen vorhergesehen…

Die Turmuhr des Doms hatte die Stunde angeschlagen und die Leute schlenderten über den belebten Platz. Also suchte ich mir eine ruhige Stelle an einer Statue und lehnte mich dagegen.
Einer Frau, die sich an diesen Platz geflüchtet zu haben schien, nickte ich zu. Erst danach bemerkte ich ihren Blindenstock und ihre große Sonnenbrille. Sie trug zwar keine Armbinde, aber sie reagierte nicht auf mich, obwohl sie mich ansah. Ich dachte mir nichts weiter dabei.
Auch nicht, als in ihrer Tasche ein Handy klingelte, als ich just Hannahs Nummer gewählt hatte.

Erst als sie dranging und ich Hannahs Stimme gleichzeitig durch das Telefon und in natura hörte, fügte sich das Puzzle plötzlich zusammen.
„Ha-Hallo?“, stammelte sie verunsichert ins Telefon.
Völlig verdattert konnte ich gar nicht reagieren.
„Bastian?“, fragte sie leise. „Bist du…?“
Noch immer war ich zu keiner Regung fähig.
Se ließ das Telefon sinken und schien sich beinahe umzusehen.
„Du stehst hier irgendwo, nicht wahr?“, fragte sie und ich hörte die Tränen in ihrer Stimme.

Mein Schlucken schien irgendwie laut genug, dass ihr Gesicht in meine Richtung ruckte.
„Jetzt weißt du, weswegen ich dich sehen wollte, aber nicht konnte“, flüsterte sie. „Es tut mir leid…“
Noch einmal schluckte ich. Meine Gedanken rasten ziellos.
Alles, was sie mir erzählt hatte, ergab plötzlich einen ganz anderen Sinn. Und das musste ich erst einmal verarbeiten. Dass ich dabei so rein gar nicht auf sie reagierte, verstand sie natürlich ein wenig falsch. Wer sollte es ihr verdenken.
„Ich… Ich gehe besser“, brachte sie hervor und wandte sich ab.

Erst da löste sich meine Erstarrung und ich griff nach ihrer Hand. Sie zuckte zusammen, hielt aber inne.
„Es tut mir leid“, presste ich heraus. Dann fiel mir noch etwas ein und ich stöhnte. „Ich bin so ein Volltrottel…“
„Ich kann verstehe, dass du nicht in Begeisterungsstürme ausbrichst“, sagte sie leise.
„Nein. Nicht deswegen“, murmelte ich.
Unsere Hände hatten inzwischen unwillkürlich ihre Haltung verändert und irgendwie zueinandergefunden. Ich hielt sie nicht mehr fest, sondern wir hielten beinahe Händchen. Irgendwie..

„Weswegen dann?“
„Ich habe… Kinokarten besorgt.“ Ich kam mir wie ein Idiot vor.
„Das…“, sie stockte. „Das ist okay. Wenn du es noch willst, meine ich…“
„Ja“, antwortete ich sofort und es war die Wahrheit. „Aber du…“
„Ich kann gut hören.“ Beinahe lächelte sie dabei.

So oder so kam ich mir vor wie der letzte Depp.
Hannah hatte mir mehr als einen Hinweis auf ihr Handicap gegeben und ich hatte einfach nicht gerafft, was sie mir sagen wollte. Aber zu meiner Verteidigung muss ich vorbringen, dass es in meinen Augen auch nicht gerade eine Behinderung war, die ihre Attraktivität in irgendeiner Form beeinflusste. Obwohl sie genau das anzunehmen schien.
Ich kam mir richtiggehend schäbig dabei vor, wie ich sie anstarrte, während wir Hand in Hand zum Kino gingen.

Niemand hätte die junge Frau neben mir als bildhübsch beschrieben. Aber sie war niedlich, soweit man das bei der riesigen Sonnenbrille sagen konnte, die ihr halbes Gesicht verdeckte.
Sie war schlank - was eine der seltensten Überraschungen bei dieser Art von Blind Dates war. Klein, zierlich und feingliedrig. Mit Händen, die ich gemeinsam mit einer von mir umfassen konnte. Filigran und zerbrechlich, wie ihr Wesen.

Als ich einen Mann anrempelte, den ich nicht bemerkt hatte, weil ich mich auf Hannah konzentrierte, schmunzelte sie.
„Man könnte meinen, du wärst von uns beiden der Blinde.“
„Entschuldige. Ich…“
Wie sollte ich das jetzt erklären, ohne dass es völlig mies klang?
„Du starrst mich an“, erklärte sie. „Ich spüre es an der Art, wie deine Hand leicht verdreht ist.“
„Ja“, gab ich zu.
„Und?“
„Du bist hübscher, als ich zu hoffen gewagt habe.“

Sie geriet aus dem Tritt. Und ich schlug mir beinahe vor die Stirn.
Ja. Ich war zwanzig, jung und dumm, aber das war keine Entschuldigung dafür!
Sie sagte nichts darauf, aber an der Art, wie sie meine Hand fester griff, glaubte ich zu spüren, dass sie es mir nicht übelnahm.
Dann mussten wir uns einen Weg ins Kino zu unseren Plätzen bahnen und hatten für einen Moment andere Sorgen.

Trotz meiner Trotteligkeit merkte ich sehr schnell, wie unangenehm das Gedränge für Hannah war. Ständig wurde sie angerempelt und ich sah ihr an, wie unwohl sie sich fühlte.
Ohne richtig nachzudenken, zog ich sie näher zu mir, brachte meine Arme um sie und schirmte sie ab, während ich sie mit meinem Körper deckte. Und dabei spürte ich, dass sie angespannt war, wie eine Sprungfeder.
Aber das ließ nach, als ich sie im Prinzip im Arm hielt und langsam vor mir herschob. Fast fühlte es sich an, als würde sie nach einem Augenblick der Orientierung die Waffen strecken und sich in meine Obhut begeben. Und das war ein tolles Gefühl!

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, habe ich keine Ahnung, welchen Film ich damals ausgewählt hatte. Ich erinnere mich nur noch, wie ich den kleinen Körper im Arm hielt und er sich an mich schmiegte, bis wir unsere Sitze erreichten.
Wie automatisch glitten wir dort in eine Position, bei der mein Arm um ihre Schulter lag und sie an mir lehnte. Den Kopf auf der Vorderseite meiner Schulter und die Hände auf meinem Oberschenkel.
Nun war ich der Angespannte, denn sie gab sich so unbefangen in meine Umarmung, als wäre es ihr egal, wie nahe sie meinem Schritt dabei kam. Und sie schien das sehr schnell zu spüren.

„Ist es dir unangenehm, mich im Arm zu halten“, fragte sie nach einer kleinen Weile.
Dabei hob sie den Kopf soweit, dass ich ihren Atem an meinem Hals spürte. Was meine Situation nicht verbesserte.
Zum Verständnis sollte ich erwähnen, dass meine letzte, intime Beziehung einige Wochen zurücklag und ich als junger Mann sowieso nur an Sex dachte. Und nun hielt ich einen Körper im Arm, der alles andere als unattraktiv für mich war.
„Nein“, erwiderte ich wahrheitsgemäß. „Ich bin nur… Ich will nicht… Also ich…“
„Bist du erregt?“, fragte sie ungläubig und rettete mich so einerseits vor meinem eigenen Gestammel und brachte andererseits die Sache auf den Punkt, den ich eigentlich hatte vermeiden wollen.
„Tut mir leid…“, schnaufte ich und wurde ziemlich rot.

