Haus Salem 31

Aus dem Netz, für das Netz.
Autor mir nicht bekannt.

Haus Salem 31

In der Schule wurden wir von den Nonnen in Zweiergruppen zu verschiedenen Arbeiten eingeteilt. Hannah und ich mussten den Dachboden fegen und bohnern. Auf dem Dachboden trockneten wir unsere Wäsche, wenn es draußen nicht ging. Er war wie die Klassenzimmer mit Parkett ausgelegt und riesig. Hannah und ich fegten den Staub beiseite, dann machten wir uns ans Bohnern. Wir brachten reichlich Bohnerwachs auf dem Boden aus und begannen es mit den Blockern ins Parkett einzuwienern. Wenn man auf eine Stelle trat, wo das Bohnerwachs besonders dick aufgebracht war, glitschte es unter den nackten Füßen und man konnte ausrutschen. Das gab ein leise quietschendes Geräusch, über das wir kichern mussten. Aber wir kamen schnell mit der Arbeit voran, schwangen die Bohner hin und her, und schließlich sangen wir zusammen Lieder.
Das hätten wir vielleicht nicht tun sollen. Vielleicht lockte unser fröhlicher Gesang sie an. Vielleicht kamen sie aber auch nur so. Wir waren halt in Haus Salem, da war das normal. Jedenfalls stand plötzlich Schwester Eulalia, die Leiterin der zehnten Klasse vor uns. Katarina Gerber war bei ihr. Anscheinend waren die beiden unterwegs, um die Mädchen bei der Arbeit zu kontrollieren. Hannah und ich waren eigentlich schon fertig. Wir bohnerten nur noch, weil es Spaß machte, die Blocker im Takt zu unserem Gesang zu schwingen.
„Was soll der Firlefanz?“ raunzte Schwester Eulalia. „Konzentriert euch auf eure Arbeit.“
Ich wollte schon antworten, dass die längst getan sei und sie fragen, ob sie was an den Augen hätte, beherrschte mich aber im letzten Moment. Leider sah sie es in meinem Gesicht.
„Was schaust du so frech, Sigrid Schmidt?“ blaffte die Schwester. „Wolltest du eine trotzige Antwort geben? Dir fehlt es wohl an Gehorsam! Und damit steckst du auch noch unseren Neuzugang an. Das werde ich dir austreiben!“ Sie wandte sich an Katarina: „Die Schlange und eine Gerte! Zwei Aufhängeketten!“
„Jawohl Schwester Eulalia“, sagte Katarina und sauste los. Ich hörte das Stampfen ihrer nackten Füße auf dem Holzboden, als sie davonlief. Katarina Gerber war eine, die es liebte, die jüngeren Mädchen genüsslich abzustrafen.
Hannah und ich standen Hand in Hand mitten auf dem Speicher und warteten stumm auf das Kommende. Ich spürte Hannahs Angst und drückte sachte ihre Hand.
Nimm es hin, Hannah, hätte ich ihr gerne gesagt. Was kommt, das kommt sowieso. Du kannst ihm nicht entgehen.
„Entkleidet euch, Mädchen!“ befahl Schwester Eulalia. Wir gehorchten schweigend.
Katarina kam zurück. Sie hatte zwei Aufhängeketten dabei, sowie die Schlange und eine Reitgerte.
Hannah und ich mussten die Hände nach vorne halten. Die Nonne und Katarina schlossen die ledernen Fesselriemen um unsere Handgelenke und verschlossen sie. Mit den daran angebrachten Halteketten hängten sie uns mitten auf dem Dachboden im Abstand von drei Metern an den Deckenbalken auf. Von oben hingen an mehreren Stellen Ketten herab. An zweien wurden Hannah und ich festgemacht. Dabei waren wir so gestreckt, dass wir gerade noch so auf unseren Fußsohlen stehen konnten. Nackt und wehrlos standen wir da, den Launen unserer Peinigerinnen hilflos ausgeliefert.
Die Nonne reichte Katarina die Reitgerte: „Du kümmerst dich um Hannah Gessner. Sei nicht allzu zurückhaltend. Sie muss erfahren, wie es in Haus Salem zugeht.“ Hannahs Augen wurden groß. Eine Minute später wand sie sich schluchzend unter der Gerte. Schwester Eulalia gab mir Zeit, Hannah beim Schreien zuzuhören, bevor sie mit der Peitsche loslegte. Ich stand die ganze Zeit still und gab mich gelassen. Den Triumph, mich vor Furcht anzuspannen, gönnte ich ihr nicht. Die ersten drei Hiebe steckte ich schweigend weg. Doch beim vierten Schlag schrie ich vor Schmerz. Es war einfach nicht stumm zu ertragen. Schwester Eulalia peitschte mich mit brutaler Härte aus. Sie führte die Schlange meisterhaft, ließ die Spitze in meinen Rücken beißen oder halb um meinen Oberkörper herumkommen und auf meinen Bauch und meine Brüste knallen. Ich weiß nicht, wer lauter schrie, Hannah oder ich. Wir wanden uns heulend an unseren Ketten, bäumten uns unter den Schlägen auf, wir zappelten und zuckten. Wir drehten uns an den Halteketten im verzweifelten Versuch, den Schlägen auszuweichen und mussten es doch ertragen.