„Nein“, sagte sie nach kurzem Zögern. „Mir nicht.“
Und dann legte sie wieder den Kopf an meine Brust und ließ ihre Hände sogar weiter hinauf rutschen, bis sie direkt auf der Beule in meiner Hose lagen.
Erst nach einem langen Augenblick besann ich mich wieder auf die Notwendigkeit, zu atmen.

Der Kinobesuch war für mich ein Kontrastprogramm aus Eindrücken, die rein gar nichts mit dem Film zu tun hatten. Welcher auch immer es war.
Im Gegensatz zu Hannah war ich mir meiner Umgebung bewusst. Ich sah, wie die Leute neben uns hinüberschauten und bemerkten, dass zwischen ihr und mir ein wenig mehr Nähe herrschte, als vielleicht angemessen gewesen wäre.
Ich sah einen älteren Mann, der die Hand seiner Partnerin ergriff und sie auf uns aufmerksam machte, woraufhin beide sachte lächelten und sich wieder dem Film zuwandten. Aber nicht ohne ein wenig näher zusammenzurücken.
Aber ich sah auch, wie ein Jugendlicher auf der anderen Seite mich abschätzig musterte und dann den Kopf schüttelte, bevor er seinem Kumpel etwas zuflüsterte. Und dann amüsierten sich beide über etwas, dass ich ziemlich gut erraten konnte.

Ich war kein Adonis. Ich war zu dick. Und ich war es immer gewesen. Mein ganzes Leben lang.
Es war nicht mehr so schlimm, wie in meiner Jugend und mir war durchaus klar, dass ich weder fettleibig noch unerträglich unattraktiv war. Sogar, dass es Frauen gab, die es akzeptabel fanden und behaupteten, sie würden es mögen. Aber wenn man als dicker Junge aufgewachsen ist, hat man gewisse Empfindlichkeiten.
Die beiden Jungs feixten darüber, dass wohl nur eine Blinde - gut genug an ihrem Stock und der Brille erkennbar - sich auf einen wie mich einlassen würde.

Wie sich herausstellte, war ich nicht der Einzige, der es bemerkte. Hannah sah zwar nicht, aber sie hörte tatsächlich gut. Ich spürte, wie ihre Hand sich auf meinen Bauch legte.
Zunächst wäre ich vor Scham am liebsten im Boden versunken, aber dann lenkte mich die Berührung ab. Noch niemals hatte jemand auf diese Weise meinen Bauch - oder überhaupt etwas an meinem Körper - berührt.
Sie… erfühlte mich. Fuhr sachte mit den Fingerspitzen über die Oberfläche und übte doch ein wenig Druck aus. Ihre Hand glitt von einer Seite zur anderen und hinauf bis dorthin, wo die Wölbung zurückging und meine Brust ihren Anfang nahm. Und dann weiter an die Stellen, wo ich gerne behauptet hätte, dass ausgeprägte Brustmuskeln das Einzige waren, was für eine gewisse Substanz verantwortlich war.

Sie hielt nicht inne. Ihre Hand erkundete meine freie Schulter und meinen Oberarm, wo sie sich tatsächlich unter das T-Shirt schob und eine ganze Weile dort verbrachte, wo ich seit Jahren eine kleine Tätowierung hatte. Dann zog sie sich zurück und fand meinen Hals, mein Kinn und schließlich mein Gesicht.
Ich hatte eine grobe Ahnung davon, dass sie durch ihre Berührungen einen Eindruck von meinem Aussehen gewinnen wollte. Und ich ließ sie gewähren. Auch wenn mir heiß und… heißer wurde, weil ihre Fingerspitzen sich alles andere als unangenehm anfühlten.
Ihr Kopf hob sich leicht und wandte sich mir ein wenig mehr zu, wodurch ihr Atem wieder an meinen Hals und mein Ohr schlug. Was die Lage nicht gerade verbesserte.

„Ich sehe dich“, hauchte sie. „Und ich mag, was ich sehe.“
Ich bekam eine Gänsehaut am ganzen Körper. Was zugegebenermaßen auch an den weichen Lippen liegen mochte, die sich gegen meinen Hals drückten.
„Ich will schon so lange fühlen, ob es dich wirklich erregt, wenn wir… reden. Und jetzt kann ich es fühlen“, wisperte sie. „Ich bin froh, dass du gekommen bist.“
Ich schluckte und konnte ihr nur aus tiefstem Herzen zustimmen. Und wunderbarerweise musste ich ihr das nicht erst mit Worten sagen, denn sie spürte es.

Die knappen anderthalb Stunden des Films kamen mir gleichzeitig wie Tage und wie Minuten vor.
Hannah löste niemals ihre Rechte von meiner langsam schon schmerzhaften Erektion. Aber ihre Linke erkundete den Rest meines Körpers, soweit sie ihn erreichen konnte.
Bei allen Erfahrungen mit Streicheleinheiten, die man als Jugendlicher macht, kann nichts einen darauf vorbereiten, von einem Menschen berührt zu werden, der mit den Händen sieht. Es ist anders…
Hannah berührte mich überall und kehrte immer wieder zu bestimmten Stellen zurück. Der Übergang zwischen Schulter und Oberarm lockte sie ebenso, wie die Linie meines Kiefers. Ihre Erkundungen waren wie ein zweistündiges Vorspiel, auch wenn sie eigentlich einem anderen Zweck folgten.

Oder nicht?
Die Art, wie ihre Lippen an meinem Hals lagen und sie mich immer wieder dort küsste, waren eigentlich bereits ziemlich vielsagend. Auch wenn sie es anfangs einmal mit dem Hinweis darauf gerechtfertigt hatte, dass sie mein Aftershave mochte.
Und ihre Hand auf meinem Glied war schließlich auch nicht gerade eine unschuldige Berührung, auch wenn sie wirklich nur dort lag und sich kaum bewegte.

„Betrachtest du mich oder versuchst du mich in den Wahnsinn zu treiben?“, musste ich irgendwann fragen.
„Ja“, hauchte sie und beließ es für eine ganze Weile dabei. Es war die erste, ganz reale Vorlonenantwort - ein Begriff aus einer Fernsehserie, die ich seinerzeit sehr mochte - die ich je erhalten hatte.
„Ich konnte noch nie…“, gestand sie schließlich ein. „Ich habe noch nie jemanden so lange und ausgiebig erfühlen dürfen. Es tut mir leid…“
„Muss es nicht. Ich platze zwar fast vor Erregung, aber ich genieße es auch.“
Vielleicht hätte ich es nicht so stumpf eingestehen müssen, aber wir hatten schließlich bereits gemeinsame, erotische Erfahrungen gemacht. Wenn auch nur aus der Distanz.

„Aber was meinst du damit, dass du noch nie…?“, fragte ich dann. „Du bist doch keine…?“
„Jungfrau mehr?“, ergänzte sie. „Nein. Aber die meisten Leute finden es unerträglich, so lange angefasst zu werden.“
Das leuchtete mir gleichzeitig ein und war mir andererseits völlig unverständlich. Sicherlich hätte ich am liebsten meinen Schwanz ausgepackt und mir Erleichterung verschafft. Oder verschaffen lassen…
Aber auf der anderen Seite war die Intensität und Intimität der Berührungen so berauschend. So viel mehr als das, was ich bisher erlebt hatte.
„Ich finde es nicht unerträglich“, erklärte ich schließlich. „Nur mein kleiner Freund leidet ein wenig.“

„Ich werde es ihm später erklären und es wieder gutmachen“, versprach sie und mir wurde noch heißer.
„Also… Wenn du das willst und… wenn du…“
„Ich will das ganz bestimmt“, versicherte ich schnell.
„Du weißt noch nicht alles über mich“, gestand sie daraufhin reumütig ein. „Der Grund für meine Beinahe-Blindheit hat… Spuren hinterlassen. Narben…“
„Das stört mich nicht“, versetzte ich.
Aber wir wussten beide, dass ich es zu schnell gesagt hatte. Zu automatisch.

Sie zog sich spürbar ein wenig zurück und mir ging auf, dass es noch schwerer war, jemanden anzulügen, der so genau auf alle Signale achtete, die er wahrnehmen konnte.
„Das habe ich schon einige Male gehört“, sagte sie traurig. „Und am Ende störte es doch.“
Es war vielleicht nicht so, dass dies der einzige Grund für ihre Verschlossenheit war. Aber es war auf jeden Fall ein wichtiges Teil des Puzzles namens Hannah. Unwillkürlich schämte ich mich für meine Unaufrichtigkeit. Bisher waren wir immer völlig ehrlich zueinander gewesen.
„Vielleicht hast du recht“, räumte ich ein. „Aber ich mache dir einen Vorschlag: Wir versuchen es und sehen, was passiert. Und wir probieren es zuerst auf deine Weise.“
„Meine Weise?“
„Ohne die Augen“, erklärte ich. „Nur mit dem Tastsinn.“

„Das würdest du tun?“, staunte sie.
Im ersten Moment war mir gar nicht klar, was daran so erstaunlich sein sollte. Aber dann leuchtete mir ein, dass sie sich vor Reaktionen fürchtete, deren Ursache sie nicht erkennen konnte. Vor unwillkürlichen Reaktionen auf etwas, das andere Leute sahen.
Wenn ich irgendeinen Makel an ihrem Körper ertastete, dann würde sie in diesem Moment wissen, dass meine Aufmerksamkeit sich darauf konzentrierte. Sie hätte die Möglichkeit, sich auf eine ablehnende Reaktion vorzubereiten. Es würde sie nicht aus heiterem Himmel treffen.
„Ja“, erwiderte ich also. „Sogar gerne, denn ich fange erst jetzt an zu verstehen, wie viel Berührungen bewirken können, wenn sie nicht nur flüchtig und beiläufig sind.“

Hannah entspannte sich daraufhin wieder und kehrte zu ihrer unterbrochenen Betrachtung zurück. Und ich verspürte zugegebenermaßen eine zunehmende Ungeduld und war froh zu entdecken, dass auf der Kinoleinwand ein Gemetzel begonnen hatte, das auf den großen Showdown des Films hinwies.
Trotzdem hatten wir es nicht eilig, als schließlich die Lichter angingen und die Leute aus dem Saal strömten. Zu warten bedeutete, dem Gedränge zu entgehen. Und das war mir nur recht und für Hannah war es ziemlich sicher eine große Erleichterung.
Und außerdem erlaubte es mir auch noch, eine Bemerkung von dem älteren Paar neben uns aufzuschnappen, die ich nie wieder vergessen würde.

„Ich beneide den Jungen“, erklärte der Mann seiner Partnerin beiläufig und war sich offenbar nicht bewusst, wie gut ich ihn verstehen konnte.
Du beneidest ihn?“, stichelte die Frau. „Wenn du irgendwann herausfindest, wieso ich ihn beneide, würde ich wohl doch meinen Mann für dich verlassen.“
Damit ließ sie ihn - und mich - ziemlich nachdenklich zurück. Ich weiß nicht, ob er jemals verstand, was sie ihm hatte sagen wollen, aber ich glaube, dass ich es verstand.
Oder zumindest verstand ich etwas, das mir im Laufe der Jahre gute Dienste leistete. Etwas über den Unterschied zwischen dem Maß an Aufmerksamkeit und Berührungen, die sich Frauen wünschten und die ihnen von Männern zuteilwurden. Und vielleicht auch etwas über Prioritäten, wenn man eine Frau ins Kino einlud…

Als Hannah und ich schließlich aufbrachen, taten wir das wie ein Liebespaar. Engumschlungen verließen wir den Saal und das Kino und sie vertraute sich völlig meiner Führung an.
Ich habe in meinem Leben selten Gelegenheit gehabt, mich so unglaublich… männlich zu fühlen, wie mit ihr in meinem Arm. Sie war zwar nicht unbedingt auf Hilfe angewiesen und konnte sich zurechtfinden, aber trotzdem befand sie sich nicht nur an meiner Seite, sondern gewissermaßen in meiner Hand. Ohne ihren Stock war sie orientierungslos und deswegen vertraute sie sich mir völlig an.
Das war ein berauschendes Gefühl, auch wenn es in gewisser Weise die Perspektive zurechtrückte, dass ich mir bewusst machen musste, welche Verantwortung ich damit trug.
Ich konnte schließlich nicht einfach losstürmen. Ich musste auf Hindernisse achten, über die ich beinahe automatisch hinweg stieg. Und ich musste ihr dabei helfen, sie zu bewältigen oder ihnen auszuweichen.

Draußen angekommen brachte ich ein wenig unsicher das drängende Thema zur Sprache, wohin wir uns wenden sollten: „Ich… Ich wollte mir ein Hotelzimmer nehmen.“
„Das musst du nicht“, erklärte sie. „Ich habe eine Wohnung.“
„Aber ich dachte, du wohnst noch Zuhause.“
„Ich habe gelogen“, gestand sie offen. „Ich wollte dich davon abhalten, mich besuchen zu kommen. Aber ich bin froh, dass du es dennoch getan hast.“
Ja. Wir waren offenbar doch nicht völlig aufrichtig zueinander gewesen, aber ich konnte ihr keinen Vorwurf daraus machen.

Ihre Wohnung war nur eine kurze Fahrt mit der Straßenbahn entfernt. Und der Weg entging mir irgendwie, weil ich mit den Gedanken ganz woanders war.
Rückblickend betrachtet war ich bereits bis über beide Ohren verknallt. Aber damals befand ich mich einfach nur in einem rundum zufriedenstellenden Lala-Land und dachte nicht weiter darüber nach.

In der gut gefüllten Straßenbahn fanden wir einen Stehplatz, den wir gemeinsam einnehmen konnten. Dort wandte sie sich mir zu und schmiegte sich in meine Arme. Ich hätte es dabei belassen und einfach nur genossen, diesen kleinen, zerbrechlichen Körper zu beschützen und zu halten. Aber Hannah hatte offenbar ihre eigenen Ideen.
Mit ihrer Hand in meinem Nacken zog sie meinen Kopf zu sich hinab und forderte unseren ersten Kuss sehr energisch ein.
Nicht, dass ich mich gewehrt hätte. Ich war nur überrascht.