Schließlich brach mein letzter Widerstand, und ich flehte Schwester Eulalia an, aufzuhören. Ich bettelte und schrie, ich flehte und heulte, unter dem grausamen Biss des Leders. Die grausame Peitsche hatte mich in ein Universum purer Pein geschleudert, aus dem es kein Entrinnen gab. Ich weinte. Ich schrie. Ich flehte. Gott tat das weh! Hatte ich wirklich einmal vorgehabt, bei Auspeitschungen nicht mehr zu betteln? Die Schläge mit der Rute auf dem Schülerausflug waren sanfte Streicheleinheiten gegen das, was ich jetzt ertragen musste.
„Ich kann nicht mehr! Aufhören! Bitte hören Sie auf, Schwester Eulalia! Ich halte es nicht mehr aus!“ heulte ich und wand mich schluchzend an der Haltekette.
Ich musste es dennoch aushalten. Die Schwester gab nichts um mein Flehen. Ich sah, wie Katarina aufhörte, Hannah zu schlagen und diese schluchzend an ihrer Haltekette zusammensackte, aber für mich hörte es nicht auf. Schwester Eulalia peitschte mich gnadenlos weiter aus.
Ich heulte und schrie und flehte in einem fort um Gnade, die nicht gewährt wurde. Es dauerte endlos lange. Irgendwann machte ich in meiner Not unter mich und tanzte mit bloßen Füßen in der kleinen Pfütze zum Takt der Lederpeitsche; ein Tanz der Qual in meinem eigenen Universum aus Schmerz. Immer wieder flehte ich Schwester Eulalia an, bitte bitte aufzuhören, wenigstens für eine Minute, eine einzige Minute nur. Sie hatte taube Ohren für mein Flehen, ließ mich weiter unter der Peitsche tanzen und schreien. Ich verlor jedes Zeitgefühl. Was zählte war nur das Hier und Jetzt, nur Schmerz und Pein, nur Weinen und Schreien. Etwas anderes gab es nicht in meinem Gedanken.
Als es aufhörte, blieb ich eine Weile angespannt wie ein Flitzebogen an der Kette hängen, bevor ich in mich zusammensackte. Schwester Eulalia wartete, bis ich mit Weinen soweit fertig war, dass ich einige Worte stammeln konnte.
„Danke, Schwester Eulalia“, sagte ich schluchzend. Auch Hannah beeilte sich, Danke zu Katarina zu sagen.
Die Nonne übergab Katarina Gerber die Schlange: „Halbe Stunde hängen lassen.“ Damit dampfte sie ab, Katarina im Schlepptau.
Hannah und ich blieben allein auf dem Dachboden hängen. Ich sah, dass auch meine Freundin in einer selbst gemachten Pfütze stand. Allmählich versiegten unsere Tränen.
Hannah schaute mich lange an. „Und daran soll man sich gewöhnen!?“ sagte sie schließlich. Sie schaute mich mit großen Augen an. „Das ist unmöglich, Sigrid. Das kann kein Mensch.“
„Aber man kann lernen, es anzunehmen“, erwiderte ich leise. „Es hinzunehmen und furchtlos anzutreten, solche Behandlungen zu ertragen.“
„Diesmal hast du geschrieen“, sagte sie. „Nicht wie draußen im Wald. Und du hast pausenlos um Gnade gebettelt.“
Ich nickte: „Unter der Schlange schreit jede. Die Schlange bricht jeden Widerstand.“ Mein Rücken glühte vor Schmerz, doch das konnte ich aushalten, musste es ja auch.
„Ich will weg!“ sagte Hannah leise. „Gleich nach dem Abendessen schreibe ich meiner Mutter einen neuen Wegwerfbrief!“
Ich senkte den Kopf: „Wenn du weggehst, bleibe ich allein zurück, Hannah.“ Ganz leise war meine Stimme, aber ich hatte mich endlich getraut, es auszusprechen. „Ich würde dich schrecklich vermissen. Ich mag dich, Hannah.“
„Ich dich auch“, erwiderte sie leise. „Ich möchte dich küssen, Sigrid, gleich jetzt.“ Sie zog an ihrer Haltekette. Es klirrte leise. „Leider geht es nicht.“ Ihr Blick fiel auf meinen nackten Schoß: „Tut es weh, zugenäht zu sein?“
„Nicht sehr“, antwortete ich. „Nur beim Gehen ist es unangenehm. Ich bin froh, dass es nur für ein paar Tage ist. Am Anfang dachte ich, es ist für immer. Ich hätte heulen können. Ich fand es so ungerecht, weil ich dann nichts mehr mit den Jungs haben konnte. Wo ich das doch erst kurz vor den Sommerferien entdeckt habe.“ Ich seufzte tief. „Na Gott sei Dank habe ich es bald überstanden.“
Hannah schaute weiterhin neugierig.
„Willst du es dir mal anschauen?“ fragte ich. Sie nickte stumm. „Wenn Katarina uns losgebunden hat, zeig ich es dir.“

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Posted by Knibbel2
2 years ago    Views: 842
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