Die erste Berührung unserer Lippen war so sanft und tastend, wie ihre Hände auf meiner Haut. Aber dabei blieb es nicht lange.
Ich habe Hannah als schüchtern und zurückhaltend beschrieben, aber aus unseren Gesprächen wusste ich, dass sie ihre Leidenschaften tief in sich begrub. Sie war eigentlich eher verschlossen und offenbar aus Erfahrung abweisend. Aber mir gegenüber ließ sie diese Maske nun völlig fallen.
Mit der Verzweiflung einer Verdurstenden presste sie sich an mich und schluchzte sogar beinahe, als sich unsere Münder öffneten und unsere Zungen zueinanderfanden.
Die Intensität unseres Kusses raubte mir Atem und Gleichgewichtssinn. Und auch jedes Zeitgefühl. Realistisch betrachtet muss die Fahrt einige Minuten gedauert haben. Subjektiv empfunden war sie nach viel zu wenigen Sekunden vorbei und wir mussten uns voneinander lösen, um die Bahn zu verlassen.

Was darauf folgte, glich ein wenig einer betrunkenen Achterbahnfahrt. Oder mit anderen Worten: Ich habe keine Ahnung, wie wir zu ihrer Wohnung gelangten, obwohl sie mich bei der Navigation unterstützt haben muss. Ich weiß nur noch, dass sie mehrmals ansetzen musste, um die Tür zu öffnen, weil ihre Hände so sehr zitterten. Und dass mir die Einrichtung sehr karg vorkam, weil es kaum dekorative Elemente gab.
Aber das war ohne Bedeutung, denn meine Aufmerksamkeit galt der Frau, die bebend vor mir stand und wartete.

Zufällig erblickte ich einen Schal an ihrer Garderobe. Ein leichtes, dünnes Ding aus seidigem Stoff. Aber schwarz und sicherlich ausreichend. Ich griff danach und verband mir selbst die Augen, bevor ich vorsichtig die Hände nach ihr ausstreckte. Sie zuckte zusammen, als ich ihre Schulter berührte und ich ließ meine Hand an ihrem Arm hinabgleiten, bis ich ihre Finger erreichte und sie zu meinem Gesicht führen konnte.
„Gleiches Recht für alle“, flüsterte ich rau.
Sie schnappte hörbar nach Luft, bevor ich merkte, wie sie sich von mir fortbewegte.

Hannah ließ meine Hand nicht los, sondern zog mich mit sich. Und orientierungslos, wie ich war, brachte mich das in Konflikt mit einer Kommode und einem Türrahmen. Dingen, denen sie instinktiv auszuweichen schien. Aber schwerwiegende Schäden blieben mir erspart und ich hatte anderes im Kopf. Also schenkte ich den Kollisionen keine weitere Beachtung.
Irgendwo, wo ein leichter, fast verflogener Geruch von Räucherstäbchen in der Luft lag, endete die eilige Vorwärtsbewegung. Nun konnte ich ihren schweren Atem wahrnehmen.
Von der Seite nach hinten gedrängt zu werden, traf mich überraschend. Und als meine Kniekehlen auf ein Hindernis stießen, japste ich erschrocken, während ich rückwärts kippte. Der gefühlt ewig andauernde Fall endete allerdings nicht auf dem Boden, sondern auf einer Matratze, die sich auf dem Bett befinden musste, das mich zum Stolpern gebracht hatte.

„Ich fange an zu verstehen, wieso du dich manchmal hilflos fühlst“, räumte ich ein.
„Im Moment fühle ich mich nur hilflos gegenüber der Anziehung, die von dir ausgeht“, hörte ich ihre Stimme von irgendwo vorne und etwas weiter oben.
„Dann gib ihr einfach nach“, schlug ich lächelnd vor.
„Erst will ich dich ausziehen und all das betrachten, was ich noch nicht gesehen habe.“
„Und wann darf ich dich… betrachten?“, fragte ich. Erst hatte ich ‚befühlen‘ sagen wollen, aber das war dann doch eine blöde Wortwahl und schließlich schien auch Hannah keine Probleme damit zu haben, die üblichen Worte zu verwenden, auch wenn sie nicht wirklich ‚betrachten‘ konnte.

„Ich…“, setzte sie unsicher an, aber ich hakte schnell ein.
„Du musst dich nicht unsicher fühlen. Ich schäme mich auch für meinen Bauch oder dafür, dass ich mehr Brust habe als eine meiner Ex-Freundinnen. Niemand ist perfekt.“
Sie zögerte noch kurz, schlug aber dann vor: „Gleichzeitig?“
„Einverstanden.“

Die nächste Minute war erfüllt von den Geräuschen, die entstehen, wenn zwei Menschen sich in Windeseile ausziehen. Seltsamerweise verspürte ich keine Unsicherheit, wie es sonst immer der Fall war, wenn ich mich zum ersten Mal vor einer Frau entkleidete. Natürlich wäre die offensichtliche Erklärung dafür gewesen, dass sie mich ja nicht sehen konnte. Aber in Wahrheit fühlte es sich eher so an, als hätte sie mich bereits in Gänze gesehen.
Sie hatte schließlich alle Gründe für Unsicherheiten und Minderwertigkeitskomplexe bereits mit ihren Händen erkundet. Bauch, Brust und natürlich den Bereich zwischen meinen Schenkeln, der nach meinem Empfinden durchaus ein wenig vom Volumen der anderen Problemzonen hätte abbekommen dürfen.
Sie hatte all das bereits kennengelernt… und wollte mich trotzdem.

Shirt, Hose, Unterhose, Schuhe und natürlich die Socken fielen einfach achtlos zu Boden, bevor ich mich angespannt aufsetzte und wartete. Doch wie auch immer sie das angestellt hatte - Hannah war bereits fertig.
Es gab einen Moment der atemlosen Stille, bevor ich sie spürte. Einen Sekundenbruchteil vor der eigentlichen Berührung. Sie trat von vorne ans Bett und unsere Knie stellten den ersten Kontakt her.
Was darauf folgte, war in meinen Augen ein beeindruckendes Beispiel für völlig nonverbale Kommunikation. Während ihre Knie sich etwas nach außen beugten, nahm ich die Beine ein wenig zusammen. Dann fühlte ich die seidige Berührung ihrer Oberschenkel, die über meine Beine glitten, als sie näher trat. Und schließlich sank sie langsam auf meinen Schoß.
Ihre Knie fanden ihre Plätze auf dem Bett neben meinen Hüften und ihr Schoß näherte sich meiner eigenen Mitte, während ihre Hände sich auf meine Schultern legten und daran entlang zu meinem Nacken fuhren.

Ohne mein bewusstes Zutun legte ich die Arme um sie und berührte zum ersten Mal die nackte Haut ihres Oberkörpers. Und obwohl ich den Kontakt zu ihrer Haut natürlich erwartet hatte, seufzte ich leise, als es tatsächlich passierte.
So deutlich wie niemals zuvor fühlte ich die glatte Wärme von Haut unter meinen Fingerspitzen. Ich ertastete ihre Schulterblätter und die Wirbel ihrer Wirbelsäule und folgte ihnen bis hinauf zu ihrem Nacken und gleichzeitig bis hinab zu ihrem Po. Dann berührten sich unsere Vorderseiten und wir hielten beide den Atem an.

Die weite Kleidung, die sie getragen hatte, war wenig aufschlussreich gewesen, was die Dimensionen ihrer Brüste anging. Und auch jetzt konnte ich diesbezüglich keine genauen Beobachtungen machen. Aber das war auch gar nicht notwendig.
Ich spürte, wie hart und fest ihre Brustwarzen waren, bevor sie sich unweit meiner eigenen in meine Haut bohrten. Und ich spürte, wie sich die glatte Weichheit ihrer Brust gegen die drahtigen Haare meiner eigenen presste. Ich fühlte die Hitze ihrer Haut und den Schauder, der über sie lief, als meine Haare sie kitzelten. Einen wohligen Schauder.
Ich nahm wahr, wie kurzgestutzte Haare meine Erektion streiften, bevor sich feuchte Hitze an meine Peniswurzel presste. Und mir entging auch nicht, wie ihre Beinmuskeln sich in diesem Moment kurz anspannten.
Ihre Hände vergruben sich in meine Haare und dann waren plötzlich ihre Lippen auf meinen und ihre Zunge suchte sich einen Weg in meinen Mund, wo ich sie begeistert in Empfang nahm.

Ohne uns in irgendeiner Form abzusprechen, schob sie ihre Hüfte nach vorne und ich unterstützte sie mit meiner Hand auf ihrem Hintern mit einer leichten Aufwärtsbewegung, bei der ich in aller Deutlichkeit fühlte, wie ihre feuchten Schamlippen an mir hinaufglitten. Und ohne den Kuss zu unterbrechen, erlebten wir beide, wie sich die heiße Nässe über meine Eichel stülpte.
Erst da wurde unser Zungenspiel unterbrochen, weil wir beide unwillkürlich aufstöhnten. Allerdings ohne uns voneinander zu entfernen. Mit ihrer Stirn an meiner und keinem Fingerbreit Platz zwischen unseren Mündern erlebte ich so bewusst wie nie zuvor mit, wie meine Eichel sich in den Körper meiner Partnerin drängte. Wie sie sich langsam Raum schuf und sich glühende Enge darum schloss.
Heftig atmend sank Hannah langsam auf mich hinab und ebenso heftig atmend erlebte ich diese wundersame Reise wie in Zeitlupe. Oder vielleicht war es auch wirklich eine unendlich langsame Bewegung.

„Müssen… vorsichtig sein“, wisperte sie abwesend. „Keine… Pille. Lohnt sich… nicht…“
„Ich auch nicht“, grunzte ich und kämpfte bereits um Beherrschung, denn nach der Behandlung der letzten Stunden war ich mehr als nah dran.
Was ich mit meinen Worten meinte, weiß ich nicht, obwohl sie in diesem Moment in meinem Kopf perfekten Sinn zu ergeben schienen. Vermutlich wollte ich sagen, dass ich auch wenig Sex hatte.

Hannah kicherte über meine Bemerkung und das hatte eine unglaubliche Wirkung auf die Enge um mein Glied. Die Erschütterungen beschleunigten unsere Vereinigung. Und gleichzeitig fühlte es sich an, wie eine pulsierende Massage.
„Oohh“, stöhnte sie, als ich schließlich ganz in sie eingedrungen war.
Und auch ich stöhnte und packte sie unwillkürlich fester. Im Gegensatz zu meinem überbeanspruchten Gehirn registrierte mein Körper nämlich bereits, was passieren würde.
„Hannah!“, japste ich warnend und versuchte mich dazu zu zwingen, sie von mir zu heben. „Ich kann nicht…!“
„Ja!“, wisperte sie. Und dann: „Nein! Wir… Ahh! Scheiße… Egal!“
Hin und hergerissen traf sie für uns beide die Entscheidung, als sie sich schließlich noch fester an mich presste.
„Komm, Basti“, forderte sie dann. „Komm… Ich will es fühlen…“

Vernunft war kein Teil der Gleichung mehr, als sie die Worte fast flehend in meinen Mund hauchte. Und eine Wahl blieb mir auch nicht, denn zufällig oder absichtlich zog sie die Muskeln in ihrem Inneren zusammen und gab mir den Rest.
Es war nicht der übliche Befreiungsschlag, den ein Orgasmus normalerweise darstellte, sondern eher eine quälend langsame Folter. Ich fühlte überdeutlich, wie sich die Hitze meines Ergusses langsam ihren Weg bahnte und doch mit überraschender Kraft aus mir herausströmte.
Und dann spürte ich erneut die Muskelkontraktionen, die mich massierten, als wolle sie auch den letzten Tropfen aus mir herauspressen.

„Oh Gott“, flüsterte sie. „Das fühlt sich so himmlisch an.“
„Aber…“, wollte ich einwenden, obwohl ich nicht wirklich widersprechen konnte. Allerdings kehrte mit abnehmendem Druck ein wenig Vernunft in meinen Kopf zurück.
„Morgen, Bastian“, bat sie. „Sorgen erst morgen. Heute Nacht will ich lieben…“
Dem hatte ich nichts entgegenzusetzen. Wir erinnern uns: Ich war zwanzig, jung und dumm. Also erwiderte ich ihren hungrigen Kuss stattdessen und genoss das Gefühl inniger Verbundenheit.

Mit einem gewissen Erstaunen stellte ich fest, dass die Erlösung für mich nicht das Ende der Fahnenstange war. Ich verlor an Härte, aber ich blieb doch irgendwie halbsteif und vor allem in ihrem Inneren. Wozu sicherlich ihre immer wiederkehrenden Muskelkontraktionen ihren Teil beitrugen.
Hannah ließ keinen Zweifel daran, dass sie genau das genau so auch wollte. Sie hielt mich fest umklammert und kreiste beinahe unmerklich mit der Hüfte. Und ihre Küsse und die Vorstöße ihrer Zunge ließen mir keine Atempause.

Ein klein wenig hilflos und angesichts der Tatsache, dass ich jetzt gerade wenig Aufsehenerregendes mit meiner Männlichkeit anzustellen vermochte, suchte ich mit meinen Händen ihre Brüste.
Später sollte ich lernen, dass der typisch männliche Blitzkrieg in Richtung Brust selten die richtige Taktik auf dem Feldzug zur Befriedigung einer Frau darstellte. Doch diese eine Lektion verdanke ich Hannah in keinster Weise. Abgesehen davon, dass sie bereits offensichtlich erregt war, gab es nämlich bei ihr noch eine weitere Besonderheit.

Als meine Hände von den Seiten aus die beiden Hügel erreichten, konnte ich zum ersten Mal einschätzen, dass sie eine ‚gute Handvoll‘ vorzuweisen hatte. Aber das war nicht die wichtigste Erkenntnis.
Ich bemerkte beinahe sofort, dass sich ihre Haut auf den Seiten und im oberen Bereich ihrer Brüste anders anfühlte. Natürlich erinnerte ich mich an ihre Aussage über Narben, aber ich hatte gewiss keine auf der Brust erwartet, denn die war schließlich weit von den Augen entfernt.
Hannah unterbrach unseren Kuss, als ich mich der bewussten Stelle näherte und spannte sich - im Nachhinein betrachtet - wohl ebenso erwartungsvoll wie besorgt an. Meine Berührungen ließen sie erzittern und scharf einatmen, aber gleichzeitig schien sie entschlossen, auf meine Reaktion zu achten.
Um ehrlich zu sein, war ihre Sorge unbegründet, denn der Unterschied war zwar fühlbar, sorgte aber nur für eine leichte Irritation in meinem Hinterkopf. Was wirklich meine Aufmerksamkeit erregte, war die Stärke ihrer eher unwillkürlichen Reaktionen.

„Tut dir das weh?“, fragte ich sanft, als ich ihr Zittern und ihre Anspannung mit meinen Berührungen in Verbindung brachte.
„Nein“, flüsterte sie mit bebender Stimme.
„Greife ich zu fest?“, versuchte ich es erneut einzuordnen.
„Nein. Genau richtig…“
„Ich will dir nicht wehtun“, startete ich einen dritten Anlauf.
„Tust du nicht“, erwiderte sie weiterhin angespannt. „Im Gegenteil…“
„Aber…“
„Du musst sie nicht berühren, wenn es dir unangenehm ist, Bastian“, erklärte sie dann endlich mit einem Anflug von Bitterkeit in der Stimme. „Es ist schön, aber ich kann auch ohne…“

Da endlich fiel bei mir der Groschen. Was auch immer genau mit ihren Brüsten geschehen war, schreckte offenbar manche Männer ab, wenn sie es sahen. Und sie erwartete bei mir nun die gleiche Reaktion.
Aber ich konnte weder etwas sehen, noch fühlte es sich in irgendeiner Form abstoßend an. Es war eher im Gegenteil so, dass ich die Stärke ihrer körperlichen Reaktion sehr anziehend fand. Was ja auch ziemlich naheliegend war, wenn man bedachte, wie viele Frauen das enthusiastische Interesse der Männerwelt an ihren Brüsten eher über sich ergehen ließen.
Ich brachte sie aus dem Konzept, als ich ihren Oberkörper ein wenig zurückdrückte. Und ich entlockte ihr ein helles Japsen, als ich meinen Mund über einer der vorwitzigen, kleinen Nippel schloss, während ich mit den Händen weiter über die offenbar empfindliche Haut streifte.
Wie ehrlich ihre diesbezügliche Begeisterung wirklich war, zeigte mir aber in erster Linie das Zucken in ihrem Unterleib.

Sanftes Lecken oder Streicheln brachte Hannah dazu, sich an meinem Kopf festzuhalten. Leichtes Saugen in Kombination mit dem Spiel meiner Hände ließ sie sofort heftiger atmen, während die Zuckungen in ihrem Körper zunahmen. Und festes Saugen oder vorsichtiges Zupfen mit den Zähnen an der harten Knospe ließen sie zischend ein- und ausatmen. Letzteres war offensichtlich beinahe zu viel, aber in Maßen eingesetzt schien es ihre Erregung noch zu steigern.
Mit der ehrlichen Begeisterung eines Alkoholikers, der eine unerschöpfliche Bierquelle entdeckt hat, konzentrierte ich mich ganz auf die Frau in meinen Armen. So eindeutig lustvolle Reaktionen durch etwas so Einfaches und Geradliniges hervorzurufen, war unglaublich erregend. Und es machte immensen Spaß.

Ohne nennenswerten Widerstand ließ sich Hannah von mir aufs Bett auf ihren Rücken legen. Nur als ich mich dabei aus ihr zurückzog, wurde ihr wimmerndes Keuchen von einem enttäuschten Knurren unterbrochen, dass ich allerdings ignorierte.
Als ich dann meine Hand zwischen ihre Beine legte und mich auf die Suche nach weiteren erogenen Zonen machte, verdreifachte sich ihre Begeisterung zu meiner maßlosen Freude noch einmal. Zuerst überraschte mich ihr leiser Schrei. Aber als er sich immer genau dann wiederholte, wenn ich einen bestimmten Punkt streifte, fasste ich Selbstvertrauen. Ich hatte da etwas entdeckt.
Jaja… Ich war zwanzig, jung und dumm. Und es war zwar nicht so, als hätte ich noch nie vom Kitzler gehört, aber er hatte damals für mich einen ähnlich mystischen Ruf, wie später der G-Punkt. Manche Dinge musste man eben sehen, um sie zu verstehen.

Oder fühlen, wie ich hinsichtlich meiner verbundenen Augen ergänzen muss, denn sehen konnte ich Hannahs Reaktion nicht. Aber das machte sie nicht weniger deutlich ‚sichtbar‘.
Ich fühlte genau, wie sie versuchte, mir gleichzeitig ihren Oberkörper und ihren Unterleib immer wieder entgegen zu recken und dann wieder zu entziehen, wenn die Gefühle zu intensiv wurden. Und auch ohne es zu sehen, wusste ich, dass sich ihre Hände mittlerweile hilflos ins Bettlaken krallten und sie ihren Kopf hin und her warf.
Ich fühlte das Zucken in ihren Unterleib, wenn ich die kleine, harte Perle streifte, die ich schließlich lokalisiert hatte. Und ich fühlte ihre Hilflosigkeit gegenüber dem kombinierten Angriff auf die empfindlichsten Stellen ihres Körpers.
Ich hörte ihr Stöhnen, Seufzen und Wimmern. Immer wieder unterbrochen von erschrockenem Keuchen, atemloser, angespannter Stille und heftigen Atemzügen. Und beinahe glaubte ich ihren Herzschlag zu hören, wie er trommelnd versuchte, ihre Brust zu sprengen. Aber das mag auch durchaus Einbildung gewesen sein, denn immerhin spürte ich ihren Puls ja auch deutlich an meinem Gesicht und an meiner Hand in ihrem Schoß.

Ich weiß nicht, wie lange ich sie auf diese Weise immer weiter trieb. Und es spielte auch keine Rolle, denn ich genoss meine Beschäftigung in vollen Zügen.
Ich war längst wieder vollkommen steif, aber der Gedanke an meine eigene Lust hatte für den Augenblick keinerlei Bedeutung. Nur sie war jetzt wichtig.
Schweiß trat aus ihren Poren und versüßte mir mit seinem salzigen Geschmack das, was ich abwechselnd ihren bebenden Brüsten antat. Bis sie sich schließlich so sehr anspannte, dass ihr Körper nur noch mit Schultern und Füßen das Bett berührte und sich mir vollkommen öffnete und entgegen presste.
Sie verstummte völlig und für einen Sekundenbruchteil war ich etwas hilflos, aber dann versenkte ich einfach zwei meiner Finger in ihrer Spalte und drückte gleichzeitig den Daumen auf ihre Perle, während ich sie sachte in die Brustwarze biss. Und offenbar war es das Richtige. Irgendwie…

Hannah schrie auf und zuckte mehrmals, bevor sie zurück aufs Bett fiel. Einem tiefen Atemzug folgten japsende Töne, die sich beinahe wie Schluckauf anhörten. Noch einmal zuckte ihr Körper und dann fiel sie auf die Seite, zog die Beine an und rollte sich zusammen.
Ich wollte ihr meine Hand in ihrem Schoß entziehen, aber sie hielt mich schwach davon ab und versuchte stattdessen, mich zu sich heranzuziehen. Also legte ich mich hinter sie und nahm sie in den Arm.
Erst da fiel mir auf, dass sie tatsächlich leise schluchzte.
„Alles in Ordnung?“, fragte ich ein wenig hilflos.
„Besser…“, brachte sie heraus. „Halt mich, bitte.“
Ich tat es natürlich und versuchte, meine Sorge zu verdrängen. Und tatsächlich beruhigte sie sich schnell wieder.

Es vergingen einige Minuten, in denen sich auch ihre Atmung und ihr Herzschlag wieder verlangsamten. Fast dachte ich, sie sei eingeschlafen, als sie plötzlich sachte mit dem Hintern wackelte.
„Ist das wegen mir?“, murmelte sie.
Ich wusste erst gar nicht, was sie meinte. Dann wurde mir bewusst, dass sich mein Ständer klammheimlich zwischen ihre Pobacken gedrängt hatte und sich dort offenbar sehr wohl fühlte.
„Ja“, bestätigte ich.
„Meinst du, du kannst noch einmal?“, wollte sie wissen.
„Ziemlich sicher.“
„Willst du mich dabei… ansehen?“

Das ließ mir den Atem stocken. Ich hatte mittlerweile eine ungefähre Ahnung davon, wie schwer es sie belastete, was auch immer ihrem Körper zugestoßen war. Und wie viele schlechte Erfahrungen sie mit den Reaktionen anderer Männer drauf gemacht hatte.
Stimmte ich ihrem Vorschlag zu, würde sie das in eine so verletzliche Lage bringen, dass alles daran zerbrechen mochte, was sich zwischen uns gerade entwickelte. Aber wenn ich ablehnte, dann verlieh ich damit letztlich auch nur der Angst Ausdruck, ihr Anblick könnte auch mich abschrecken.
Einer Angst, die ich zugegebenermaßen gerade verspürte.

„Du musst nicht…“, brachte sie hervor, als sie mein Zögern bemerkte.
„Doch“, erwiderte ich. „So sehr ich gerne sagen wollen würde, dass ich bereits alles von dir gesehen habe, was ich brauche, um mich in dich zu verlieben…“
„Sag das nicht, Bastian“, bat sie. „Mach mir keine Versprechungen, bitte.“
Ich schwieg.
„Lass es uns morgen im Licht tun und dann sehen wir, wohin es führt. Aber heute Nacht noch nicht, okay?“
Ich verstand, weswegen sie ihre Meinung geändert hatte. Und ich muss zugeben, dass ich mich selbst ein wenig dafür hasste, dass sie recht hatte. Aber der Schatten des Zweifels war da.
Ich küsste ihren Nacken und sagte: „Heute Nacht tun wir es auf deine Weise. Lass mich dich ansehen, wie du mich ansiehst.“

Ich spürte, wie gerührt sie von meinem Vorschlag war. Es schien die kleine Mauer wieder einzureißen, die sich zwischen uns erhoben hatte.
Sie öffnete ihre Schenkel und gab meine Hand frei, bevor sie sich auf dem Bett drehte, das wir im Moment eher quer belegten. Während ich mich aufrichtete, legte sie sich auf den Rücken. Bereit, mich zu empfangen.
Ich folgte mit den Händen dem Schwung ihrer Beine und kroch zwischen ihre Schenkel. Langsam tastete ich mich weiter nach oben, bis ich ihr Gesicht erreicht hatte.
„Ich hatte es noch nicht oft in dieser Stellung“, gestand sie. „Meistens ist es… besser, wenn ich… mich abwende.“
Ihre Worte taten mir in der Seele weh und ich hasste die Männer, die ihr das angetan hatten. Es war so entwürdigend, wie sie behandelt worden war. So oberflächlich, wenn man bedachte, was für ein wertvoller und innerlich schöner Mensch hier vor mir lag.
Ach… Ich war zwanzig, jung und dumm.

„Komm in mich“, lockte sie und ich hörte ihr Lächeln. „Du hast mir einen wundervollen Höhepunkt geschenkt und ich will dir jetzt auch einen schenken. Und noch einmal spüren, wie du in mir kommst.“
Sie zog die Beine an, bis sie beinahe mit den Knien ihre Brüste berührte und auch wenn ich mich seltsam fühlte, konnte ich der Einladung nicht widerstehen. Meine Erregung hatte ein wenig abgenommen, aber Hannah schuf diesbezüglich Abhilfe, indem sie mich weiter reizte.
„Ich hatte noch nicht viele Männer, aber keiner hat sich so groß angefühlt wie du. Ich hätte es vorhin gerne noch weiter ausgekostet. Aber du hast mich ja lieber in den siebten Himmel befördert, also schuldest du mir jetzt etwas.“
Was sollte man dieser Argumentation entgegensetzen?

„Aber Bastian…“, fügte sie hinzu. „Wehe, du denkst auch nur eine einzige Sekunde an mich. Ich will, dass du dich an mir befriedigst. Dass du mich benutzt. Ich will von dir so richtig… gefickt werden.“
Während sie sprach, ergriffen ihre Hände meine Erektion und führten mich an ihren Eingang, wo ich keine Schwierigkeiten hatte, in sie einzudringen. Sie war feucht. Nicht zuletzt dank mir. Aber da war auch so einiges ihrer eigenen Lust. Und trotz allem war sie noch immer eng.
„Ohja…“, seufzte sie zufrieden, als ich langsam in sie eindrang. „Du bist wirklich der Größte.“
Welcher Mann hört das nicht gerne?

Ihre Hände hoben sich an mein Gesicht.
„So kann ich sehen, ob es dir gefällt“, kommentierte sie kokett. „Aber ich will es auch hören...“
Diese Aufforderung war zwar neu für mich, aber ich hatte mich bereits in ihre Hände begeben und zuckte im Geiste nur mit den Schultern. Warum nicht? Wenn sie es so wollte…
Mit meinen eigenen Händen ergriff ich ihre Beine und fing an, meine Hüfte zurückzubewegen.
„Stoß zu“, hauchte sie. „Spieß mich auf!“
Und ich tat es, was sie mit einem erfreuten Stöhnen quittierte.
Davon angestachelt hielt ich mich nicht zurück, sondern folgte ihren blumigen, aufreizenden Forderungen, die gehörig dazu beitrugen, dass ich schnell in Fahrt kam.

Hannah hatte einen tollen Körper und wir harmonierten ohne viel Abstimmung miteinander. Deswegen musste ich mich kaum auf etwas konzentrieren. Und sie ließ keinen Zweifel daran, dass sie auch keine Beherrschung oder Zurückhaltung wollte. Sie wollte fühlen, wie ich sie fickte, und hören und spüren, wie sehr ich das genoss. Und das tat ich.
Ich versenkte meinen Schwanz ganz tief in ihr und genoss ihr Stöhnen ebenso wie das wundervolle Gefühl, völlig hemmungslos eine so tolle Frau bumsen zu dürfen. Es dauerte nicht sehr lange, bis ich mich meinem Höhepunkt näherte. Und wie sie es forderte, machte ich kein Geheimnis aus meinem Zustand.
„Ja!“, japste sie, selbst bereits wieder ein wenig außer Atem. „Komm für mich! Komm noch einmal in mich hinein. Spritz mich voll. Mach mir ein…“

Es war einer dieser Momente, in denen die Zeit stillzustehen scheint. Sie brachte den Satz nicht zu Ende, aber das war auch nicht nötig. Und mein Höhepunkt war auch nicht mehr aufzuhalten, egal was sie sagte. Aber dennoch erschütterten mich ihre Worte.
Und gleichzeitig erregten sie mich maßlos.
Ich stürzte mich in den Moment und beugte mich vor, um sie stürmisch zu küssen. Und sie erwiderte den Kuss noch einmal so hungrig, wie unseren Ersten. Der Orgasmus packte mich mit ziemlicher Gewalt und ich hämmerte in sie hinein, bis sie nach Luft ringend das Spiel unserer Zungen unterbrach und stöhnend den Kopf nach hinten warf.
„Oh Gott, mir kommt‘s!“, schrie sie.
Und dann biss sie mich fest in die Schulter, während ich mich noch einmal in ihr Innerstes ergoss. Und ihr womöglich…

Wir sprachen danach nicht darüber. Wir klammerten uns nur verzweifelt aneinander. Wir sprachen auch nicht darüber, dass sie leise weinte, während sie in meinen Armen lag, als wäre sie für diese Haltung geschaffen worden. Oder darüber, wie es mit uns weitergehen sollte. Wir sprachen gar nicht, bis wir irgendwann engumschlungen einschliefen.

Es überraschte mich nicht, am nächsten Morgen allein aufzuwachen. Und auch nicht, dass ich eine Nachricht von ihr auf der Mailbox meines Handys hatte.
Es wunderte mich allerdings auch nicht, dass ich die Tränen nicht zurückhalten konnte, als ich sie abhörte.

„Guten Morgen, Bastian“, hörte ich sie traurig sagen und ich wusste, dass sie ebenfalls weinte. „Fühl dich wie Zuhause, aber geh bitte, wenn du fertig bist. Ich kann die Vorstellung nicht ertragen, dass du… mich ansiehst und… es nicht erträgst. Dass du fortläufst wie die anderen. Oder schlimmer noch: Dass du bleibst, weil du glaubst, du würdest mir etwas schulden.
Geh bitte und lass mir die Erinnerung an ein perfektes Date. An ein perfektes Blind Date. Ich werde sie mit ins Grab nehmen.
Geh bitte und ruf mich auch nicht mehr an. Ich werde nicht drangehen. Und bleib bitte nicht und warte auf mich. Ich schicke jemanden, der nachschaut, ob du gegangen bist.“
Sie schwieg eine Weile und ich hörte sie mehrmals schlucken und leise schniefen.
„Ich wünschte, es wäre anders“, fuhr sie schließlich stockend fort. „Ich wünschte, es könnte wahr sein, dass es keine Rolle für die Sehenden spielt, was sie sehen. Aber wir wissen beide, dass es nicht so ist.
Also lass mir die wunderbare Erinnerung. Unverdorben von einer zweiten Begegnung, bei der all das Gute sich in Schlechtes verwandeln würde.
Leb wohl…“

Damit endete die Nachricht und ich blieb allein zurück in einem Raum, der plötzlich voller bittersüßer Erinnerungen war.
Was sollte ich tun? Sollte ich sie zwingen, sich mir zu stellen? Konnte ich das überhaupt?
Wollte ich das überhaupt?
Zweifelte ich nicht selbst daran, ob ich ertragen konnte, was immer sie zu verbergen hatte?

Ich hatte mittlerweile oft genug erlebt, wie Gefühle zerbrachen, die sich über die Gespräche am Telefon entwickelten, wenn sie plötzlich der Wirklichkeit einer realen Begegnung ausgesetzt wurden.
War es hier nicht das Gleiche? Hatten wir nicht durch die Maskerade am Vorabend das Unvermeidliche nur hinausgezögert?

Ich tat, was ich glaubte tun zu müssen.
Ich ging.
Was soll ich sagen?
Ich war zwanzig, jung und dumm…

96% (42/2)
 
Categories: Hardcore
Posted by Ko-jo-te
2 years ago    Views: 2,216
Comments (15)
Reply for:
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16 days ago
Das ist - glaube ich - eine Deiner besten Stories. Denn Du schaffst es, die Erregung überspringen zu lassen und gleichzeitig die Melancholie des Plotts mit einem Lächeln rüberzubringen. Und was für ein Timing! Grandios!
1 year ago
mir fehlen die Worte...
dolliileiin
retired
1 year ago
sehr gut gschrieben =)
2 years ago
ergreifend...schade,dass die Geschichte eigentlich kein Happy End haben darf. Deine Stories haben alle irgendwie einen besonderen Touch und ein gewisses Niveau :-)
2 years ago
@ HHboy
Danke. Und: stimmt. Eine Fortsetzung ist nicht geplant. Manche Dinge sollten in sich abgeschlossen sein.

@ Charly
Danke. Das ist ein sehr krasses Lob. ;-)

@ bazi
Sorry. Sonst bin ich der große Fortsetzungsfan, aber hier...

@ Needlove
Danke sehr! Emotionale - oder seelisch - zu berühren ist irgendwo immer der Wunschtraum. Selbst wenn man 'nur' Erotikliteratur schreibt.
Naja... Oder vielleicht auch gerade dann? Schließlich triffst du es auf den Punkt: Sex und Zärtlichkeit können die Seele ebenso berühren, wie manche rein intellektuelle Reize.
2 years ago
Das diese Story den größten wahren Kern trägt glaube ich dir. Aber mir gefällt deine Art wie du schreibst. Liebe und Lust, Sex und Zärtlichkeit berühren eben nicht nur den Körper, sondern auch die Seele
2 years ago
super geschrieben!
2 years ago
Klasse!
2 years ago
Hey da will ich aber ne Fortsetzung mit Happyend...!!
2 years ago
Ich bin beeindruckt. Einfach wunderbar.
2 years ago
Eine der wenigen Geschichten, die ich mit großer Freude bis zum Schluß gelesen habe. Vielen Dank! Es macht echt Spass, deine Sachen zu lesen.
2 years ago
Deine Geschichte geht wahrhaft tief unter die haut, eine Fortsetzung währe wünschenswert, aber das scheint unmöglich.
2 years ago
@ KatKa
Von allen meinen Geschichten ist hier der wahre Kern am größten. Aber ich habe auch Dinge verändert.
Nur die Bitterkeit habe ich - glaube ich- ziemlich gut übertragen können. ;-)
2 years ago
gut geschrieben
2 years ago
Wow... eine, wenn nicht DIE perfekte Story. Wenn auch eher rührend, als erregend. Aber grandios geschrieben. Ist sie wahr?